. im land, im land bleibt's.' – Die schönsten Juwelen werden wie schnöde Saatkörner in die Erde gesteckt, und was emporschiesst, sind höchstens Runkelrüben, aus denen die Praxis mit tausend Zentner schwerem Gewicht eine Viertelunze übelschmeckenden Zucker presst... Hei hei... und doch sollte jene Ausfuhr einen Handelsverkehr begründen mit der herrlichen Gottesstadt da droben, wo alles stolz und herrlich ist. – Gott im Himmel! Herr! Allen meinen teuer erkauften Puder à la Maréchal oder à la Pompadour oder à la reine de Golconde hätte ich in den Fluss geworfen, wo er am tiefsten ist, hätte ich nur wenigstens durch Transito-Handel ein Quentlein Sonnenstäubchen von dorter bekommen können, um die Perücken höchst gebildeter Professoren und Schulkollegen zu pudern, zuvörderst aber meine eigne! – Was sage ich? hätte mein Damon Ihnen, ehrwürdigster aller ehrwürdigen Mönche, statt des flohfarbnen Fracks einen Sonnenmatin umhängen können, in dem die reichen, übermütigen Bürger der Gottesstadt zu stuhl gehen, wahrhaftig, es wäre, was Anstand und Würde betrifft, alles anders gekommen: aber so hielt Sie die Welt für einen gemeinen glebae adscriptus und den Teufel für Ihren Cousin germain" – Schönfeld war aufgestanden und ging oder hüpfte vielmehr, stark gestikulierend und tolle Gesichter schneidend, von einer Ecke des Zimmers zur andern. Er war im vollen zug, wie gewöhnlich sich in der Narrheit durch die Narrheit zu entzünden, ich fasste ihn daher bei beiden Händen und sprach: "Willst du dich denn durchaus statt meiner hier einbürgern? Ist es dir denn nicht möglich, nach einer Minute verständigen Ernstes das Possenhafte zu lassen?" Er lächelte auf seltsame Weise und sagte: "Ist wirklich alles so albern, was ich spreche, wenn mir der Geist kommt?" "Das ist ja eben das Unglück," erwiderte ich, "dass deinen Fratzen oft tiefer Sinn zum grund liegt, aber du vertrödelst und verbrämst alles mit solch buntem Zeuge, dass ein guter, in echter Farbe gehaltener Gedanke lächerlich und unscheinbar wird, wie ein mit scheckigen Fetzen behängtes Kleid. – Du kannst wie ein Betrunkener nicht auf gerader Schnur gehen, du springst hinüber und herüber – deine Richtung ist schief!" – "Was ist Richtung", unterbrach mich Schönfeld leise und fortlächelnd mit bittersüsser Miene. "Was ist Richtung, ehrwürdiger Kapuziner? Richtung setzt ein Ziel voraus, nach dem wir unsere Richtung nehmen. Sind Sie Ihres Zieles gewiss, teurer Mönch? – fürchten Sie nicht, dass Sie bisweilen zu wenig Katzenhirn zu sich genommen, statt dessen aber im wirtshaus neben der gezogenen Schnur zu viel Spirituöses genossen und nun wie ein schwindliger Turmdecker zwei Ziele sehen, ohne zu wissen, welches das rechte? – Überdem, Kapuziner, vergib es meinem stand, dass ich das Possenhafte als eine angenehme Beimischung, spanischen Pfeffer zum Blumenkohl, in mir trage. Ohne das ist ein Haarkünstler eine erbärmliche Figur, ein armseliger Dummkopf, der das Privilegium in der tasche trägt, ohne es zu nutzen zu seiner Lust und Freude." Der Geistliche hatte bald mich, bald den grimassierenden Schönfeld mit Aufmerksamkeit betrachtet; er verstand, da wir deutsch sprachen, kein Wort; jetzt unterbrach er unser Gespräch. "Verzeihet, meine Herren, wenn es meine Pflicht heischt, eine Unterredung zu enden, die euch beiden unmöglich wohl tun kann. Ihr seid, mein Bruder, noch zu sehr geschwächt, um von Dingen, die wahrscheinlich aus Euerm frühern Leben schmerzhafte Erinnerungen aufregen, so anhaltend fortzusprechen; Ihr könnet ja nach und nach von Euerm Freunde alles erfahren, denn wenn Ihr auch ganz genesen unsere Anstalt verlasset, so wird Euch doch wohl Euer Freund weiter geleiten. Zudem habt Ihr (er wandte sich zu Schönfeld) eine Art des Vortrags, die ganz dazu geeignet ist, alles das, wovon Ihr sprecht, dem Zuhörer lebendig vor Augen zu bringen. In Deutschland muss man Euch für toll halten, und selbst bei uns würdet Ihr für einen guten Buffone gelten. Ihr könnt auf dem komischen Teater Euer Glück machen." Schönfeld starrte den Geistlichen mit weit aufgerissenen Augen an, dann erhob er sich auf den Fussspitzen, schlug die hände über den Kopf zusammen und rief auf italienisch: "Geisterstimme! ... Schicksalsstimme, du hast aus dem mund dieses ehrwürdigen Herrn zu mir gesprochen! ... Belcampo... Belcampo... so konntest du deinen wahrhaften Beruf verkennen... es ist entschieden!" – Damit sprang er zur tür hinaus. Den andern Morgen trat er reisefertig zu mir herein. "Du bist, mein lieber Bruder Medardus," sprach er, "nunmehr ganz genesen, du bedarfst meines Beistandes nicht mehr, ich ziehe fort, wohin mich mein innerster Beruf leitet... Lebe wohl! ... doch erlaube dass ich zum letztenmal meine Kunst, die mir nun wie ein schnödes Gewerbe vorkommt, an dir übe." Er zog Messer, Schere und Kamm hervor und brachte unter tausend Grimassen und possenhaften Reden meine Tonsur und meinen Bart in Ordnung. Der Mensch war mir trotz der Treue, die er mir bewiesen, unheimlich worden, ich war froh, als er geschieden. Der Arzt hatte mir mit stärkender Arznei ziemlich aufgeholfen; meine Farbe war frischer worden, und durch immer längere Spaziergänge gewann ich meine Kräfte wieder. Ich war überzeugt, eine Fussreise aushalten zu können, und verliess ein Haus, das dem Geisteskranken wohltätig, dem