zusammen, jedes brachte Stroh oder Lumpen und die grössten verfertigten eine gewaltige Strohpuppe, während die kleinen mit Tellern in die Häuser liefen, um ihren Lohn einzufordern, dass sie den Winter aus der Stadt vertrieben; sie kamen auch zu Bertold, der sie reichlich beschenkte. Nun begann der grosse Zug der Kinder, die Strohpuppe wurde an einem langen Seile geschleift und alle schrieen:
Nun treiben wir den Winter aus,
Den Tod aus unsrer Stadt hinaus.
Wie junge Rosse wiehernd einen Leichenwagen ziehen, mit den Gebissen spielen, die sie lenken, sich von der Erde aufbäumen der sie doch nicht entlaufen können, so erschien unserm Bertold in seinem betrübten Herzen der fröhliche Zug, er wusste nicht, welche Freude ihm an dem Tage bevor stand, was ihm der Storch an dem Tage gebracht hatte. Anna hatte ihn an dem Tage nicht sehen wollen, sie war krank, auch das machte ihn sehr beklemmt. Da glaubte er ein Kindergeschrei in seinem haus zu vernehmen, er horchte noch einmal, da kam Frau Apollonia mit freudigem Auge und fast atemlos die Haustreppe herunter, und schrie: "ein Sohn, ein Sohn!" – Bertold fühlte sich selbst entrissen von Freude, er stürzte die Treppe hinauf ins Zimmer, die Tränen liefen ihm in seligem Entzücken über die Wangen, schon sah er das Kind, wie es im Bade sich allmählich von dem Ärger beruhigte, aufs Trockne versetzt zu sein: "Wie schön ist der Knabe", rief er, "gleicht er nicht dem Christuskinde an unserm Giebel, wie soll ich dir danken Anna, alle Mühe, alle Qual, die du bei dem kind ausgestanden hast, und wie schön blickst du mich an aus deiner Schwäche." Frau Apollonia war bei den Worten Bertolds erbleicht, sie sah das Kind ernstlich an, es war das vollkommenste Abbild des Kindes am haus und dies das vollkommenste kindlichste Bild Antons. In ihrer Verlegenheit winkte sie Bertold, das Zimmer zu verlassen, es sei nicht gut, die Wöchnerinnen in ihrer ersten Ruhe zu stören. Aber er war nicht fortzubringen von dem kind, er sass da, betend wie einer der heiligen drei Könige und freute sich immer, dass sein Kind dem Christuskinde gleiche. Als es endlich eingeschlafen war und er fühlte, wie er nur hindre, statt zu helfen, und die Strasse laut wurde, schlich er fort und trat vor die Haustüre. Da kamen die Knaben von ihrem zug zurück, die Winterpuppe war in die Rems geworfen, sie brachten statt ihrer eine grünende Maie und indem sie dem Bürgermeister das erste Zweiglein davon darboten, sangen sie:
So viel Blätter an dem Strauss,
So viel Kinder in dein Haus,
Wünschet dir die Engelschar.
"Mit dem einen ist's schon wahr!" fiel Bertold ein und wendete seine tasche um, ihnen alles Geld zu spenden, was er bei sich trug, sie sollten sich an dem Tage recht lustig machen, dabei zeigte er auf seinen Giebel und sprach mit jubel: "Seht Kinder, so sieht mein Kleiner aus." – Apollonia stand hinter ihm und seufzte in sich und dachte: Wie soll ich den armen Mann von der unseligen Ähnlichkeit abbringen, er breitet seine eigne Schande aus, die Wartfrauen nennen schon den Kleinen ihren heiligen Anton. Bertold ahndete nichts von dem Geschwätz in seiner Seligkeit, er konnte sich nicht entalten, Anton von Herzen zu küssen, der zufällig den Zug der Kinder mitgemacht hatte, um ihn zu zeichnen, und nun zurück kam. Er führte ihn in seine Rüstkammer zu den schönen, kleinen Puppen, mit denen er selbst einst sich die Zeit vertrieb, und freute sich mit ihm, wenn sie den Sohn da zum erstenmal hinführen, ihm die Puppen zum Spiel übergeben wollten. Anton sollte das Kind malen, sobald es nur ein wenig ausgebildet wäre. Dem Anton schenkte er für die leichte Zeichnung des Todaustreibens einen schönen, roten Mantel mit goldner Einfassung. Anton ging so stolz aus dem haus, als ob er sich den Doktormantel verdient hätte, oder, wie die Leute sagten, als ob alles mit dem Mantel christlicher Liebe zugedeckt werden sollte. Grünewald schüttelte mit dem kopf, als er am Abend zu Frau Apollonien ging, und sprach erst mit ihrer Magd Sabina über Bertolds Kind und dann mit ihr, als sie gerufen worden, denn er liess sich mit allen Leuten ein und hatte gar kein Geheimnis.
Siebente geschichte
Die Gräber der Hohenstaufen
Kaum vier Wochen waren seit der Niederkunft vergangen, Mutter und Kind waren frischer und schöner, als je eine Wöchnerin und ein so junges Kind in Waiblingen gesehen, und die Ähnlichkeit beider mit dem Bilde am Giebel wuchs zu Bertolds Freude mit jedem Tage. Eben so wuchs das Gerede der Leute in der Stadt und Antons Verlegenheit dabei, der sich keiner Schuld bewusst war. Wie oft verwünschte er den Einfall, sich selbst in dem Christuskinde abgebildet zu haben, und meinte es frevelhaft, seit sich Frau Anna daran versehen habe, denn alle Weiber in der Stadt narrten ihn damit und verlangten, dass er ihnen Bilder auf den Giebel malen solle, die Männer aber stellten sich, als ob sie ihn gar nicht mehr in ihren Häusern dulden dürften. Mitten in dies Gerede, das Grünewald in seiner unabweislichen Geschwätzigkeit und Vertraulichkeit immer neu anregte, schrie die Kriegstrompete, dass alles für einige Zeit verstummen musste. Der Schwäbische Bund war endlich doch mit seiner Rüstung fertig geworden. Unter dem Namen Herzog Wilhelms von Bayern führte