Verbrechen getrieben wurde. In dem ...tzer Forst hatte mich auf der Reise hierher der Postillon irre gefahren; ich kam in das Försterhaus, und dort..."
"Ha! ich verstehe alles, dort trafen Sie den Mönch an"...
"So ist es, er war aber wahnsinnig."
"Er scheint es nicht mehr zu sein. Schon damals hatte er lichte Stunden und vertraute Ihnen alles?"...
"Nicht geradezu. In der Nacht trat er, von meiner Ankunft im Försterhause nicht unterrichtet, in mein Zimmer. Ich, mit der treuen, beispiellosen Ähnlichkeit, war ihm furchtbar. Er hielt mich für seinen Doppeltgänger, dessen Erscheinung ihm den Tod verkünde. – Er stammelte – stotterte Bekenntnisse her – unwillkürlich übermannte mich, von der Reise ermüdet, der Schlaf; es war mir, als spreche der Mönch nun ruhig und gefasst weiter, und ich weiss in der Tat jetzt nicht, wo und wie der Traum eintrat. Es dünkt mich, dass der Mönch behauptete, nicht er habe Euphemien und Hermogen getötet, sondern beider Mörder sei der Graf Viktorin." –
"sonderbar, höchst sonderbar, aber warum verschwiegen Sie das alles dem Richter?"
"Wie konnte ich hoffen, dass der Richter auch nur einiges Gewicht auf eine Erzählung legen werde, die ihm ganz abenteuerlich klingen musste. Darf denn überhaupt ein erleuchtetes Kriminalgericht an das Wunderbare glauben?"
"Wenigstens hätten Sie aber doch gleich ahnen, dass man Sie mit dem wahnsinnigen Mönch verwechsle, und diesen als den Kapuziner Medardus bezeichnen sollen?"
"Freilich – und zwar nachdem mich ein alter blöder Greis, ich glaube, er heisst Cyrillus, durchaus für seinen Klosterbruder halten wollte. Es ist mir nicht eingefallen, dass der wahnsinnige Mönch eben der Medardus, und das Verbrechen, das er mir bekannte, Gegenstand des jetzigen Prozesses sein könne. Aber wie mir der Förster sagte, hatte er ihm niemals seinen Namen genannt – wie kam man zur Entdeckung?"
"Auf die einfachste Weise. Der Mönch hatte sich, wie Sie wissen, einige Zeit bei dem Förster aufgehalten; er schien geheilt, aber aufs neue brach der Wahnsinn so verderblich aus, dass der Förster sich genötigt sah, ihn hierher zu schaffen, wo er in das Irrenhaus eingesperrt wurde. Dort sass er Tag und Nacht mit starrem blick, ohne Regung, wie eine Bildsäule. Er sprach kein Wort und musste gefüttert werden, da er keine Hand bewegte. Verschiedene Mittel, ihn aus der Starrsucht zu wecken, blieben fruchtlos, zu den stärksten durfte man nicht schreiten, ohne Gefahr ihn wieder in wilde Raserei zu stürzen. Vor einigen Tagen kommt des Försters ältester Sohn nach der Stadt, er geht in das Irrenhaus, um den Mönch wieder zu sehen. Ganz erfüllt von dem trostlosen Zustande des Unglücklichen, tritt er aus dem haus, als eben der Pater Cyrillus aus dem Kapuzinerkloster in B. vorüberschreitet. Den redet er an und bittet ihn, den unglücklichen, hier eingesperrten Klosterbruder zu besuchen, da ihm Zuspruch eines Geistlichen seines Ordens vielleicht heilsam sein könne. Als Cyrillus den Mönch erblickt, fährt er entsetzt zurück. 'Heilige Mutter Gottes! Medardus, unglückseliger Medardus!' So ruft Cyrillus, und in dem Augenblick beleben sich die starren Augen des Mönchs. Er steht auf und fällt mit einem dumpfen Schrei kraftlos zu Boden. – Cyrillus mit den übrigen, die bei dem Ereignis zugegen waren, geht sofort zum Präsidenten des Kriminalgerichts und zeigt alles an. Der Richter, dem die Untersuchung wider Sie übertragen, begibt sich mit Cyrillus nach dem Irrenhause; man findet den Mönch sehr matt, aber frei von allem Wahnsinn. Er gesteht ein, dass er der Mönch Medardus aus dem Kapuzinerkloster in B. sei. Cyrillus versicherte seinerseits, dass Ihre unglaubliche Ähnlichkeit mit Medardus ihn getäuscht habe. Nun bemerke er wohl, wie Herr Leonard sich in Sprache, blick, gang und Stellung sehr merklich von dem Mönch Medardus, den er nun vor sich sehe, unterscheide. Man entdeckte auch das bedeutende Kreuzeszeichen an der linken Seite des Halses, von dem in Ihrem Prozess so viel Aufhebens gemacht worden ist. Nun wird der Mönch über die begebenheiten aus dem schloss des baron von F. befragt. – 'Ich bin ein abscheulicher, verruchter Verbrecher', sagt er mit matter, kaum vernehmbarer stimme, 'ich bereue tief, was ich getan. – Ach, ich liess mich um mein Selbst, um meine unsterbliche Seele betrügen! ... Man habe Mitleiden! ... man lasse mir Zeit... alles... alles will ich gestehen!' – Der Fürst, unterrichtet, befiehlt sofort den Prozess wider Sie aufzuheben und Sie der Haft zu entlassen. Das ist die geschichte Ihrer Befreiung. – Der Mönch ist nach dem Kriminalgefängnis gebracht worden."
"Und hat alles gestanden? Hat er Euphemien, Hermogen ermordet? wie ist es mit dem Grafen Viktorin?"...
"Soviel wie ich weiss, fängt der eigentliche Kriminalprozess wider den Mönch erst heute an. Was aber den Grafen Viktorin betrifft, so scheint es, als wenn nun einmal alles, was nur irgend mit jenen Ereignissen an unserm hof in Verbindung steht, dunkel und unbegreiflich bleiben müsse."
"Wie die Ereignisse auf dem schloss des baron von F. aber mit jener Katastrophe an Ihrem hof sich verbinden sollen, sehe ich in