Morgen zornig hin, wenn er wegreitet, um nicht wiederzukommen. Sonst ist er der gutmütigste Mensch von der Welt, er beschenkt meine Kinder bei jeder gelegenheit, er tut den Armen im dorf wohl, nur den Prediger kann er nicht leiden, weil er, wie Herr Ewson es von dem Schulmeister erfuhr, einmal ein Goldstück, das Ewson in die Armenbüchse geworfen, eingewechselt und lauter Kupferpfennige dafür gegeben hat. Seit der Zeit weicht er ihm überall aus und geht niemals in die Kirche, weshalb der Prediger ihn für einen Ateisten ausschreit. Wie gesagt, habe ich aber oft meine liebe Not mit ihm, weil er jähzornig ist und ganz tolle Einfälle hat. Erst gestern hörte ich, als ich nach haus kam, schon von weitem ein heftiges Geschrei und unterschied Ewsons stimme. Als ich ins Haus trat, fand ich ihn im stärksten Zank mit der Hausmagd begriffen. Er hatte, wie es im Zorn immer geschieht, bereits seine Perücke weggeschleudert und stand im kahlen Kopf, ohne Rock, in Hemdärmeln dicht vor der Magd, der er ein grosses Buch unter die Nase hielt und, stark schreiend und fluchend, mit dem Finger hineinwies. Die Magd hatte die hände in die Seiten gestemmt und schrie, er möge andere zu seinen Streichen brauchen, er sei ein schlechter Mensch, der an nichts glaube u.s.w. Mit Mühe gelang es mir, die Streitenden auseinander zu bringen und der Sache auf den Grund zu kommen. – Herr Ewson hatte verlangt, die Magd solle ihm Oblate verschaffen zum Briefsiegeln; die Magd verstand ihn anfangs gar nicht, zuletzt fiel ihr ein, dass das Oblate sei, was bei dem Abendmahl gebraucht werde, und meinte, Herr Ewson wolle mit der Hostie verruchtes Gespötte treiben, weil der Herr Pfarrer ohnedies gesagt, dass er ein Gottesleugner sei. Sie widersetzte sich daher, und Herr Ewson, der da glaubte, nur nicht richtig ausgesprochen zu haben und nicht verstanden zu sein, holte sofort sein englisch-deutsches Wörterbuch und demonstrierte daraus der Bauermagd, die kein Wort lesen konnte, was er haben wolle, wobei er zuletzt nichts als englisch sprach, welches die Magd für das sinnverwirrende Gewäsche des Teufels hielt. Nur mein Dazwischentreten verhinderte die Prügelei, in der Herr Ewson vielleicht den Kürzeren gezogen.'
Ich unterbrach den Wirt in der Erzählung von dem drolligen mann, indem ich fragte, ob das vielleicht auch Herr Ewson gewesen, der mich in der Nacht durch sein grässliches Flötenblasen so gestört und geärgert habe. 'Ach, mein Herr!' fuhr der Wirt fort, 'das ist nun auch eine von Herr Ewsons Eigenheiten, womit er mir beinahe die Gäste verscheucht. Vor drei Jahren kam mein Sohn aus der Stadt hieher; der Junge bläst eine herrliche Flöte und übte hier fleissig sein Instrument. Da fiel es Herrn Ewson ein, dass er ehemals auch Flöte geblasen, und liess nicht nach, bis ihm Fritz seine Flöte und ein Konzert, das er mitgebracht hatte, für schweres Geld verkaufte.
Nun fing Herr Ewson, der gar keinen Sinn für Musik, gar keinen Takt hat, mit dem grössten Eifer an, das Konzert zu blasen. Er kam aber nur bis zum zweiten Solo des ersten Allegros, da stiess ihm eine Passage auf, die er nicht herausbringen konnte, und diese einzige Passage bläst er nun seit den drei Jahren fast jeden Tag hundertmal hintereinander, bis er im höchsten Zorn erst die Flöte und dann die Perücke an die Wand schleudert. Da dies nun wenige Flöten lange aushalten, so braucht er gar oft neue und hat jetzt gewöhnlich drei bis vier im Gange. Ist nur ein Schräubchen zerbrochen oder eine Klappe schadhaft, so wirft er sie mit einem 'Gott verdamm mich, nur in England macht man Instrumente, die was taugen!' – durchs Fenster. Ganz erschrecklich ist es, dass ihn diese Passion der Flötenbläserei oft nachts überfällt und er dann meine Gäste aus dem tiefsten Schlafe dudelt. Sollten Sie aber glauben, dass hier im Amtshause sich beinahe ebenso lange, als Herr Ewson bei mir ist, ein englischer Doktor aufhält, der Green heisst und mit Herrn Ewson darin sympatisiert, dass er ebenso originell, ebenso voll sonderbaren Humors ist? – Sie zanken sich unaufhörlich und können doch nicht ohne einander leben. Es fällt mir eben ein, dass Herr Ewson auf heute Abend einen Punsch bei mir bestellt hat, zu dem er den Amtmann und den Doktor Green eingeladen. Wollen Sie es sich, mein Herr, gefallen lassen, noch bis morgen früh hier zu verweilen, so können Sie heute abend bei mir das possierlichste Kleeblatt sehen, das sich nur zusammenfinden kann.' –
Sie stellen sich es vor, gnädigster Herr, dass ich mir den Aufschub der Reise gern gefallen liess, weil ich hoffte, den Herrn Ewson in seiner Glorie zu sehen. Er trat, sowie es Abend worden, ins Zimmer und war artig genug, mich zu dem Punsch einzuladen, indem er hinzusetzte, wie es ihm nur leid täte, mich mit dem nichtswürdigen Getränk, das man hier Punsch nenne, bewirten zu müssen; nur in England trinke man Punsch, und da er nächstens dahin zurückkehren werde, hoffe er, käme ich jemals nach England, mir es beweisen zu können, dass er es verstehe, das köstliche Getränk zu bereiten. – Ich wusste, was ich davon zu denken hatte. – Bald darauf traten auch die eingeladenen Gäste ein. Der Amtmann