, ich drang in ihn, mir doch nur zu sagen, was er eigentlich wolle. "Sie wissen also nicht, werter Herr Leonard, dass Sie neulich den ganzen Hof in Schrecken und Bestürzung gesetzt haben? – Die Oberhofmeisterin leidet bis dato an Krämpfen, und der Konsistorial-Präsident versäumt die wichtigsten Sessionen, weil es Ihnen beliebt hat, über seine podagrischen Füsse wegzurennen, so dass er, im Lehnstuhl sitzend, noch über mannigfache Stiche beträchtlich brüllt! – Das geschah nämlich, als Sie, wie von einiger Tollheit heimgesucht, aus dem saal stürzten, nachdem sie ohne merkliche Ursache so aufgelacht hatten, dass allen ein Grausen ankam und sich die Haare sträubten!" – In dem Augenblick dachte ich an den Hofmarschall und meinte, dass ich mich nun wohl erinnere, in Gedanken laut aufgelacht zu haben, um so weniger könne das aber von solch wunderlicher wirkung gewesen sein, als der Hofmarschall mich ja ganz sanft gefragt hätte, worüber ich mich so erfreue. "Ei, Ei!" – fuhr der Leibarzt fort, "das will nichts bedeuten, der Hofmarschall ist solch ein homo impavidus, der sich aus dem Teufel selbst nichts macht. Er blieb in seiner ruhigen Dolcezza, obgleich erwähnter Konsistorial-Präsident wirklich meinte, der Teufel habe aus Ihnen, mein Teurer, auf seine Weise gelächelt, und unsere schöne Aurelie von solchem Grausen und Entsetzen ergriffen wurde, dass alle Bemühungen der herrschaft, sie zu beruhigen, vergebens blieben und sie bald die Gesellschaft verlassen musste, zur Verzweiflung sämtlicher Herren, denen sichtlich das Liebesfeuer aus den exaltierten Toupets dampfte! In dem Augenblick, als Sie, werter Herr Leonard, so lieblich lachten, soll Aurelie mit schneidendem, in das Herz dringenden Ton: 'Hermogen!' gerufen haben. Ei, Ei! was mag das bedeuten? – Das könnten Sie vielleicht wissen – Sie sind überhaupt ein lieber, lustiger, kluger Mann, Herr Leonard, und es ist mir nicht unlieb, dass ich Ihnen Franceskos merkwürdige geschichte anvertraut habe, das muss recht lehrreich für Sie werden!" – Immerfort hielt der Leibarzt meinen Arm fest und sah mir starr in die Augen. – "Ich weiss," sagte ich, mich ziemlich unsanft losmachend, "ich weiss Ihre wunderliche Reden nicht zu deuten, mein Herr, aber ich muss gestehen, dass, als ich Aurelien von den geschmückten Herren umlagert sah, denen, wie Sie witzig bemerken, das Liebesfeuer aus den exaltierten Toupets dampfte, mir eine sehr bittre Erinnerung aus meinem früheren Leben durch die Seele fuhr und dass ich, von recht grimmigem Hohn über mancher Menschen töricht Treiben ergriffen, unwillkürlich hell auflachen musste. Es tut mir leid, dass ich, ohne es zu wollen, so viel Unheil angerichtet habe, und ich büsse dafür, indem ich mich selbst auf einige Zeit vom hof verbanne. Mag mir die Fürstin, mag mir Aurelie verzeihen." "Ei, mein lieber Herr Leonard," versetzte der Leibarzt, "man hat ja wohl wunderliche Anwandlungen, denen man leicht widersteht, wenn man sonst nur reinen Herzens ist." – "Wer darf sich dessen rühmen hienieden?" fragte ich dumpf in mich hinein. Der Leibarzt änderte plötzlich blick und Ton. "Sie scheinen mir," sprach er milde und ernst, "Sie scheinen mir aber doch wirklich krank. – Sie sehen blass und verstört aus – Ihr Auge ist eingefallen und brennt seltsam in rötlicher Glut... Ihr Puls geht fieberhaft... Ihre Sprache klingt dumpf... soll ich Ihnen etwas aufschreiben?" – "Gift!" sprach ich kaum vernehmbar. – "Ho ho!" rief der Leibarzt, "steht es so mit Ihnen? Nun, nun, statt des Gifts das niederschlagende Mittel zerstreuender Gesellschaft. – Es kann aber auch sein, dass... Wunderlich ist es aber doch... vielleicht –" "Ich bitte Sie, mein Herr!" rief ich ganz erzürnt, "ich bitte Sie, mich nicht mit abgebrochenen unverständlichen Reden zu quälen, sondern lieber geradezu alles..." – "Halt!" unterbrach mich der Leibarzt, "halt... es gibt die wunderlichsten Täuschungen, mein Herr Leonard, beinahe ist's mir gewiss, dass man auf augenblicklichen Eindruck eine Hypotese gebaut hat, die vielleicht in wenigen Minuten in nichts zerfällt. Dort kommt die Fürstin mit Aurelien, nützen Sie dieses zufällige Zusammentreffen, entschuldigen Sie Ihr Betragen... eigentlich... mein Gott! eigentlich haben Sie ja auch nur gelacht... freilich auf etwas wunderliche Weise, wer kann aber dafür, dass schwachnervige Personen darüber erschrecken? Adieu!" –
Der Leibarzt sprang mit der ihm eignen Behendigkeit davon. Die Fürstin kam mit Aurelien den gang herab. Ich erbebte. – Mit aller Gewalt raffte ich mich zusammen. Ich fühlte nach des Leibarztes geheimnisvollen Reden, dass es nun galt, mich auf der Stelle zu behaupten. Keck trat ich den Kommenden entgegen. Als Aurelie mich ins Auge fasste, sank sie mit einem dumpfen Schrei wie tot zusammen, ich wollte hinzu, mit Abscheu und Entsetzen winkte mich die Fürstin fort, laut um Hilfe rufend. Wie von Furien und Teufeln gepeitscht, rannte ich fort durch den Park. Ich schloss mich in meine wohnung ein und warf mich, vor Wut und Verzweiflung knirschend, aufs Lager! – Der Abend kam, die Nacht brach