böse sein, er machte das alles mit einer gewissen Gutmütigkeit, während er sich bei Bertold nach der Zahl streitbarer Männer, nach der Art ihrer Bewaffnung genau erkundigte. Bald stellte er Bertold einen neuen Vogt vor, der an die Stelle des alten, hinfälligen Brix treten sollte, er nannte ihn Grünewald, sagte, er sei noch etwas neu in den Geschäften, aber vom besten Willen beseelt, sich durch ihn belehren zu lassen, er habe sich diese Stelle als Gnade für ein Trinklied erbeten, das ihn entzückt habe. Bertold war nicht wenig verwundert, den armen Sänger und die Tirolerin jetzt in schimmernden Hofkleidern als Geschäftsmann einführen zu sehen, dagegen tat Grünewald, als sehe er ihn und die Stadt zum erstenmal, und sprach von einem lustigen Vetter, den er habe, der sich überall herumtreibe und schon manchmal mit ihm verwechselt sei. Bertold war beschwichtigt durch die Dreistigkeit dieses Leugnens und Anna beschämt, aber Grünewald entwickelte ungestört eine Menge guter Einsichten über die Verhältnisse der Stadt, über ihren Weinbau und endlich auch über die Weinlese, die an diesem Tage ihre Freudenfeste zu feiern begann. Der Herzog wollte alle Lust mitgeniessen, er setzte alle seine Leute in Bewegung, um im schönen Tale ein Mahl zu bereiten, er war heftig im Befehlen und sehr ungeduldig, wenn einer ein Wort nicht verstand, obgleich er eine eigne, abgekürzte Sprache sich angewöhnt hatte, die nur seiner steten Umgebung ganz geläufig war. So wurde nun in feierlichem zug nach den Weinbergen ausgegangen, der Herzog zwischen Bertold und Anna, ging voran, ihnen folgte die Jägerschar und alle Bewohner der Stadt, die nicht ohnehin schon draussen mit der Traubenlese beschäftigt waren. Oft wurden sie auf den engen Wegen von den Ochsenwagen mit grossen Tonnen eingetretnen Mosts in ihrem Marsche gehemmt, wo dann der Herzog heftig zankte, sich aber durch Annens Zureden besänftigen liess, oder durch ein Lied von Grünewald auf die schöne Abschiedstunde des Jahres. Als sie endlich an die Stelle unter dem zerstörten schloss gekommen waren, die Grünewald zum Feste eingerichtet hatte, welch ein Anblick: vor ihnen Waiblingen mit vielen andern Ortschaften im Tal, unter ihnen der Fluss, umher alle gleich dicht mit Menschen, wie mit Reben bepflanzten Berge. Beim Aufjauchzen der Jagdhörner verbreitete sich der jubel durch alle Anhöhen, der die Ankunft ihres Herzogs verkündigte. Bald setzte sich der Herzog zur Tafel, die von reichen Pokalen schimmernd, unter einem gestickten, roten Baldachin aufgetragen war. Bald stieg ein Zug von halb entkleideten Arbeitern, wie es die Hitze des Tages forderte, mit Weinblättern gegürtet und bekränzt, den Berg herunter, deren vordersten zweie ein nacktes, schönes Kind in einer Butte trugen. Dies Kind trugen sie zum Herzog, dass es ihm einen Kranz von höchst seltenen, späten Weinblüten aufsetzen sollte, der Herzog aber nahm den Kranz mit freundlichem Danke und setzte ihn Annen auf den Kopf, indem er die Gesundheit seiner schönen Wirtin ausbrachte, die dann von allen Bergen widerhallte. Und so geschah bei jeder Gesundheit, die der Herzog ausbrachte, und er selbst und seine Hofjunker sahen strenge darauf, dass jeder seinen Becher leerte. Grünewald allein wusste sich von dem Trinken frei zu machen, indem er für jeden Becher ein Lied sang, das an den Felsen widerhallte, und wurde stumpf seine stimme, so schrie er um so ärger. Das Mahl war reichlich und der Wein stark, der Himmel wurde dunkler, die Köpfe heller, überall zündeten sich fackeln und Feuer, alle Arbeiter drängten sich heran von den Bergen, hundert Melodieen pfiffen und grüssten unter einander, wer nicht mehr fest stehen und sitzen konnte, tanzte sich wieder nüchtern. Hätte Bertold nur tanzen können, aber er war schon umgesunken, wie viele andre, mit denen er auf Tragebahren wohlbekränzt und festgebunden, zum feierlichen Heimzuge gelegt war. Anna schämte sich seinetwegen und war um so mehr verlegen, da der Herzog ihr sehr zudringliche Artigkeiten sagte und Huttens unglückliche geschichte ihr vor Augen schwebte. Grünewald mochte an der Verlegenheit ihres Blicks ahnden, was ihr der Herzog zuflüsterte, er benutzte die Zeit, als dieser sich von ihr abgewandt hatte, ihr unbemerkt zu sagen, sie sollte sich nicht ängstigen, er wolle sie wie seinen Augapfel bewahren. Dann tat er wieder, als ob er taumle und sang: "Grunzt ihr, meine lieben Schweine, ich bin der verlorne Sohn, und ihr singet als Gemeine, was ich singe von dem Tron." Und nun sprang er in das Fenster des alten Schlosses und fing an greuliche Geisterhistorien vorzutragen, von Verstorbenen, die zu einem Festmahl gekommen, von Geistern, mit denen Menschen gerungen hätten und die ihnen schreckliche Schläge gegeben. Der Herzog verbot es ihm kleinlaut, es half nichts, denn alle waren zu so etwas Übernatürlichem durch Rausch und Nacht gestimmt. Zuletzt erzählte er von einem Kobold, der, wie er gehört, am Brunnen Bertolds zu Waiblingen haus, auch Nachts das Haus durchziehe. Das wurde dem Herzog zu arg, er sah sich ängstlich um und wagte nicht zu reden, endlich sprach er unordentliche Worte, weil er sich der Furcht schämte und brach auf. Grünewald flüsterte Annen zu: "Nichts in der Welt fürchtet der Herzog so kindisch, wie Geister, sie müssen ihn in der Jugend schrecklich untergekriegt haben, weil sie seine Bosheiten wohl merkten; die Geister sollen Euch diese Nacht gegen ihn bewachen."
Diese Worte gaben Annen ein besseres Vertrauen, sie hörte die zudringlichen Reden des Herzogs kaum, als