1817_Arnim_006_122.txt

acht. Sie trat näher und rief nochmals: "Aber Anton!" und winkte ihm, er aber schüttelte ärgerlich mit dem kopf, weil es nur an einer Karte noch hing, ob er alles Geld, was er bei sich hatte, verloren; da sangen Seger und Melchior zweistimmig: "Die Weinlein, die wir giessen, die soll man trinken, die Brünnlein, die da fliessen, die sollen blinken. Und wer ein steten Buhlen hat, der soll ihm winken: ja winken mit den Augen und treten auf den Fuss, es ist ein harter Orden, der seinen Buhlen meiden muss, und noch viel härter, dass ich dies hohe Glas aussaufen muss." Während dieses Gesanges war sie dicht an sein Ohr herangetreten und sprach halblaut hinein: "Hörst du nicht, du roter Weinschlauch mit deinem Kranze, ich habe es wohl gesehen, wie dir die Metze den Kranz aufgesetzt hat und einen unehrlichen Kuss dir gegeben, ja lebte noch mein Mann, sie sollte Busse tun; hörst du noch nicht? Da siehst du auf Herzdame, statt deine ehrliche Frau anzusehen, die dich erst zu einem mann gemacht; was warst du denn, du Tunichtgut, hörst du nicht?" Bei diesen Worten wollte sie ihm den Kranz abreissen, der ihm übers Ohr hing, zugleich sah Anton, dass er von seiner Frau gestört, die Herzdame zu früh ausgespielt hatte, das Spiel, was er gewonnen hätte, war nun verloren, ungeduldig griff er um sich, um seine Ohren frei zu erhalten und schlug seiner Frau ohne Absicht hinter die Ohren. Da war keine Zeit zum Entschuldigen, schon fiel sie ihm in die Haare, er wusste nicht, wie ihm geschah, und da er nicht sehr empfindlich war und in seinem haupt ziemlich wankte, so liess er es mit sich geschehen; Seger aber sang: "Fröhlich, so will ich singen, schlage dein Weib um den Kopf, ich muss dir diesen bringen, zieh dein Weib bei dem Zopf, das Lied, das will nicht klingen, ich stopf dafür den Kropf." Anton liess alles mit sich manchen, umsonst sagten ihm seine Kameraden, er solle es nicht leiden, er habe zu viel angewöhnte Demut gegen sie; er lachte während ihrer Schimpfreden und Schläge, hob sie endlich, als der Wirt kam und sie beide ermahnte, auf seine arme und trug sie wie ein Kind die Treppe hinauf nach dem haus und in ihr Zimmer Hier wirkte der Rausch nach, kaum konnte er sie aufs Bett legen, so taumelte er selbst quer über, das erweckte den Ärger der Frau von neuem, über beide Betten hingesunken, war er eingeschlummert, sie konnte ihn nicht von der Stelle heben und hatte daher nicht einmal ihr eigenes Bette frei; bald fasste sie einen Arm, dann ein Bein, es war unmöglich; sie begann ihn zu entkleiden, ob er vielleicht von der Nachtkühle erwachen werde, dabei stiess und schlug sie ihn, so oft ihre Galle überlief, aber alles umsonst; wenn sie ihn eben erweckt zu haben meinte, schlug er unerwartet um sich, dass sie einmal gegen den Kachelofen geworfen wurde, und dann drückte er sich noch fester ins Bette. Sie musste sich endlich entschliessen, ihm eine Decke überzuwerfen und sich selbst gleich ihm quer über beide Betten zu legen, um ihren Gram wenigstens ein paar Stunden zu verschlafen. Anton wachte früh auf, er konnte sich erst nicht besinnen, wo er sei, da fiel ihm denn eins nach dem andern ein, und es reute ihn recht herzlich, er hatte seine Frau ungemein lieb und sah auch Tränen in ihren schlafenden Augen, er küsste ihr die Tränen ab und dann ihren Mund; sie aber, die von dem Schrecken und Ärger sehr ermüdet war, merkte von dem allen nichts, bis er sie zärtlich umarmte und sie seiner Freundlichkeit nicht mehr widerstehen konnte. "Ja sieh nur, wie glücklich wir sein könnten", sagte sie ihm, "wenn du keine dumme Streiche machtest; ich bin doch wahrlich noch hübscher als das freche Wirtsweib und küsse dir gern einen Kranz statt des Kranzes, den sie dir aufsetzt, und Wein geb ich dir, so viel du magst, alle Tage deine neun Mass und Sonntags einen richtigen Ehrentrunk, was kann dir denn dabei fehlen?" – Der aufrichtige Anton konnte hier nicht unterdrücken, dass er die Wasserverfälschung an dem Weine entdeckt; das ärgerte die Frau, sie fuhr auf und sagte: "Reinen Wein willst du Tagediebe gib mir Geld dazu! mein voriger Mann, der so viel verdiente, trank nie andern als den ich dir gebe; ja, denke nur einer, bald wird dir nichts mehr gut genug sein, und sonst nahmst du mit allem vorlieb." – Anton, der ein Feind vom Zanken war, beruhigte sie mit Liebkosungen, er war in der schönsten Friedenszeit nie so zärtlich gewesen, wie heute nach dem ersten grossen Streit. Das versöhnte die Frau bis zum Nachmittage, wo ihr schon allerlei Gerüchte von dem gestrigen Ereignisse zu Ohren kamen, die sie gar sehr ärgerten. Sie fing von neuem an gegen Anton zu knuttern, der sich zu seinem Altarbilde recht begeistert gesetzt hatte; sie sagte ihm, wie sie gestern bei dem Bilde, als sie es den Frauen gezeigt, ihn vor allen Männern herausgestrichen habe, wie fleissig, wie ordentlich er geworden, wie er nie mehr zu Wein gehe und mitten in der