ging in ihr Zimmer, denn sie hörte Verena auf der Treppe.
Diese tat, als ob sie Anton nicht sähe, brachte die Milch in das Zimmer ihrer Frau, kam dann zurück und sagte: "Warst du allein?" – "Freilich!" antwortete Anton. – "Es ist unmöglich", rief Verena, "denn den herrlichen Braten hast du kaum angerührt und kalt werden lassen." – Anton leugnete, so gut sein ehrlich Gesicht leugnen konnte. Verena sagte, dass die Schwester vom Brunnen her die Treppe hinauf geschlichen sei und behauptet habe, Frau Anna flüstere heimlich mit Anton und sie würden beide von ihr betrogen. Sie habe ihr noch erzählt, am Morgen sei ein grosser Streit zwischen Mutter und Tochter über den Namen Anno vorgefallen, den Bertold verordnet habe, weil er dem Namen Anton so ähnlich klinge, dass die Leute darüber spotten würden. Anna habe so heftig darüber gezürnt, dass Apollonia geschworen, sie wolle das Haus nicht mehr betreten, sie hätte sonst nur Schande von ihrer Aufsicht, das wolle sie an Bertold schreiben und ihm alles anheim stellen. Anton verstand wenig, was das alles bedeuten solle. Weil er sich bewusst war, an allen den Gerüchten und Scherzreden unschuldig zu sein, so machte es ihm viel Vergnügen, was sich die Leute für Grillen in den Kopf setzten, er fand sich sogar ein wenig geschmeichelt, dass die schöne Anna seinetwegen in den Verdacht eines Liebeshandels gekommen. Er verlachte den Zorn von Verena, ging fort und grüsste Sabina nicht einmal im Vorübergehen.
Zum Schmause bei der Taufe war die Bürgerschaft eingeladen, auch manche Bekannte aus der Gegend versprachen zu kommen, doch Kugler bedauerte, dass er durch die bevorstehende Entbindung seiner Frau abgehalten sei. Frau Apollonia besorgte alles Nötige zu dem Feste in ihrem haus, aber sie hielt ihr Gelübde, das Haus ihrer Tochter bis zu Bertolds Rückkehr nicht zu betreten. Anna sah darin nur ihre Liebe zu Bertold und ihren Ärger gegen sie und da die Vorwürfe der Mutter aus so verhasstem grund entstanden, so hielt sie es für eine verdächtige Nachgiebigkeit, wenn sie den ersten Schritt zur Versöhnung täte; wäre Anton erst fort, so meinte sie, dann fiele aller Verdacht. Sie suchte sich zu zerstreuen, indem sie Konrad und die Ritter, die er einführte, öfter in ihrem haus sah, und das zerstörte ihren guten Ruf bei der Bürgerschaft. Es mieden nämlich in gemeinsamer Verabredung alle ordentliche Frauen der Stadt den Umgang dieser verhassten, kostbaren Gäste. Frau Anna, die als eine Fremde mit keiner Frau in recht vertrauten Umgang getreten, war auch von denen, die sie sonst zuweilen bei sich gesehen, durch Bertolds Verfeindung mit der Bürgerschaft getrennt, sie ahndete nichts von einem solchen Entschlusse und sah die Fremden gern, bloss darum, weil sie fremd waren und etwas Neues erzählten. Die Bürger dachten sich bei dem Umgange Annens teils geheime Absichten, teils Liebschaften, und selbst die Einladung zum Schmause bei der Taufe schien vielen so verdächtig, dass sie am Sonntage Morgens, wo er gehalten werden sollte, noch eine Bürgerversammlung in einer der grössten Trinkstuben anordneten. Es waren ein paar fremde Reisigen erstochen gefunden worden, ein paar waren wirklich im Ratskeller von den Bürgern gar übel in einer Schlägerei zugerichtet und die Bürger fürchteten, dass sich die Fremden für alles auf einmal rächen möchten, wo es die Leute am wenigsten ahndeten. Sie hörten insbesondere vom Grafen Konrad viele Tükken, die er in der Gegend durch seine Leute hatte ausüben lassen, und meinten, dass er Waiblingen nur schone, um es auf einmal recht gründlich auszuplündern, wenn er es erst gründlich kennen gelernt habe; sie wussten nicht, wie hoch Waiblingen in der Gunst der Kronenwächter stehe, wie viel stürmischer er seiner Liebschaft zu Annen nachgetrachtet, wenn ihn nicht ein strenges Verbot in den Schranken der Zucht gehalten hätte. Haring, der Kunstpfeifer, zur Schusterzunft eingeschrieben, erzählte, dass es Blut geregnet habe auf das Kleid seiner Frau, das bedeute grossen Kampf, sie wären alle verloren, wenn sie einen der Ihren im Stich liessen. Dass er noch immer Grünewalds Zorn für seine Haut fürchte, das verschwieg er, weil er ihn wohl verschuldet hatte am Hochzeitfeste, er tat vielmehr, als ob er sich für das Ganze aufopfere, obgleich er so viel Vorteil vom öfteren Tanz bei den Fremden erntete; er schwor, zur Sicherheit seiner Mitbürger, einen guten Degen in seine Posaune zu stekken, und so solle sich jeder heimlich bewaffnet einfinden, dann könnte ihre Überzahl siegen. Der neue Bürgermeister hatte sich aus Vorsicht krank melden lassen, weil er aus den trunknen Worten des Doktor Fausts auf grossen Streit schloss, der sich am Abend ereignen könnte, aber er wirkte in der Versammlung durch einen seiner Schwäger, welcher Jackel, oder der dürre Jäger genannt wurde. Dieser regte die Galle der Bürger, indem er ihnen ein Schimpflied in bayerischer Mundart, wie es ihm die bayerischen Reisigen, wenn er auf die Jagd gehe, vorgesungen, mit grimmigem gesicht nachsang, es berichtete von neun Schwaben die gegen einen Hasen zu feld gezogen und davon gelaufen sind. Haring schrie wie seine Bassposaune, er wollte den Bayern schon zeigen, dass sie sich in Schwaben auf die Hasenjagd verständen. Den Schlussstein dieses schwankenden Gewölbes öffentlicher Ruhe und Gesetzlichkeit nahm der Türmer vom Augsburger Tore (wo Bertold auferzogen), indem er berichtete, dass am Morgen der Graf Konrad mit einigen Reisigen sich da umgesehen und die geputzten Bürgerfrauen