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Konrad, den Halunken, ihr könnt nicht von einem Vater sein." – "Von mir darfst du schlecht sprechen", antwortete Anton finster, "aber nicht von Bruder und Vater; was weisst denn du davon, dass es mein Bruder ist?" – "Mehr als du weisst", antwortete Faust, "war er es nicht, der dich beredete, der Kronenburg zu entfliehen, du wärst verloren." – "Freilich", sagte Anton, "er hat mir das Leben gerettet." – "Es ist nicht wahr", schrie Faust, "er hat dich um die Krone betrogen, er war dir zur hülfe nachgesendet von den Wächtern, aber er versteckte sich aus Furcht; er beredete dich, zu fliehen und nahm dir das Schwert Maximilians ab, und brachte es heim als Siegeszeichen, das er noch erbeutet habe, nachdem du dich zwingen lassen, dem Kaiser den Weg zu zeigen. Und so ward er als Erstgeborner von euch beiden durch die Entscheidung dieser kühnen Tat anerkannt, er aber hofft, dass du inzwischen längst in Hunger und Pest untergegangen bist." – "Du lügst, du Teufelsbanner", schrie Anton noch lauter und hieb mit dem Stiel der Weinbergshakke auf dem fetten rücken Fausts weidlich herum. – "Das kostet dir dein Leben", brummte Faust mit Zähneknirschen, "denn wem dankst du deine Gesundheit, als mir, du bist mir dein gemässigtes, ruhiges Blut schuldig." Anton achtete nicht darauf, sondern ging zornig davon, indem er noch immer in die Luft hieb. Die Bürger, die bei dem Streite herzugelaufen waren, winkten Anton Beifall und liessen ihn ruhig gehen, der Teufelsbanner war allen verhasst, aber die meisten scheuten sich, ihm zu missfallen, weil sie seine Kunst brauchten und seine Zauberei fürchteten.

Anton blieb jetzt vierzehn Tage auf den Weinbergen, denn er scheute den neuen Bürgermeister wegen des Vorfalls mit Faust. An einem Sonntag schlich er zu Sabina, diese aber stellte sich erzürnt; weil er sie so lange vergessen, so möchte er nun auch wegbleiben. Er sagte ihr vergebens seinen Grund, sie blieb ganz kalt und er schied von ihr, um zur Schwester zu gehen. Sabina wusste, dass diese ausgegangen sei, also lachte sie ihm nach und meinte, er werde bald wieder kommen, denn dass er mit Frau Anna eine Liebschaft habe, glaubte sie eigentlich selbst nicht. Aber Anton kam nicht wieder, sie sah sich die Augen fast blind. Anton war in Verenas Zimmer gegangen und hatte sich zu einer vollen Schüssel gesetzt, als Anna eintrat, ihn verwundert anblickte und fragte, wie ihm das Mittagsessen geschmeckt habe, das für sie da aufbewahrt stehe. Anton geriet in grosse Verlegenheit und erbot sich, was es koste, abzuarbeiten. "Ich nehme Euch beim Worte," sagte Anna, "aber nicht heute, sondern erst in acht Tagen sollt Ihr an die Arbeit gehen, wenn wir die Taufe feiern. Ich kann das Bild am Giebel nicht leiden, das Ihr am Hochzeittage gemalt habt, mag es aber nicht vor den Leuten ändern lassen, weil die gute, selige Frau Hildegard dies Bild als ein Gelübde hat malen lassen. Ein grosses Blumenbrett habe ich jetzt vor dem Fenster auf vielen eisernen Stützen errichtet, um Pomeranzenbäume da zu setzen, das trägt viele Menschen und meine Verena ist alle Abende darauf beschäftigt, die Windeln zum Trocknen aufzuhängen. An dem Abend ist voller Mond, Ihr könnt zum Malen genug sehen und nehmt einen Weibermantel von mir um, dass, wenn Euch einer zufällig sieht, Ihr für eins meiner Mägde gehalten werdet. Farben stehen noch bereit beim grossen Brunnenbilde, weil Meister Sixt das neue Marmorhaus und die Kapelle einträgt, die inzwischen fertig geworden. Malt die heilige Mutter und ihr Kind, wie Ihr wollt, nur malt beide, besonders aber das Kind anders, als es jetzt erscheint, ich kann es nicht leiden. Zum Lohn für das Unternehmen, das ihr niemand verraten dürft, zahle ich Euch mehr, als Ihr zu einer Reise nach Nürnberg und zu einem jährigen Aufentalt bei Dürer braucht." Anton hörte dem allem, was Anna nur nach längerer Überlegung und nach manchem Kampfe so deutlich hersagen konnte, mit offenem mund, wie einer himmlischen Botschaft zu. Die sehnsucht nach der Malerei hatte ihn erst ergriffen, seit er in den Weinbergen hackte, er verglich die elende wirkung dieser Tätigkeit (höchstens ein paar Mass Wein mehr, die Faust in einer Stunde hinunter stürzte), mit der eines Bildes, das von Tausenden bewundert, ein paar Jahrhunderte besteht und neue Schöpfungen anregt, er hatte oft im Zorn darüber die Erde übermässig zerhackt. Er nahm dankbar die Hand Annens, sprach seine Verehrung gegen Dürer aus, dessen "Ritter zwischen Tod und Teufel" er auf einem schloss gesehen hatte, – aber da hielt er inne und sprach: "Wird mir's auch gelingen, etwas Besseres am Giebel zu malen, denn ich kenne gar nichts andres seit jener guten Stunde, in welcher mir dies Bild gelang, aufzuzeichnen, als diese beiden Gesichter, die Euch so verhasst sind und die ich über alles verehre?" – Frau Anna machte ihm Mut und er glaubte daran. Sie verbot ihm mit Verena über die Angelegenheit zu reden, sie wolle sie an dem Abend bei den Schenktischen beschäftigen, er solle sich durch den Brunnen einschleichen, wenn es dunkel geworden. Sie brach hier ab und