in einem Bette schlief und den blossen Fuss unter der Decke hervorgestreckt hatte. Nun bemerkte dies ein Engländer, der im Zimmer befindlich, und schnallte flugs dem Irländer den Sporn an den Fuss, den er von seinem Stiefel heruntergenommen. Der Irländer zog schlafend den Fuss wieder unter die Decke und ritzte mit dem Sporn den Schotten, der darüber aufwachte und dem Irländer eine tüchtige Ohrfeige gab. Darauf entspann sich unter ihnen folgendes sinnreiche Gespräch: 'Was Teufel ficht dich an, warum schlägst du mich?' – 'Weil du mich mit deinem Sporn geritzt hast!' – 'Wie ist das möglich, da ich mit blossen Füssen bei dir im Bette liege?' – 'Und doch ist es so, sieh nur her.' – 'Gott verdamm mich, du hast recht, hat der verfluchte Kerl von Hausknecht mir den Stiefel ausgezogen und den Sporn sitzen lassen.' – Der Wirt brach in ein unmässiges Gelächter aus, aber der Fremde, der eben mit dem Essen fertig worden und ein grosses Glas Bier heruntergestürzt hatte, sah mich ernst an und sprach: 'Sie haben ganz recht, die Irländer machen oft dergleichen Bulls, aber es liegt keinesweges an dem volk, das regsam und geistreich ist, vielmehr weht dort eine solche verfluchte Luft, die einen mit dergleichen Tollheiten wie mit einem Schnupfen befällt, denn, mein Herr, ich selbst bin zwar ein Engländer, aber in Irland geboren und erzogen und nur deshalb jener verdammten Krankheit der Bulls unterworfen.' – Der Wirt lachte noch stärker, und ich musste unwillkürlich einstimmen, denn sehr ergötzlich war es doch, dass der Irländer, nur von Bulls sprechend, gleich selbst einen ganz vortrefflichen zum besten gab. Der Fremde, weit entfernt, durch unser Gelächter beleidigt zu werden, riss die Augen weit auf, legte die Finger an die Nase und sprach: 'In England sind die Irländer das starke Gewürz, das der Gesellschaft hinzugefügt wird, um sie schmackhaft zu machen. Ich selbst bin in dem einzigen Stück dem Falstaff ähnlich, dass ich oft nicht allein selbst witzig bin, sondern auch den Witz anderer erwecke, was in dieser nüchternen Zeit kein geringes Verdienst ist. Sollten Sie denken, dass in dieser ledernen leeren Bierwirtsseele sich auch oft dergleichen regt, bloss auf meinen Anlass? Aber dieser Wirt ist ein guter Wirt, er greift sein dürftig Kapital von guten Einfällen durchaus nicht an, sondern leiht hie und da in Gesellschaft der Reichen nur einen aus auf hohe Zinsen; er zeigt, ist er dieser Zinsen nicht versichert, wie eben jetzt, höchstens den Einband seines Hauptbuchs, und der ist sein unmässiges lachen; denn in dies lachen hat er seinen Witz eingewickelt. Gott befohlen, meine Herrn!' – Damit schritt der originelle Mann zur tür hinaus, und ich bat den Wirt sofort um Auskunft über ihn. 'Dieser Irländer', sagte der Wirt, 'der Ewson heisst und deswegen ein Engländer sein will, weil sein Stammbaum in England wurzelt, ist erst seit kurzer Zeit hier, es werden nun gerade zweiundzwanzig Jahre sein. – Ich hatte als ein junger Mensch den Gastof gekauft und hielt Hochzeit, als Herr Ewson, der auch noch ein Jüngling war, aber schon damals eine fuchsrote Perücke, einen grauen Hut und einen kaffeebraunen Rock von demselben Schnitt wie heute trug, auf der Rückreise nach seinem vaterland begriffen, hier vorbeikam und durch die Tanzmusik, die lustig erschallte, hereingelockt wurde. Er schwur, dass man nur auf dem Schiffe zu tanzen verstehe, wo er es seit seiner Kindheit erlernt, und führte, um dies zu beweisen, indem er auf grässliche Weise dazu zwischen den Zähnen pfiff, einen Hornpipe aus, wobei er aber bei einem Hauptsprunge sich den Fuss dermassen verrenkte, dass er bei mir liegen bleiben und sich heilen lassen musste. – Seit der Zeit hat er mich nicht wieder verlassen. Mit seinen Eigenheiten habe ich meine liebe Not; jeden Tag seit den vielen Jahren zankt er mit mir, er schmält auf die Lebensart, er wirft mir vor, dass ich ihn überteure, dass er ohne Roastbeef und Porter nicht länger leben könne, packt sein Felleisen, setzt seine drei Perücken auf, eine über die andere, nimmt von mir Abschied und reitet auf seinem alten Gaule davon. Das ist aber nur sein Spazierritt, denn mittags kommt er wieder zum andern Tore herein, setzt sich, wie Sie heute gesehen haben, ruhig an den Tisch und isst von den ungeniessbaren speisen für drei Mann. Jedes Jahr erhält er einen starken Wechsel; dann sagt er mir ganz wehmütig Lebewohl, er nennt mich seinen besten Freund und vergiesst Tränen, wobei mir auch die Tränen über die Backen laufen, aber vor unterdrücktem lachen. Nachdem er noch lebens- und sterbenshalber seinen letzten Willen aufgesetzt und, wie er sagt, meiner ältesten Tochter sein Vermögen vermacht hat, reitet er ganz langsam und betrübt nach der Stadt. Den dritten oder höchstens vierten Tag ist er aber wieder hier und bringt zwei kaffeebraune Röcke, drei fuchsrote Perükken, eine gleissender wie die andere, sechs Hemden, einen neuen grauen Hut und andere Bedürfnisse seines Anzuges, meiner ältesten Tochter, seiner Lieblingin, aber ein Tütchen Zuckerwerk mit wie einem kind, unerachtet sie nun schon achtzehn Jahre alt worden. Er denkt dann weder an seinen Aufentalt in der Stadt, noch an die Heimreise. Seine Zeche berichtigt er jeden Abend, und das Geld für das Frühstück wirft er mir jeden