sei. – Ich bejahte es, mit dem Zusatz, wie ich vor ein paar Tagen angekommen und bloss durchreisen wollen; die Reize des Orts und vorzüglich die Gemütlichkeit und Ruhe, die hier überall herrsche, hätten mich aber vermocht, zu verweilen. Ganz unabhängig, bloss der Wissenschaft und der Kunst lebend, wäre ich gesonnen, recht lange hier zu bleiben, da mich die ganze Umgebung auf höchste Weise anspreche und anziehe. Dem Fürsten schien das zu gefallen, und er erbot sich mir als Cicerone alle Anlagen des Parks zu zeigen. Ich hütete mich zu verraten, dass ich das alles schon gesehen, sondern liess mich durch alle Grotten, Tempel, gotische Kapellen, Pavillons führen und hörte geduldig die weitschweifigen Kommentare an, die der Fürst von jeder Anlage gab. Überall nannte er die Muster, nach welchen gearbeitet worden, machte mich auf die genaue Ausführung der gestellten Aufgaben aufmerksam und verbreitete sich überhaupt über die eigentliche Tendenz, die bei der ganzen Einrichtung dieses Parks zum grund gelegen und die bei jedem Park vorwalten sollte. Er fragte nach meiner Meinung; ich rühmte die Anmut des Orts, die üppige herrliche Vegetation, unterliess aber auch nicht rücksichts der Gebäude mich ebenso wie gegen den Galerie-Inspektor zu äussern. Er hörte mich aufmerksam an, er schien manches meiner Urteile nicht gerade zu verwerfen, indessen schnitt er jede weitere Diskussion über diesen Gegenstand durch die Äusserung ab, dass ich zwar in ideeller Hinsicht recht haben könne, indessen mir die Kenntnis des Praktischen und der wahren Art der Ausführung fürs Leben abzugehen scheine. Das Gespräch wandte sich zur Kunst, ich bewies mich als guter Kenner der Malerei und als praktischer Tonkünstler, ich wagte manchen Widerspruch gegen seine Urteile, die geistreich und präzis seine innere Überzeugung aussprachen, aber auch wahrnehmen liessen, dass seine Kunstbildung zwar bei weitem die übertraf, wie sie die Grossen gemeinhin zu erhalten pflegen, indessen doch viel zu oberflächlich war, um nur die Tiefe zu ahnen, aus der dem wahren Künstler die herrliche Kunst aufgeht und in ihm den göttlichen Funken des Strebens nach dem Wahrhaftigen entzündet. Meine Widersprüche, meine Ansichten galten ihm nur als Beweis meines Dilettantismus, der gewöhnlich nicht von der wahren praktischen Einsicht erleuchtet werde. Er belehrte mich über die wahren Tendenzen der Malerei und der Musik, über die Bedingnisse des Gemäldes, der Oper. – Ich erfuhr viel von Kolorit, Draperie, Pyramidalgruppen, von ernster und komischer Musik, von Szenen für die Primadonna, von Chören, vom Effekt, vom Helldunkel, der Beleuchtung u.s.w. Ich hörte alles an, ohne den Fürsten, der sich in dieser Unterhaltung recht zu gefallen schien, zu unterbrechen. Endlich schnitt er selbst seine Rede ab mit der schnellen Frage: "Spielen Sie Pharo?" – Ich verneinte es. "Das ist ein herrliches Spiel," fuhr er fort, "in seiner hohen Einfachheit das wahre Spiel für geistreiche Männer. Man tritt gleichsam aus sich selbst heraus, oder besser, man stellt sich auf einen Standpunkt, von dem man die sonderbaren Verschlingungen und Verknüpfungen, die die geheime Macht, welche wir Zufall nennen, mit unsichtbarem Faden spinnt, zu erblicken imstande ist. Gewinn und Verlust sind die beiden Angeln, auf denen sich die geheimnisvolle Maschine bewegt, die wir angestossen und die nun der ihr einwohnende Geist nach Willkür forttreibt. – Das Spiel müssen Sie lernen, ich will selbst Ihr Lehrmeister sein." – Ich versicherte, bis jetzt nicht viel Lust zu einem Spiel in mir zu spüren, das, wie mir oft versichert worden, höchst gefährlich und verderblich sein solle. – Der Fürst lächelte und fuhr, mich mit seinen lebhaften klaren Augen scharf anblikkend, fort: "Ei, das sind kindische Seelen, die das behaupten, aber am Ende halten Sie mich wohl für einen Spieler, der Sie ins Garn locken will. – Ich bin der Fürst; gefällt es Ihnen hier in der Residenz, so bleiben Sie hier und besuchen Sie meinen Zirkel, in dem wir manchmal Pharo spielen, ohne dass ich zugebe, dass sich irgend jemand durch das Spiel derangiere, unerachtet das Spiel bedeutend sein muss, um zu interessieren, denn der Zufall ist träge, sobald ihm nur Unbedeutendes dargeboten wird." Schon im Begriff, mich zu verlassen, kehrte der Fürst sich noch zu mir und fragte: "Mit wem habe ich aber gesprochen?" – Ich erwiderte, dass ich Leonard heisse und als Gelehrter privatisiere, ich sei übrigens keinesweges von Adel und dürfe vielleicht daher von der mir angebotenen Gnade, im Hofzirkel zu erscheinen, keinen Gebrauch machen. "Was Adel, was Adel," rief der Fürst heftig, "Sie sind, wie ich mich überzeugt habe, ein sehr unterrichteter, geistreicher Mann. – Die Wissenschaft adelt Sie und macht Sie fähig, in meiner Umgebung zu erscheinen. Adieu, Herr Leonard, auf Wiedersehen!" – So war denn mein Wunsch früher und leichter, als ich es mir gedacht hatte, erfüllt. Zum erstenmal in meinem Leben sollte ich an einem hof erscheinen, ja, in gewisser Art selbst am hof leben, und mir gingen all die abenteuerlichen Geschichten von den Kabalen, Ränken, Intrigen der Höfe, wie sie sinnreiche Roman- und Komödienschreiber aushekken, durch den Kopf. Nach Aussage dieser Leute musste der Fürst von Bösewichtern aller Art umgeben und verblendet, insonderheit aber der Hofmarschall ein ahnenstolzer abgeschmackter Pinsel, der erste Minister ein ränkevoller habsüchtiger Bösewicht