, und noch weniger war mir eingefallen, dass das Sonderbare, Fremde meines Äussern – welches durch die Kleidung, der sich mein mönchischer Anstand nicht fügen wollte, sowie durch die Spuren des übelverschnittenen Bartes erzeugt wurde – mich jeden Augenblick in die Verlegenheit setzen würde, über meine person ausgeforscht zu werden. Die Frage des Dorfrichters kam mir daher so unerwartet, dass ich vergebens sann, ihm irgend eine befriedigende Antwort zu geben. Ich entschloss mich, zu versuchen, was entschiedene Keckheit bewirken würde, und sagte mit fester stimme: "Wer ich bin, habe ich Ursache zu verschweigen, und deshalb trachtet Ihr vergeblich, meinen Pass zu sehen, übrigens hütet Euch, eine person von stand mit Eueren läppischen Weitläuftigkeiten nur einen Augenblick aufzuhalten." – "Hoho!" rief der Dorfrichter, indem er eine grosse Dose hervorzog, in die, als er schnupfte, fünf hände der hinter ihm stehenden Gerichtsschöppen hineingriffen, gewaltige Prisen herausholend, "hoho, nur nicht so barsch, gnädigster Herr! – Ihre Exzellenz wird sich gefallen lassen müssen, Uns, dem Richter, Rede zu stehen und den Pass zu zeigen, denn, nun gerade herausgesagt, hier im Gebirge gibt es seit einiger Zeit allerlei verdächtige Gestalten, die dann und wann aus dem wald gucken und wieder verschwinden wie der Gottseibeiuns selbst, aber es ist verfluchtes Diebs- und Raubgesindel, die den Reisenden auflauern und allerlei Schaden anrichten durch Mord und Brand, und Ihr, mein gnädigster Herr, seht in der Tat so absonderlich aus, dass Ihr ganz dem Bilde ähnlich seid, das die hochlöbliche Landesregierung von einem grossen Räuber und Hauptspitzbuben, geschrieben und beschrieben nach allen Qualitäten, an Uns, den Richter, geschickt hat. Also nur ohne alle weitere Umstände und zeremonische Worte den Pass, oder in den Turm!" – Ich sah, dass mit dem Mann so nichts auszurichten war, ich schickte mich daher an zu einem andern Versuch. "Gestrenger Herr Richter," sprach ich, "wenn Ihr mir die Gnade erzeigen wolltet, dass ich mit Euch allein sprechen dürfte, so wollte ich alle Eure Zweifel leicht aufklären und im Vertrauen auf Eure Klugheit Euch das Geheimnis offenbaren, das mich in dem Aufzuge, der Euch so auffallend dünkt, herführt." – "Ha, ha! Geheimnisse offenbaren," sprach der Richter, "ich merke schon, was das sein wird; nun, geht nur hinaus, ihr Leute, bewacht die tür und das Fenster und lasst niemanden hinein und heraus!" – Als wir allein waren, fing ich an: "Ihr seht in mir, Herr Richter, einen unglücklichen Flüchtling, dem es endlich durch seine Freunde glückte, einem schmachvollen Gefängnis und der Gefahr, auf ewig ins Kloster gesperrt zu werden, zu entgehen. Erlasst mir die näheren Umstände meiner geschichte, die das Gewebe von Ränken und Bosheiten einer rachsüchtigen Familie ist. Die Liebe zu einem Mädchen niedern Standes war die Ursache meiner Leiden. In dem langen Gefängnis war mir der Bart gewachsen und man hatte mir schon die Tonsur geben lassen, wie Ihr's bemerken könnet, sowie ich auch in dem Gefängnisse, in dem ich schmachtete, in eine Mönchskutte gekleidet gehen musste. Erst nach meiner Flucht, hier im wald, durfte ich mich umkleiden, weil man mich sonst ereilt haben würde. Ihr merkt nun selbst, woher das Auffallende in meinem Äussern rührt, das mich bei Euch in solch bösen Verdacht gesetzt hat. Einen Pass kann ich Euch, wie Ihr seht, nun nicht vorzeigen, aber für die Wahrheit meiner Behauptungen habe ich gewisse Gründe, die Ihr wohl für richtig anerkennen werdet." – Mit diesen Worten zog ich den Geldbeutel hervor, legte drei blanke Dukaten auf den Tisch, und der gravitätische Ernst des Herrn Richters verzog sich zum schmunzelnden Lächeln. "Eure Gründe, mein Herr," sagte er, "sind gewiss einleuchtend genug, aber nehmt es nicht übel, mein Herr! es fehlt Ihnen noch eine gewisse überzeugende Gleichheit nach allen Qualitäten! Wenn Ihr wollt, dass ich das Ungerade für gerade nehmen soll, so müssen Eure Gründe auch so beschaffen sein." – Ich verstand den Schelm und legte noch einen Dukaten hinzu. "Nun sehe ich," sprach der Richter, "dass ich Euch mit meinem Verdacht unrecht getan habe; reiset nur weiter, aber schlagt, wie Ihr es wohl gewohnt sein möget, hübsch die Nebenwege ein, haltet Euch von der Heerstrasse ab, bis Ihr Euch des verdächtigen Äussern ganz entledigt." – Er öffnete die Tür nun weit und rief laut der versammelten Menge entgegen: "Der Herr da drinnen ist ein vornehmer Herr nach allen Qualitäten, er hat sich Uns, dem Richter, in einer geheimen Audienz entdeckt, er reiset inkognito, das heisst unbekannterweise, und dass ihr alle davon nichts zu wissen und zu vernehmen braucht, ihr Schlingel! – Nun, glückliche Reise, gnäd'ger Herr!" Die Bauern zogen, ehrfurchtsvoll schweigend, die Mützen ab, als ich mich auf das Pferd schwang. Rasch wollte ich durch das Tor sprengen, aber das Pferd fing an, sich zu bäumen, meine Unwissenheit, meine Ungeschicklichkeit im Reiten versagte mir jedes Mittel, es von der Stelle zu bringen, im Kreise drehte es sich mit mir herum und warf mich endlich unter dem schallenden Gelächter der Bauern dem herbeieilenden Richter und dem Wirte in die arme. "Das ist ein böses Pferd"