er wieder Mut gefasst hatte, sondern blieb mit Bertold beschäftigt, der auf der Bahre heimgetragen wurde und zuweilen seufzte. Überhaupt stand der Rückzug im grellsten Widerspiel mit der Pracht des Hinzugs; die Menge drängte sich verwildert der Stadt zu, auch der Herzog empfing manchen Stoss, den er ungeduldig mit Gegenstössen erwiderte, die oft den Unschuldigsten trafen. Ein scharfer Nachtwind erlöschte die fackeln und die eignen Leute des Herzogs achteten seiner wenig mehr in der Dunkelheit. Im haus Bertolds änderte sich das alles. Der Herzog wurde feierlich von den Zurückgebliebnen empfangen, auch war ein Nachtessen bereitet und er befahl für ihn und Annen zu decken. Da entschuldigte sich Anna mit ihrer Ermüdung, aber er liess sie nicht fort, er warf sich vor ihr nieder, sprach mit Rührung, dass sie alle seine Sinne verwirre, seine festen Entschlüsse für das Wohl seines Landes breche, ihn zur Wut und Feindschaft entzünde, wenn sie es ihm nicht gewähre, die letzte Hälfte der Nacht mit ihm zu teilen. Seine Beredsamkeit liess sie nicht zu Worten kommen, er mochte eine Stunde ohne Aufhören zu seinen Gunsten gesprochen haben, als die Hofjunker das Mahl forttrugen und er mit zuversichtlichem Lächeln befahl, seine Nachtkleider zu bringen.
Anna empfahl sich in Verlegenheit, er versprach ihr zutraulich, bald nachzukommen, Bertold schlafe so fest, dass er sie nicht stören werde, und seine Leute schicke er alle ins Nebenhaus, dass keiner sie belausche und verrate, sie möchte gleiche Vorsicht brauchen. Auf ihre Gegenrede hörte er nicht, er ging in sein Zimmer und sie ging in ihr Schlafzimmer, entschlossen zu entfliehen. Aber Verena kam ihr mit der Nachricht entgegen, das Haus sei von den Wachen des Herzogs mit dem Befehle besetzt, niemand einoder auszulassen. Anna fragte, wie sie das erfahren habe. Das Mädchen berichtete, dass Anton bei ihr auf Grünewald warte, der ihm Kleider, viele Schlüsseln und einen beleuchteten, als Gesicht ausgeschnittenen Kürbis habe bringen wollen, denn Anton solle diese Nacht einen Geist spielen, aber Grünewald bleibe aus und als sie nach ihm sich umsehen wollen, sei sie von der Wache zurück gewiesen. Sie klagte, dass sie nun gezwungen wäre, Anton die ganze Nacht zu beherbergen. – "Das wird dir keine Qual sein", sagte Anna und konnte sich der Tränen nicht erwehren, "aber wo finde ich hülfe gegen alle Qual, die meiner wartet, nun Grünewald mit seiner Klugheit mir fehlt." Sie machte den Versuch ihren Bertold zu erwecken, aber sein tiefer Schlaf liess ahnden dass schlafbringende Mittel ihm in dem Weine beigebracht worden. Diese Tücke des Herzogs erregte ihren Zorn, das Drachenmesser bewegte sich in ihrer Hand, aber die Gefahr für Bertold, die daraus entstehen konnte, drängte auf andere Mittel. Sie erzählte Verena ihre Not, sie beschwor das Mädchen, ihr Rat zu geben, denn alle ihre Klugheit gehe in Zorn und sorge unter. Verena besann sich und sprach endlich, dass sie sich ihr aufopfern wolle, wenn sie ihr schwöre, alles vor Anton geheim zu halten und sie auszustatten, auf dass Anton sie heiraten könne. Anna versprach alles, ohne ihre Absicht zu erraten. Als aber Verena jetzt ihre Kleider anzog und sie nötigte, in das Zimmer zu Anton sich zu begeben, da erriet sie, dass dies listige Mädchen, das ungefähr in gleicher Grösse mit ihr, im Bunde mit der Nacht, den Herzog anführen wolle. Sie wollte ihr danken, aber Verena antwortete: "Mir kostet es wenig und Euch hilft es viel."
Anna ging jetzt zu Anton und erzählte ihm, sie sei nicht sicher in ihrem Zimmer und wolle von ihm bewacht, die Nacht dort zubringen, sie habe Verena als Schildwacht ausgestellt. In ängstlicher Stille harrten sie, denn Anna quälte sich immer mit innrem Vorwurfe, dass eine andre sich aufopfere, und Anton ärgerte sich, dass Grünewald ihn so habe sitzen lassen und dass Frau Anna sich ängstige, obgleich er ihr tausendmal geschworen, dass er jeden niederschlage, der Gewalt gegen sie üben wolle; auch beteten beide, als es zwölfe schlug und sie Tritte im Gange vernahmen. Da sauste es um sie her und lichte, blaue Flammen blickten durch die Ritze der Tür, die Tritte wichen von dem Gange in Eile und mit grossem Krachen, als ob ein Stückfass die Treppe hinunterrolle, schien ihr Feind diese herunter zu fallen. Die Flammen waren verschwunden, aber sie wagten nicht, hinaus zu blikken, obgleich Anton einmal über das andre rief: "Der Grünewald ist listiger, als ein Mensch denkt."
Erst nach einer halben Stunde blickte Anton auf den gang, kein Feuerdunst war zu bemerken, aber in die tür war eine Faust mit aufgehobnem Zeigefinger eingebrannt, wo die Flammen durch die Ritze gespielt hatten. Das berichtete er und lähmte Annen noch mehr in ihrem Vorsatz, Verena zu besuchen, wer konnte ihr zusichern, dass sie nicht den Herzog dort finde und dass der Gefallene wirklich der Herzog gewesen. "Erzählt mir etwas aus Euren begebenheiten", sagte Anna, "das wird mich zerstreuen und wach erhalten, bis das Licht am Himmel und unsre Feinde auf Erden uns Einsicht in diesen Handel verschaffen.
Warum waret Ihr damals so entsetzt vor dem Ehrenhalt?" – "Euch kann ich nichts verschweigen, liebe, gnädige Frau", antwortete Anton, "aber ich verrate Euch ein schreckliches Geheimnis und wenn Ihr es nicht bewahrt, so trifft mich gar bald die Rache der boshaften Gesellen