wie mich segnend. Da gingen in lichten Farben herrliche Gebilde in mir auf. – Ach! ich war in dem heiligen wald! – ja, es war derselbe Platz, wo in früher Kindheit der fremdartig gekleidete Pilger mir den wunderbaren Knaben brachte. Ich wollte fortschreiten, ich wollte hinein in die Kirche, die ich dicht vor mir erblickte. Dort sollte ich (so war es mir) büssend und bereuend Ablass erhalten von schwerer Sünde. Aber ich blieb regungslos – mein eigenes Ich konnte ich nicht erschauen, nicht erfassen. Da sprach eine dumpfe, hohle stimme: "Der Gedanke ist die Tat!" – Die Träume verschwebten; es war der Maler, der jene Worte gesprochen. "Unbegreifliches Wesen, warst du es denn selbst? an jenem unglücklichen Morgen in der Kapuzinerkirche zu B.? in der Reichsstadt, und nun?" – "Halt ein," unterbrach mich der Maler, "ich war es, der überall dir nahe war, um dich zu retten von Verderben und Schmach, aber dein Sinn blieb verschlossen! Das Werk, zu dem du erkoren, musst du vollbringen zu deinem eignen Heil." – "Ach," rief ich voll Verzweiflung, "warum hieltst du nicht meinen Arm zurück, als ich in verruchtem Frevel jenen Jüngling..." "Das war mir nicht vergönnt," fiel der Maler ein, "frage nicht weiter! vermessen ist es, vorgreifen zu wollen dem, was die ewige Macht beschlossen... Medardus! du gehst deinem Ziel entgegen... morgen!" – Ich erbebte in eiskaltem Schauer, denn ich glaubte den Maler ganz zu verstehen. Er wusste und billigte den beschlossenen Selbstmord. Der Maler wankte mit leisem Tritt nach der Tür des Kerkers. "Wann, wann sehe ich dich wieder?" – "Am Ziele!" – rief er, sich noch einmal nach mir umwendend, feierlich und stark, dass das Gewölbe dröhnte – "Also morgen?" – Leise drehte sich die tür in den Angeln, der Maler war verschwunden. –
Sowie der helle Tag nur angebrochen, erschien der Kerkermeister mit seinen Knechten, die mir die Fesseln von den wunden Armen und Füssen ablösten. Ich solle bald zum Verhör hinaufgeführt werden, hiess es. Tief in mich gekehrt, mit dem Gedanken des nahen Todes vertraut, schritt ich hinauf in den Gerichtssaal; mein Bekenntnis hatte ich im inneren so geordnet, dass ich dem Richter eine kurze, aber den kleinsten Umstand mit aufgreifende Erzählung zu machen hoffte. Der Richter kam mir schnell entgegen, ich musste höchst entstellt aussehen, denn bei meinem Anblick verzog sich schnell das freudige Lächeln, das erst auf seinem Gesicht schwebte, zur Miene des tiefsten Mitleids. Er fasste meine beiden hände und schob mich sanft in seinen Lehnstuhl. Dann mich starr anschauend, sagte er langsam und feierlich: "Herr von Krczynski! ich habe Ihnen Frohes zu verkünden! Sie sind frei! Die Untersuchung ist auf Befehl des Fürsten niedergeschlagen worden. Man hat Sie mit einer andern person verwechselt, woran Ihre ganz unglaubliche Ähnlichkeit mit dieser person schuld ist. klar, ganz klar ist Ihre Schuldlosigkeit dargetan! ... Sie sind frei!" – Es schwirrte und sauste und drehte sich alles um mich her. – Des Richters Gestalt blinkte, hundertfach vervielfältigt, durch den düstern Nebel, alles schwand in dicker Finsternis. – Ich fühlte endlich, dass man mir die Stirne mit starkem wasser rieb, und erholte mich aus dem ohnmachtähnlichen Zustande, in den ich versunken. Der Richter las mir ein kurzes Protokoll vor, welches sagte, dass er mir die Niederschlagung des Prozesses bekannt gemacht und meine Entlassung aus dem Kerker bewirkt habe. Ich unterschrieb schweigend, keines Wortes war ich mächtig. Ein unbeschreibliches, mich im Innersten vernichtendes Gefühl liess keine Freude aufkommen. Sowie mich der Richter mit recht in das Herz dringender Gutmütigkeit anblickte, war es mir, als müsse ich nun, da man an meine Unschuld glaubte und mich freilassen wollte, allen verruchten Frevel, den ich begangen, frei gestehen und dann mir das Messer in das Herz stossen. – Ich wollte reden – der Richter schien meine Entfernung zu wünschen. Ich ging nach der tür, da kam er mir nach und sagte leise: "Nun habe ich aufgehört Richter zu sein; von dem ersten Augenblick, als ich Sie sah, interessierten Sie mich auf das höchste. So sehr, wie (Sie werden dies selbst zugeben müssen) der Schein wider Sie war, so wünschte ich doch gleich, dass Sie in der Tat nicht der abscheuliche, verbrecherische Mönch sein möchten, für den man Sie hielt. Jetzt darf ich Ihnen zutraulich sagen... Sie sind kein Pole. Sie sind nicht in Kwiecziczewo geboren. Sie heissen nicht Leonard von Krczynski." – Mit Ruhe und Festigkeit antwortete ich: "Nein!" – "Und auch kein Geistlicher?" fragte der Richter weiter, indem er die Augen niederschlug, wahrscheinlich um mir den blick des Inquisitors zu ersparen. Es wallte auf in meinem inneren. – "So hören Sie denn", fuhr ich heraus – "Still," unterbrach mich der Richter, "was ich gleich anfangs geglaubt und noch glaube, bestätigt sich. Ich sehe, dass hier rätselhafte Umstände walten, und dass Sie selbst mit gewissen Personen des Hofes in ein geheimnisvolles Spiel des Schicksals verflochten sind. Es ist nicht mehr meines