1817_Arnim_006_124.txt

, nachdem er tagelang mit ihnen auf der Jagd gelegen, die ihm eine unüberwindliche leidenschaft geworden. Seine Ausgaben überstiegen bald alle ihre Einnahmen, ans Malen hatte er nicht Zeit zu denken, aber ihre Liebe zu ihm nahm immer zu; sie machte ihm täglich Vorwürfe, auch schlug sie wohl zuweilen, aber das half alles nicht; sie schickte deswegen die Geistlichen über ihn, dass sie ihm das Abendmahl versagen sollten.

Anton merkte bald, woher dies stamme, und ärgerte sich über diese Pfaffenwirtschaft, durch die seine Frau ihn regieren wollte, er besprach sich mit Seger und andern in der Stadt, die heimlich Luter zugetan waren und erklärten, dass sie das Abendmahl künftig nur unter beiderlei Gestalt annehmen wollten. Die Geistlichen betrieben die Sache für jetzt nicht weiter, sie waren unter sich uneinig und sahen, wie viele Anhänger die Kirchenverbesserung unter ihnen gewönne; Frau Anna hatte an ihnen keine hülfe in ihrem Grame, insbesondere, als Anton das neue schöne Altarbild in die Kirche geliefert hatte; sie sagten ihr, dass eine christliche Ehefrau ihrem mann in allen zeitlichen Angelegenheiten dienen und nachgeben müsse. Das war eine harte Zeit für Frau Anna, insbesondere, da sie sich ihrer zweiten Niederkunft näherte und Anton immer leichtsinniger in allerlei Verschwendung wurde. Sein fröhliches Wesen und gute Lebensart hatte ihn einigen Rittern der Gegend empfohlen, mit denen er jagte, auch ein paarmal zu Fehden mitritt, wobei er sich den Ruf eines sichern unerschrockenen Mannes erwarb. Da er halbe Wochen bei ihnen zugebracht hatte, so besuchten sie ihn wieder in der Stadt, was Frau Anna bei der gewohnten achtung, die sie im geringen Herkommen gegen den Adel der Gegend hatte, nicht wenig in Verlegenheit setzte. Anton zog sie mit ihrem ängstlichen linkischen Wesen auf, und jedem solchen Besuche folgte ein Strom von Tränen, die sie aus Arger über sich vergoss.

Unter solchen Bekümmernissen wurde sie glücklich von einem prächtigen Jungen entbunden, der fröhlich in die Welt lachte und sie zornig anschrie. Das Kind war aber ein Nimmersatt wie ihr Mann, dessen Namen Anton es auch in der Taufe erhielt; sie gab ihm zwei Ammen. Der grosse Anton hatte diese Zeit in stetem jubel verprasst; er benutzte ihre Schwäche, um einmal alles im haus durchzusehen, Kisten und Kasten, um zu wissen, ob ihr Jammer über seine grossen Ausgaben wirklich einen Grund hätte. Nun fand er freilich, dass manche grosse Kiste nichts als unbedeutendes altes Gerät entielt; so fand er auch jenen verrosteten Degen und den durchlöcherten Beutel, den ihr Kurt aufgefunden hatte, doch erstaunte er über die Menge Leinen und anderen Vorräte.

Als eine törichte Pracht erschienen ihm die alten Pokale von des Bürgermeisters Ahnherren, weil niemals im haus daraus getrunken wurde. Er nahm im Spass ein Paar mit auf den Ratskeller und bewirtete seine Freunde. Ein Rosshändler, der gerade durchreiste, bezeigte seine Lust, sie zu kaufen, während er einige seiner schönsten Streitengste vorbeireiten liess. Da war nun ein Apfelschimmel, der die ganze Neigung Antons auf sich gezogen; er konnte die Seligkeit kaum überschlagen, so ein Pferd täglich zu reiten, was alle Ritterpferde in der Gegend weit übertraf; er selbst trat dem Kaufmann mit der Frage entgegen, ob sie tauschen wollten, und der Mann liess es sich gern gefallen, die Becher anzunehmen, die mit goldenen Denkmünzen bedeckt, den Henkel mit Edelsteinen besetzt, als Hauptschätze des Hauses geachtet wurden. Anton machte diesen Tausch heimlich, so dass keiner seiner Freunde ihn warnen konnte; er war ganz selig darüber, aber er fürchtete gleich, dass die geschichte seiner Frau zu Ohren kommen möchte, deswegen beschloss er, ein paar Tage bei dem Ritter von Wieringen, seinem liebsten Jagdfreunde, zuzubringen. Er ritt noch den Abend fort und liess es seiner Frau durch Segen sagen, die bei dieser Veranlassung in bittre Klagen über ihn ausbrach, dass er ihren Mann verführe. Seger meinte, sie möchte sich nur auch verführen lassen, und ihnen wäre beiden geholfen, worüber die Frau in grossem Zorne ihm das Haus verbot. Seger liess einige drohende Worte fallen und sein Fluch ging noch in derselben Nacht in Erfüllung. Viele haben behauptet, er möchte selbst die Ursache des Unglücks sein: das grosse Vorwerk vor der Stadt, woher Frau Anna ihre Einnahme zog, brannte bis zum grund ab. Sie raufte sich die Haare aus und weinte über ihre unglücklichen Kinder; endlich sagte sie aber mit Hiob: der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobet; doch hätte sie gern ihren Herrn im haus gehabt, um ihm ihre dringende Ermahnungen vorzutragen.

Gegen Mittag kam Anton, aber in welchem Zustande! Er wurde von einem Bauer mit Ochsen herein gefahren, so gelähmt und zerschunden hatte ihn nach mutiger Gegenwehr ein Haufen reisiger Knechte liegen lassen, denen nach seinem Rosse gelustet, die ihn überfallen und es durch überlegene Zahl nach hartem Kampfe ihm abgenommen hatten; er glaubte, den Rosskamm unter ihnen bemerkt zu haben. Seiner Hausfrau Bewillkommnung war nicht so milde, wie sein trauriger Zustand erwarten konnte; kaum sorgte sie für sein notwendigstes Bedürfnis, mit Unwillen gab sie ihm seine gewohnten neun Masse Wein und vier Pfund Rindfleisch, die er zum Mittagessen gebrauchte, und kündigte ihm gleich an, dass er nach dem Brandschaden kein solches Mahl künftig zu erwarten habe. Er war so beschämt, dass er nichts darauf antwortete, sondern seine Frau durch Vorschläge, wie der Schaden zu ersetzen sei,