schwer und darum blieb keiner meiner bösen Streiche unbestraft. Konrad kam mir zum Glück entgegen, ich fragte ihn um Rat. Er sagte mir, die Wächter hätten schon wahrgenommen, dass ich den Kaiser nicht herabgestürzt hätte, das Schwert sei schon geschliffen, um mich zu entaupten, er sei mir heimlich entgegen gegangen, mich zu warnen, denn so gewiss die Steine unter unsern Tritten den Berg nicht hinauf, sondern herunter rollten, so gewiss würde mein Kopf zu Boden fallen. Ich hatte schon einen Kronenwächter hinrichten sehen, gleich war die Flocht beschlossen, ich wusste alle geheime Wege und Stege, Konrad gab mir einiges Geld, das ein Kronenwächter verloren, dem ich die tasche aufgeschnitten hatte; zuletzt tauschten wir noch mit den Schwertern, weil er meinte, das kaiserliche sei mir zu schwer und könne mich mit seiner Pracht verraten. Ich musste ihm versprechen, so weit zu wandern, bis ich das Meer vor mir sehe, sonst erreichten mich dennoch die Kronenwächter." – "Gewiss hat Euch Konrad betrogen", unterbrach ihn hier Anna "ich darf Euch jetzt nicht mehr vertrauen, aber vielleicht erzähle ich Euch bald mehr von der Sache, als Ihr selbst wisst." – "Hat der Ehrenhalt auch davon gesprochen", fragte Anton ängstlich, "hat er mich ausgekundschaftet, ich bin verloren, wenn sie mich fangen, ich kenne ihre Strenge, wohl mancher Kopf liegt getrennt vom Rumpf auf der Kronenburg, sie üben das strenge Recht unter sich und über uns unglückliche Hohenstaufer, die grausamen Kronenwächter!"
allmählich ging Erzählung und Nachdenken in Schlaf unter. Von allen zuerst wachte Bertold auf, ein heftiges Weh schraubte seinen Kopf zusammen, seine Zunge lechzte, er blickte um sich und befand sich in seinem Schlafzimmer und seinem Bette. Er glaubte Anna neben sich zu erblicken, es war ihr Nachtkleid, aber sie war ihm so fremd geworden in der Nacht, er rieb sich die Augen. Endlich bemerkte er, es sei Verena und verwunderte sich noch mehr, wie das Mädchen in die Kleider und an den Ort gekommen sei. Aber Verena hatte sich so lange gegen den Schlaf gewehrt, dass sie jetzt nicht so leicht zu erwecken war. Er ging in das Zimmer der Verena, um sich Aufschluss zu verschaffen, und fand Anna auf einer Seite eines Tisches und Anton auf der andern eingeschlafen. Ehe er sie erwecken konnte, pochte schon ein Jäger an, der Bertold befahl, sogleich zum Herzog zu kommen. Da er angezogen zu Bette gebracht worden, so forderte es nur einen Augenblick, sich in Ordnung zu bringen, er folgte dem Boten, ohne etwas von dem Zusammenhange aller Ereignisse zu wissen.
Bertold nahm sich zusammen, als er beim Herzog eintrat, die Neugierde hatte fast sein Kopfweh unterdrückt, er fragte ehrerbietig: wie der Herzog unter seinem dach geschlafen. – "Schlecht", sagte der Herzog, "ich habe das Unglück gehabt, aus dem Bette auf den Stiefelknecht zu fallen, die Stirn ist wund, das Auge entzündet, ich brauche schon die halbe Nacht kalte Umschläge und jetzt lässt der Schmerz etwas nach." – Bertold bedauerte ihn und sagte, dass er sich nach dem Rausche auch übel befinde, zugleich äusserte er seine Verwunderung, wie der Wein des Herzogs so betäubend auf ihn gewirkt habe. – "Ich bin daran gewöhnt", sagte der Herzog, "er ist mit türkischem Mohnsaft in der Gärung versetzt, aber es gefällt nicht jedermann. Wie haltet Ihr es aber in dem haus aus", fuhr er fort, "das könnte ich nicht vertragen." – Bertold fragte: Ob ihn Wanzen oder Mücken geplagt hätten. – "Nein, die Geister meine ich", antwortete der Herzog, "hier halte ich es keine Nacht mehr aus bei den leuchtenden Gestalten, wie alte Kaiser mit feurigen Kronen, die einem so dicht vor den Augen herumziehen, dass man meint, sie springen in die Augen, und dann die heftigen Blitzschläge durch alle Glieder. Ihr seht mich ungläubig an! Lassen wir das, ich habe Wichtigeres mit Euch zu verhandeln."
Nun erzählte der Herzog mit Auflodern, die Reutlinger hätten seinen Vogt von Achalm erschlagen, was Bertold schon wusste, bloss weil er in ihrer Stadt über einen Reutlinger gespottet hatte, den der Herzog vorher hinrichten lassen. Er wolle jetzt sein ganzes Land bewaffnen. – "Gegen die eine Stadt?" fragte Bertold. – "Nicht wegen der Reutlinger muss ich mich bis zum Kinn verschanzen", antwortete der Herzog, "Ihr werdet bald mehr hören.
Es harren zwölf Edelknaben mit Absagebriefen von dem Schwäbischen Bunde vor dem Tore, weil ich in aller Eile das Reutlinger Stadtgebiet verwüsten liess." – Bei diesen Worten wurde er so zornig, dass ihm zwei Blutstrahlen aus der Nase sprangen. Bertold reichte ihm wasser und der Herzog sagte: "Der Aderlass hat mich beruhigt, ich will jetzt den Boten, die vor den Toren harren, entgegenreiten und Ihr begleitet mich."
Der Herzog auf einem hohen, schweren Falben, Bertold auf seinem braunen, treuen Rennpferde, umgeben von Grünewald und der grossen Schar Diener, ritten vors Tor, wo die Edelknabe harrten. Der Herzog winkte sie zu sich, sie überreichten ihm die Absagebriefe, die an den Spitzen ihrer Spiesse befestigt waren, und er liess jedem dafür eine Flasche Most an den Spiess hängen mit freundlichem Grusse und so schmecke der diesjährige Wirtemberger Most und, wenn er klar