Poststation. – Hier wohnt der Revierförster, und das bin ich! – Christian ist ein Esel, dass er das Tor geöffnet." Ich erzählte ganz kleinmütig meinen Unfall und dass nur die Not uns hier hineingetrieben, da wurde der Mann geschmeidiger, er sagte: "Nun freilich, das Unwetter war gar heftig, aber der Postillon ist doch ein Schlingel, dass er falsch fuhr und den Wagen zerbrach. – Solch ein Kerl muss mit verbundenen Augen im wald fahren können, er muss darin zu haus sein wie unsereins." – Er führte mich herauf, und indem er den Hirschfänger aus der Hand legte, den Hut abnahm und den Rock überwarf, bat er, seinen rauhen Empfang nicht übel zu deuten, da er hier in der abgelegenen wohnung um so mehr auf der Hut sein müsse, als wohl öfters allerlei liederlich Gesindel den Wald durchstreife und er vorzüglich mit den sogenannten Freischützen, die ihm schon oft nach dem Leben getrachtet, beinahe in offner Fehde liege. "Aber," fuhr er fort, "die Spitzbuben können mir nichts anhaben, denn mit der Hilfe Gottes verwalte ich mein Amt treu und redlich, und im Glauben und Vertrauen auf ihn und auf mein gut Gewehr biete ich ihnen Trotz." – Unwillkürlich schob ich, wie ich es noch oft aus alter Gewohnheit nicht lassen konnte, einige salbungsvolle Worte über die Kraft des Vertrauens auf Gott ein, und der Förster erheiterte sich immer mehr und mehr. Meiner Protestationen unerachtet weckte er seine Frau, eine betagte, aber muntre rührige Matrone, die, wiewohl aus dem Schlafe gestört, doch freundlich den Gast bewillkommte und auf des Mannes Geheiss sogleich ein Abendessen zu bereiten anfing. Der Postillion sollte, so hatte es ihm der Förster als Strafe aufgegeben, noch in derselben Nacht mit dem zerbrochenen Wagen auf die Station zurück, von der er gekommen, und ich von ihm, dem Förster, nach meinem Belieben auf die nächste Station gebracht werden. Ich liess mir das um so eher gefallen, als mir selbst wenigstens eine kurze Ruhe nötig schien. Ich äusserte deshalb dem Förster, dass ich wohl bis zum Mittag des folgenden Tages dazubleiben wünsche, um mich ganz von der Ermüdung zu erholen, die mir das beständige, unaufhörliche Fahren mehrere Tage hindurch verursacht. "Wenn ich Ihnen raten soll, mein Herr," erwiderte der Förster, "so bleiben Sie morgen den ganzen Tag über hier und warten Sie bis übermorgen, da bringt Sie mein ältester Sohn, den ich in die fürstliche Residenz schicke, selbst bis auf die nächste Station." Auch damit war ich zufrieden, indem ich die Einsamkeit des Orts rühmte, die mich wunderbar anziehe. "Nun, mein Herr," sagte der Förster, "einsam ist es hier wohl gar nicht, Sie müssten denn so nach den gewöhnlichen Begriffen der Städter jede wohnung einsam nennen, die im wald liegt, unerachtet es denn doch sehr darauf ankommt, wer sich darin aufhält, Ja, wenn hier in diesem alten Jagdschloss noch so ein griesgramiger alter Herr wohnte, wie ehemals, der sich in seinen vier Mauern einschloss und keine Lust hatte an Wald und Jagd, da möchte es wohl ein einsamer Aufentalt sein, aber seitdem er tot ist und der gnädige Landesfürst das Gebäude zur Försterwohnung einrichten lassen, da ist es hier recht lebendig worden. Sie sind doch wohl so ein Städter, mein Herr, der nichts weiss von Wald und Jagdlust, da können Sie sich's denn nicht denken, was wir Jägersleute für ein herrlich freudig Leben führen. Ich mit meinen Jägerburschen mache nur eine Familie aus, ja, Sie mögen das nun kurios finden oder nicht, ich rechne meine klugen anstelligen Hunde auch dazu; die verstehen mich und passen auf mein Wort, auf meinen Wink und sind mir treu bis zum tod. – Sehen Sie wohl, wie mein Waldmann da mich so verständig anschaut, weil er weiss, dass ich von ihm rede? – Nun, Herr, gibt es beinahe immer was im wald zu tun, da ist denn nun abends ein Vorbereiten und Wirtschaften, und sowie der Morgen graut, bin ich aus den Federn und trete heraus, ein lustig Jägerstückchen auf meinem Horn blasend. Da rüttelt und rappelt sich alles aus dem Schlafe, die Hunde schlagen an, sie jauchzen vor Mut und Jagdbegier. Die Bursche werfen sich schnell in die Kleider, Jagdtasch' umgeworfen, Gewehr über der Schulter, treten sie hinein in die stube, wo meine Alte das Jägerfrühstück bereitet, und nun geht's heraus in jubel und Lust. Wir kommen hin an die Stellen, wo das wild verborgen, da nimmt jeder, vom andern entfernt, einzeln seinen Platz, die Hunde schleichen, den Kopf geduckt zur Erde, und schnüffeln und spüren und schauen den Jäger an wie mit klugen menschlichen Augen, und der Jäger steht, kaum atmend, mit gespanntem Hahn regungslos, wie eingewurzelt auf der Stelle. – Und wenn nun das wild herausspringt aus dem Dickicht und die Schüsse knallen und die Hunde stürzen hintendrein, ei Herr, da klopft einem das Herz, und man ist ein ganz andrer Mensch. Und jedesmal ist solch ein Ausziehen zur Jagd was neues, denn immer kommt was ganz Besonderes vor, was noch nicht dagewesen. Schon dadurch, dass das wild sich in die zeiten teilt, so dass nun dies, dann jenes sich zeigt, wird das Ding so herrlich, dass kein Mensch auf Erden