gelegt. Verschwunden war aus meinem inneren die wahnsinnige Liebe zu dem Trugbilde im Mönchsgewand. Ich erholte mich ganz und trat nun erst heiter und unbefangen in das Leben ein. – Aber, gerechter Gott, noch einmal sollte mich jener verhasste Mönch auf entsetzliche Weise bis zum tod treffen. Für eben jenen Medardus, dem ich im Traum gebeichtet, erkannte ich augenblicklich den Mönch, der sich auf unserm schloss eingefunden. "Das ist der Teufel, mit dem die Mutter gesprochen, hüte dich, hüte dich! – er stellt dir nach!" so rief der unglückliche Hermogen immer in mich hinein. Ach, es hätte dieser Warnung nicht bedurft. Von dem ersten Moment an, als mich der Mönch mit vor freveliger Begier funkelnden Augen anblickte und dann in geheuchelter Verzückung die heilige Rosalia anrief, war er mir unheimlich und entsetzlich. Du weisst alles Fürchterliche, was sich darauf begab, meine gute liebe Mutter. Ach aber, muss ich es nicht Dir auch gestehen, dass der Mönch mir desto gefährlicher war, als sich tief in meinem Innersten ein Gefühl regte, dem gleich, als zuerst der Gedanke der Sünde in mir entstand und als ich ankämpfen musste gegen die Verlockung des Bösen? Es gab Augenblicke, in denen ich Verblendete den heuchlerischen frommen Reden des Mönchs traute, ja in denen es mir war, als strahle aus seinem inneren der Funke des himmels, der mich zur reinen überirdischen Liebe entzünden könne. Aber dann wusste er mit verruchter List, selbst in begeisterter Andacht, eine Glut anzufachen, die aus der Hölle kam. Wie den mich bewachenden Schutzengel sandten mir dann die Heiligen, zu denen ich inbrünstig flehte, den Bruder. – Denke Dir, liebe Mutter, mein Entsetzen, als hier, bald nachdem ich zum erstenmal bei hof erschienen, ein Mann auf mich zutrat, den ich auf den ersten blick für den Mönch Medardus zu erkennen glaubte, unerachtet er weltlich gekleidet ging. Ich wurde ohnmächtig, als ich ihn sah. In den Armen der Fürstin erwacht, rief ich laut: "Er ist es, er ist es, der Mörder meines Bruders." – "Ja, er ist es," sprach die Fürstin, "der verkappte Mönch Medardus, der dem Kloster entsprang; die auffallende Ähnlichkeit mit seinem Vater Francesko..." Hilf, heiliger Himmel, indem ich diesen Namen schreibe, rinnen eiskalte Schauer mir durch alle Glieder. Jenes Bild meiner Mutter war Francesko... das trügerische Mönchsgebilde, das mich quälte, hatte ganz seine Züge! – Medardus, ihn erkannte ich als jenes Gebilde in dem wunderbaren Traum der beichte. Medardus ist Franceskos Sohn, Franz, den Du, meine gute Mutter, so fromm erziehen liessest und der in Sünde und Frevel geriet. Welche Verbindung hatte meine Mutter mit jenem Francesko, dass sie sein Bild heimlich aufbewahrte und bei seinem Anblick sich dem Andenken einer seligen Zeit zu überlassen schien? – Wie kam es, dass in diesem Bilde Hermogen den Teufel sah, und dass es den Grund legte zu meiner sonderbaren Verirrung? Ich versinke in Ahnungen und Zweifel. – Heiliger Gott, bin ich denn entronnen der bösen Macht, die mich umstrickt hielt? – Nein, ich kann nicht weiter schreiben, mir ist, als würde' ich von dunkler Nacht befangen und kein Hoffnungsstern leuchte, mir freundlich den Weg zeigend, den ich wandeln soll! (Einige Tage später.) Nein! Keine finstere Zweifel sollen mir die hellen Sonnentage verdüstern, die mir aufgegangen sind. Der ehrwürdige Pater Cyrillus hat Dir, meine teure Mutter, wie ich weiss, schon ausführlich berichtet, welch eine schlimme Wendung der Prozess Leonards nahm, den meine Übereilung den bösen Kriminalgerichten in die hände gab. Dass der wirkliche Medardus eingefangen wurde, dass sein vielleicht verstellter Wahnsinn bald ganz nachliess, dass er seine Freveltaten eingestand, dass er seine gerechte Strafe erwartet und... doch nicht weiter, denn nur zu sehr würde das schmachvolle Schicksal des Verbrechers, der als Knabe Dir so teuer war, Dein Herz verwunden. – Der merkwürdige Prozess war das einzige Gespräch bei hof. Man hielt Leonard für einen verschmitzten, hartnäckigen Verbrecher, weil er alles leugnete. – Gott im Himmel! – Dolchstiche waren mir manche Reden, denn auf wunderbare Weise sprach eine stimme in mir: "Er ist unschuldig, und das wird klar werden, wie der Tag." – Ich empfand das tiefste Mitleid mit ihm, gestehen musste ich es mir selbst, dass mir sein Bild, rief ich es mir wieder zurück, Regungen erweckte, die ich nicht missdeuten konnte. Ja! – ich liebte ihn schon unaussprechlich, als er der Welt noch ein freveliger Verbrecher schien. Ein Wunder musste ihn und mich retten, denn ich starb, sowie Leonard durch die Hand des Henkers fiel. Er ist schuldlos, er liebt mich, und bald ist er ganz mein. So geht eine dunkle Ahnung aus frühen Kindesjahren, die mir eine feindliche Macht arglistig zu vertrüben suchte, herrlich, herrlich auf in regen wonnigem Leben. O gib mir, gib dem Geliebten Deinen Segen, Du fromme Mutter! – Ach könnte Dein glückliches Kind nur ihre volle Himmelslust recht ausweinen an Deinem Herzen! – Leonard gleicht ganz jenem Francesko, nur scheint er grösser, auch unterscheidet ihn ein gewisser charakteristischer Zug, der seiner Nation eigen (Du weisst, dass er ein Pole ist), von Francesko und dem Mönch Medardus sehr merklich