und zerschlagen, war da ein grosser Jammer, wurden wir alle reich." – "Aber wie gewonnen, so zerronnen", sagte Seger, "ich brachte mehr mit zurück nach Waiblingen als irgend ein anderer Knecht, kaufte viel Häuser und Gärten, verspielte es aber alles in wenigen Jahren." – Schärtlin lachte und sprach: "Hab einmal auch zu Neapolis 5000 Dukaten in einer Stunde verspielt, brachte doch aus demselben Kriege zurück an 15000 Florenen und gute Kleider und Kleinode; dem Allmächtigen sei Lob, ich hatte es sauer verdient. Doch zur Sache, ihr wollt also Dienste?" – SEGER: "Bei gutem Handgeld, ich bin ein guter Hakenschütze, der auch." – SCHÄRTLIN: "Ich geb euch jedem vierzig Gulden für den Kriegszug." – ANTON: "Ist das für mich, der noch nicht gedient, recht und genug, so ist's für den zu wenig." – SCHÄRTLIN: "Vertragt euch darum, mehr kann ich nicht geben, ihr könnt bei mir was lernen und gut plündern." – SEGER: "Ich dien bei Euch, auf! lasse uns den Eid ablegen."
Schärtlin befahl jetzt dem Schreiber, das Geld auszuzahlen. Unter der Zeit traten neun Fähnlein seiner geworbenen Knechte, die noch in Augsburg lagen, vor dem haus zusammen. Da war ein prächtiger Trommelschlag auf grossen Trommeln; die Pfeifer taten ihr bestes, die Hakenschützen sprangen mit zierlichen Schritten voran, die Hauptleute spielten mit den Spiessen in der Sonne, die grosse Fahne wurde herabgereicht vom haus und in die Mitte gepflanzt; dann bestieg Schärtlin sein Pferd, nahm seinen Streitammer in die Hand und liess die beiden Neuangeworbenen bei der Fahne schwören, indem er sprach: "Guten Abend, lieben Kriegsleut, also lieben Landsknecht, darum wir versammlet und hier beisammen sind, das geschieht darum, dass unser grossmächtiger Kaiser unser bedarf zur Beschützung seiner Land und Untertanen, Witwen und Waisen; derhalben werdet ihr beiden Neuangeworbenen, Seger und Sixt, schwören, unserm gnädigen Herren zwölf monat getreu zu dienen, auf Zügen und Wachten, gegen alle seine Feinde, zu wasser und zu land, wo uns unser gnädiger Herr brauchen will."
Hierauf sprachen die beiden: "Wie mir vorgesagt und wie ich mit Worten wohl verstanden habe, das fest und stet zu halten, schwör ich, als mir Gott helfe."
Nach diesem Schwure ging mit Trommelschlag alles auseinander und drängte sich um die beiden neuen Brüder, um ihnen auf den Zahn zu fühlen. Anton und Seger waren genug mit Leuten aller Art umgegangen, um sich schnell beliebt zu machen, die guten Gesellen wurden gleich mit ihnen bekannt, und Seger machte alle lustig, dass er sie aufmahnte, in das grosse Frauenhaus zu gehen. Da war unter den jungen Burschen ein jubel, wohl einhundert zogen mit. Dieses Haus war damals eins der prächtigsten, wenngleich am abgelegensten in der Stadt, ursprünglich ein grosses Bad, späterhin durch die Kriegszüge, die viel liederliches Volk in die Stadt getrieben, zu dem neuen Gebrauche eingerichtet. Aus allen Fenstern hingen Teppiche; schöne Frauen sassen daran und winkten mit grossen Blumensträussen, oder auch mit Luftfächern aus bunten Federn; unten im haus waren die grossen Säle, wohin sich eine Zahl derselben, je nachdem ihrer bestellt wurden, begab; doch ehe das geschah, versicherte sich erst der Wirt mit seinen Helfershelfern, die mit Peitschen umhergingen, die Mädchen in ihrer Gewalt zu erhalten, ob auch Geld unter den Leuten sei. Wer Geld auslegte, wurde nach Gefallen gebadet und gezwagt und mit allem bewirtet, da klapperten die Würfel, ein teil tanzte bei dem Schalle von Pfeifen, die Frauen wussten sich in allem recht stolz und freventlich zu zeigen, und es kostete dann noch viel Mühe, Geld und manchen blutigen Kopf, ehe sie sich dem Willen eines jeden fügten. Seger tat, als sei er mit allen seit Jahren schon vertraut gewesen, aber keine mochte ihn sonderlich leiden; er sah so kalt und tückisch aus, dass sie ihn ausschimpften wenn er ihnen zu nahe trat; hingegen drängten sich mehrere um Anton, der bei seinem Schoppen Wein bisher in aller Treue seiner Alma gedacht hatte. Zwei, die eine nannte sich Dido, die andere Semiramis, wollten nicht von ihm lassen, sie drängten ihn, er möchte sagen, welcher er den Vorzug gönne, und dabei zeigten sie so frech ihren stolzen Leib, dass ihm allerdings gar wunderlich zu Mute wurde, aber er dachte seiner Frau in aller Treue. Und wie sie ihn so mit glänzenden Augen unter sich sitzen sahen und doch so ruhig, als habe er gar nichts ihnen zu sagen, da fasste eine gegen die andere Verdacht geheimer Liebschaft mit ihm, und so begann der Schimpf zwischen beiden. Die hochmütige Semiramis schlug aus gegen Dido, die es ihr mit beiden Händen zurückgab. Der Tisch mit Gläsern stürzte um, die alten Landsknechte, die sich am Feuer von einem weib Waffeln backen liessen, sprangen so hastig auf, dass die Butter ins Feuer lief. Seger, der schon lange auf Antons Frauenglück eifersüchtig gewesen, sprang zu seinem Degen und drang auf ihn ein, der, staunend über den Anfall und des tollen Menschen wenig achtend, nur nachlässig seine Stösse mit der Hand ablenkte. Von dem verschütteten Weine war aber der Boden so glatt geworden, dass Anton fiel, und Seger hätte ihn in dem Augenblicke durchstossen, wäre nicht ein junges Mädchen mit