und ortographischer Fehler. Kein Nationalpole schreibt so, wäre er auch viel weniger wissenschaftlich ausgebildet, als Sie es sind."
"Ich bin in Krcziniewo geboren, folglich allerdings ein Pole. Selbst aber in dem Fall, dass ich es nicht wäre, dass geheimnisvolle Umstände mich zwängen, Stand und Namen zu verleugnen, so würde ich deshalb doch nicht der Kapuziner Medardus sein dürfen, der aus dem Kloster in B., wie ich glauben muss, entsprang."
"Ach, Bruder Medardus," fiel Cyrillus ein, "schickte dich unser ehrwürdiger Prior Leonardus nicht im Vertrauen auf deine Treue und Frömmigkeit nach Rom? ... Bruder Medardus! um Christus willen, verleugne nicht länger auf gottlose Weise den heiligen Stand, dem du entronnen."
"Ich bitte Sie, uns nicht zu unterbrechen", sagte der Richter und fuhr dann, sich zu mir wendend, fort:
"Ich muss Ihnen bemerklich machen, wie die unverdächtige Aussage dieses ehrwürdigen Herrn die dringendste Vermutung bewirkt, dass Sie wirklich der Medardus sind, für den man Sie hält. Nicht verhehlen mag ich auch, dass man Ihnen mehrere Personen entgegenstellen wird, die Sie für jenen Mönch unzweifelhaft erkannt haben. Unter diesen Personen befindet sich eine, die Sie, treffen die Vermutungen ein, schwer fürchten müssen. Ja selbst unter Ihren eigenen Sachen hat sich manches gefunden, was den Verdacht wider Sie unterstützt. Endlich werden bald die Nachrichten über Ihre vorgebliche Familienumstände eingehen, um die man die Gerichte in Posen ersucht hat... Alles dieses sage ich Ihnen offner, als es mein Amt gebietet, damit Sie sich überzeugen, wie wenig ich auf irgend einen Kunstgriff rechne, Sie, haben jene Vermutungen Grund, zum Geständnis der Wahrheit zu bringen. Bereiten Sie sich vor, wie Sie wollen; sind Sie wirklich jener angeklagte Medardus, so glauben Sie, dass der blick des Richters die tiefste Verhüllung bald durchdringen wird; Sie werden dann auch selbst sehr genau wissen, welcher Verbrechen man Sie anklagt. Sollten Sie dagegen wirklich der Leonard von Krczynski sein, für den Sie sich ausgeben, und ein besonderes Spiel der natur Sie, selbst rücksichts besonderer Abzeichen, jenem Medardus ähnlich gemacht haben, so werden Sie selbst leicht Mittel finden, dies klar nachzuweisen. Sie schienen mir erst in einem sehr exaltierten Zustande, schon deshalb brach ich die Verhandlung ab, indessen wollte ich Ihnen zugleich auch Raum geben zum reiflichen Nachdenken. Nach dem, was heute geschehen, kann es Ihnen an Stoff dazu nicht fehlen."
"Sie halten also meine Angaben durchaus für falsch? ... Sie sehen in mir den verlaufenen Mönch Medardus?" – So fragte ich; der Richter sagte mit einer leichten Verbeugung: "Adieu, Herr von Krczynski!" und man brachte mich in den Kerker zurück.
Die Worte des Richters durchbohrten mein Innres wie glühende Stacheln. Alles, was ich vorgegeben, kam mir seicht und abgeschmackt vor. Dass die person, der ich entgegengestellt werden und die ich so schwer zu fürchten haben sollte, Aurelie sein musste, war nur zu klar. Wie sollt' ich das ertragen! Ich dachte nach, was unter meinen Sachen wohl verdächtig sein könne, da fiel es mir schwer aufs Herz, dass ich noch aus jener Zeit meines Aufentaltes auf dem schloss des baron von F. einen Ring mit Euphemiens Namen besass sowie dass Viktorins Felleisen, das ich auf meiner Flucht mit mir genommen, noch mit dem Kapuzinerstrick zugeschnürt war! – Ich hielt mich für verloren! – Verzweifelnd rannte ich den Kerker auf und ab. Da war es, als flüsterte, als zischte es mir in die Ohren: "Du Tor, was verzagst du? denkst du nicht an Viktorin?" – laut rief ich: "Ha! nicht verloren, gewonnen ist das Spiel." Es arbeitete und kochte in meinem inneren! – Schon früher hatte ich daran gedacht, dass unter Euphemiens Papieren sich wohl etwas gefunden haben müsse, was auf Viktorins erscheinen auf dem schloss als Mönch hindeute. Darauf mich stützend, wollte ich auf irgend eine Weise ein Zusammentreffen mit Viktorin, ja selbst mit dem Medardus, für den man mich hielt, vorgeben; jenes Abenteuer auf dem schloss, das so fürchterlich endete, als von Hörensagen erzählen und mich selbst, meine Ähnlichkeit mit jenen beiden, auf unschädliche Weise geschickt hinein verflechten. Der kleinste Umstand musste reiflich erwogen werden; aufzuschreiben beschloss ich daher den Roman, der mich retten sollte! – Man bewilligte mir die Schreibmaterialien, die ich forderte, um schriftlich noch manchen verschwiegenen Umstand meines Lebens zu erörtern. Ich arbeitete mit Anstrengung bis in die Nacht hinein; im Schreiben erhitzte sich meine Phantasie, alles formte sich wie eine geründete Dichtung, und fester und fester spann sich das Gewebe endloser Lügen, womit ich dem Richter die Wahrheit zu verschleiern hoffte.
Die Burgglocke hatte zwölfe geschlagen, als sich wieder leise und entfernt das Pochen vernehmen liess, das mich gestern so verstört hatte. – Ich wollte darauf nicht achten, aber immer lauter pochte es in abgemessenen Schlägen, und dabei fing es wieder an, dazwischen zu lachen und zu ächzen. – Stark auf dem Tisch schlagend, rief ich laut: "Still ihr da drunten!" und glaubte mich so von dem Grauen, das mich befing, zu ermutigen; aber da lachte es gellend und schneidend durch das Gewölbe und stammelte: "Brü-der-lein, Brü-der-