vorüber, führte man mich eine Seitentreppe hinab in den Hof und dann durch das Hintergebäude auf die Strasse. Bei dem hellen Schein der Laterne erkannte ich in meinem Retter den possierlichen Belcampo. "Dieselben scheinen", fing er an, "einige Fatalität mit dem fremden Maler zu haben, ich trank im Nebenzimmer ein Gläschen, als der Lärm anging, und beschloss, da mir die gelegenheit des Hauses bekannt, Sie zu retten, denn nur ich allein bin an der ganzen Fatalität schuld." "Wie ist das möglich?" fragte ich voll Erstaunen. – "Wer gebietet dem Moment, wer widerstrebt den Hingebungen des höhern Geistes!" fuhr der Kleine voll Patos fort. "Als ich Ihr Hauptaar arrangierte, Verehrter, entzündeten sich in mir comme à l'ordinaire die sublimsten Ideen, ich überliess mich dem wilden Ausbruch ungeregelter Phantasie, und darüber vergass ich nicht allein, die Locke des Zorns auf dem Hauptwirbel gehörig zur weichen Runde abzuglätten, sondern liess auch sogar siebenundzwanzig Haare der Angst und des Entsetzens über der Stirne stehen, diese richteten sich auf bei den starren Blicken des Malers, der eigentlich ein Revenant ist, und neigten sich ächzend gegen die Locke des Zorns, die zischend und knisternd auseinanderfuhr. Ich habe alles geschaut, da zogen Sie, von Wut entbrannt, ein Messer, Verehrter, an dem schon diverse Blutstropfen hingen, aber es war ein eitles Bemühen, dem Orkus den zuzusenden, der dem Orkus schon gehörte, denn dieser Maler ist Ahasverus, der ewige Jude, oder Bertram de Bornis oder Mephistopheles oder Benvenuto Cellini oder der heilige Peter, kurz ein schnöder Revenant und durch nichts anders zu bannen, als durch ein glühendes Lockeneisen, welches die idee krümmt, welche eigentlich er ist oder durch schickliches Frisieren der Gedanken, die er einsaugen muss, um die idee zu nähren, mit elektrischen Kämmen. – Sie sehen, Verehrter, dass mir, dem Künstler und Phantasten von Profession, dergleichen Dinge wahre Pomade sind, welches Sprichwort, aus meiner Kunst entnommen, weit bedeutender ist, als man wohl glaubt, sobald nur die Pomade echtes Nelkenöl entält." Das tolle Geschwätz des Kleinen, der unterdessen mit mir durch die Strassen rannte, hatte in dem Augenblick für mich etwas Grauenhaftes, und wenn ich dann und wann seine skurrile Sprünge, sein komisches Gesicht bemerkte, musste ich wie im konvulsivischen Krampf laut auflachen. Endlich waren wir in meinem Zimmer; Belcampo half mir packen, bald war alles zur Reise bereit, ich drückte dem Kleinen mehrere Dukaten in die Hand, er sprang hoch auf vor Freude und rief laut: "Heisa, nun habe ich ehrenwertes Geld, lauter flimmerndes Gold, mit Herzblut getränkt, gleissend und rote Strahlen spielend. Das ist ein Einfall und noch dazu ein lustiger, mein Herr, weiter nichts."
Den Zusatz mochte ihm mein Befremden über seinen Ausruf entlocken; er bat sich es aus, der Locke des Zorns noch die gehörige Ründe geben, die Haare des Entsetzens kürzer schneiden und ein Löckchen Liebe zum Andenken mitnehmen zu dürfen. Ich liess ihn gewähren, und er vollbrachte alles unter den possierlichsten Gebärden und Grimassen. – Zuletzt ergriff er das Messer, welches ich beim Umkleiden auf den Tisch gelegt, und stach damit, indem er eine Fechterstellung annahm, in die Luft hinein. "Ich töte ihren Widersacher," rief er, "und da er eine blosse idee ist, muss er getötet werden können durch eine idee und erstirbt demnach an dieser, der meinigen, die ich, um die Expression zu verstärken, mit schicklichen Leibesbewegungen begleite. Apage Satanas, apage, apage, Ahasverus, allez-vous-en! – Nun das wäre getan", sagte er, das Messer weglegend, tief atmend und sich die Stirne trocknend, wie einer, der sich tüchtig angegriffen, um eine schwere Arbeit zu vollbringen. Rasch wollte ich das Messer verbergen und fuhr damit in den Ärmel, als trüge ich noch die Mönchskutte, welches der Kleine bemerkte und ganz schlau belächelte. Indem blies der Postillon vor dem haus, da veränderte Belcampo plötzlich Ton und Stellung, er holte ein kleines Schnupftuch hervor, tat, als wische er sich die Tränen aus den Augen, bückte sich einmal über das andere ganz ehrerbietig, küsste mir die Hand und den Rock und flehte: "Zwei Messen für meine Grossmutter, die an einer Indigestion, vier Messen für meinen Vater, der an unwillkürlichem Fasten starb, ehrwürdiger Herr! Aber für mich jede Woche eine, wenn ich gestorben. – Vorderhand Ablass für meine vielen Sünden. – Ach, ehrwürdiger Herr, es steckt ein infamer sündlicher Kerl in meinem inneren und spricht: 'Peter Schönfeld, sei kein Affe und glaube, dass du bist, sondern ich bin eigentlich du, heisse Belcampo und bin eine geniale idee, und wenn du das nicht glaubst, so stosse ich dich nieder mit einem spitzigen haarscharfen Gedanken.' Dieser feindliche Mensch, Belcampo genannt, Ehrwürdiger, begeht alle mögliche Laster; unter andern zweifelt er oft an der Gegenwart, betrinkt sich sehr, schlägt um sich und treibt Unzucht mit schönen jungfräulichen Gedanken; dieser Belcampo hat mich, den Peter Schönfeld, ganz verwirrt und konfuse gemacht, dass ich oft ungebührlich springe und die Farbe der Unschuld schände, indem ich singend in dulci jubilo mit weissseidenen Strümpfen in den Dr- setze. Vergebung für beide, Pietro Belcampo und Peter Schönfeld!" – Er kniete vor mir