gegoren, würde es zwischen ihnen auch klar sein.
Die Edelknaben wurden entlassen, der Herzog sprach eifrig von der Sicherung der Stadt gegen den Schwäbischen Bund und Grünewald sehr gelehrt von allen Arten der Befestigung. Endlich bestellte er noch durch Bertold einen Gruss an Frau Anna und dass er bald wieder kommen werde und gab seinem Pferde die Spornen, um nach Schorndorf zu reiten. Ihm folgte ein zahlreicher Jägerhaufen zu Ross und zu Fuss, mit Hunden und Falken, mit Küchenwägen und Zelten, als ob ein Volk mit Hab und Gut auswandre.
Alte Stille blieb nun in der Stadt zurück, die Einwohner konnten ruhig die Traubenlese fördern, und Bertold hatte endlich Zeit sich nach dem Zusammenhange aller der begebenheiten zu erkundigen. Aber Grünewald wusste ihm nur zu berichten, dass er durch die Vorsichtsmassregeln des Herzogs in seinem Geisterspass gehemmt worden sei, er hätte dem Anton einen Kürbis und Ketten überbringen wollen, aber die Wachen hätten ihn nicht eingelassen. Im haus hörte er von Annen den ganzen Verlauf, so weit sie ihn wusste, und küsste sie tausendmal für ihre Vorsicht und hätte dem Anton gern gelohnt, dass er sich so willig zu der Geisterfahrt gezeigt, aber dieser war schon nach haus zu seinem Meister geeilt. Frau Apollonia kam und klagte, wie ihr die Jäger in der Küche so viel Schaden getan, aber heimlich quälte sie sich, dass Anton, wie ihr Sabina erzählt, die Nacht bei Annen zugebracht habe. Alle waren verwacht, verstimmt, sie beschlossen, einmal wieder den alten Anno, den Einsiedler, auf den Weinbergen zu besuchen. "Vielleicht ist's der letzte schöne Abend im Jahre", sagte Bertold, "er will auf ausserordentliche Art gefeiert sein, und der Alte hat eine höhere Freude an der Traubenlese, als wir gestern mit dem betäubenden Geschrei erreichen konnten."
Der Weg in seinem leisen Ansteigen auf mancherlei Krümmungen zerstreute sie mit stets wechselnder Ansicht, sie holten aus den Weinbergen Bertolds die schönsten, gelben Trauben und erfrischten sich an dem edlen, schuldlosen Safte, den die wilde Gärung in den Tiefen der Keller bald zur wilden Raserei verführt. Mit dieser Gabe stiegen sie weiter hinauf, wo Anno wohnte, den sie im Gebete vor seiner Hütte trafen. Der Platz, wo sie gestern an der Burg zum Schwärmen gezwungen waren, lag tief unter ihnen, wie ein niedriges Erdenleben, hier fühlten sie sich dem Himmel näher. Der alte Anno empfing sie freundlich, dankte für ihre Gabe und sagte, er habe an dem Tage schon eine herrliche Gabe erhalten von einem jungen Maler Anton, ein frommes Muttergottesbild. Anna sah sich mit Beschämung in dem Bilde wieder, auch Apollonia sah sie bedeutend an, nur Bertold war mit dem Einsiedler allzu sehr beschäftigt, um dies zu beachten. Dieser erzählte ihm seine geschichte, wie er schon neunzig Jahre, vielleicht noch älter sei, wie er so lange im dorf unten gewohnt habe, als er noch viele Kinder und Kindeskinder gehabt. Als sie ihm aber allmählich abgestorben und er ihr Erbe geworden wäre, da hätte sich ihm in seinem Gram eine andre Freude und ein andres Leben eröffnet und er könne die Ereignisse dieser Welt von da an nur immer als Gleichnisreden zur Belehrung, aber nicht als etwas, das an sich bestehe, ansehen. Von da an habe er alle Sorgen aber nicht den Fleiss aufgegeben, denn was er auf seinen Äckern und Bergen über sein Bedürfnis gewinne, das schenke er frommen, armen Leuten, die es bedürften, oder denen, die ihn in guter Gesinnung besuchten. Die Gesellschaft wurde bei der Erzählung immer stiller und aufmerksamer. Er sprach zuletzt von der Seligkeit reicher Ernte und von der Erziehung des Menschen in dem Reichtum himmlischer Gaben, die in der Ernte irdisch ausgesprochen würden: "wie viel herrlicher ist diese", rief er, "als die Erziehung in Reue und Jammer, aber nicht jedem ist sie gedeihlich, nicht jeder bleibt in seiner Unschuld unsträflich, obgleich menschliche Irrtümer vom Himmel gern übersehen werden." Darauf brachte er Brot vom frischen Weizen und einen Becher jungen Most und sprach dabei manches fromme Wort. Es wurde dunkel, aber Bertold konnte sich der heitern Ruhe nicht entziehen, um an alle Schrecknisse der vorigen Nacht, an Gewalt und Geisterspuk in dem haus erinnert zu werden, dessen Vollendung ihm einst als höchste Glückseligkeit erschienen war. Auch die andern wünschten zu bleiben, der Alte bot ihnen Strohmatten zum Lager an und sie nahmen die Einladung an. Sie schliefen und beteten mit ihm, wie es die Stunden forderten. Am Morgen bat Bertold den Alten, dass er für sein künftiges Kind bete. Nach dem Gebete stand der Alte lange mit ausgebreiteten Armen gegen die Sonne, die über den Nebel wie über ein Weizenfeld hinaufdrang, sprach dann mit den Augen zum Himmel gewendet, von der Geburt des Herrn und sang, indem er Annens und Bertolds hände ergriff und drückte:
Es schwebt ein Glanz hoch überm Gold der Ähren,
Sie tauchen nickend in den Segen ein,
Ein Engel weint die hellen Freudenzähren,
Am Himmel zieht ein einz'ger Stern allein.
Die Hirten schlafen noch und lächeln drein,
Sie ahnden schon, wie nah der Herr mag sein.
Dem Engel geht ein Lamm so still zur Seite,
Das trägt ein Kreuz und blickt zu allen mild,
Die Schäflein sehen auf, was das bedeute,
Sie freuen sich am höhern Ebenbild:
"Ihr Hirten wachet auf, verkündet laut,
Ihr habt den Herrn im fernen Glanz geschaut