1815_Hoffmann_039_19.txt

Sie wieder rasch und froh dahin schreiten, ja laufen, springen würden wie sonst? Der blinkende Schein der Epauletts, die sonst auf Ihren Schultern prangten, würde wieder jugendliche Glut auf diese blassen Wangen werfen, und die klirrenden Sporen würden wie liebliche Musik dem muntern Rosse ertönen, das Ihnen entgegenwieherte, vor Lust tanzend und den Nacken beugend dem geliebten Herrn. Auf, Baron! – herunter mit dem schwarzen Gewande, das Ihnen nicht ansteht! – Soll Friedrich Ihre Uniform hervorsuchen?"

Der Alte stand auf und wollte fortgehen, der Jüngling fiel ihm in die arme. "Ach, Sie quälen mich, guter Reinhold!" rief er mit matter stimme, "Sie quälen mich unaussprechlich! – Ach, je mehr Sie sich bemühen, die saiten in meinem inneren anzuschlagen, die sonst harmonisch erklangen, desto mehr fühle ich, wie des Schicksals eherne Faust mich ergriffen, mich erdrückt hat, so dass, wie in einer zerbrochenen Laute, nur Misstöne in mir wohnen!" – "So scheint es Ihnen, lieber Baron," fiel der Alte ein, "Sie sprechen von einem ungeheuern Schicksal, das Sie ergriffen, worin das bestanden, verschweigen Sie, dem sei aber, wie ihm wolle, ein Jüngling, so wie Sie, mit innerer Kraft, mit jugendlichem Feuermute ausgerüstet, muss vermögen, sich gegen des Schicksals eherne Faust zu wappnen, ja er muss, wie durchstrahlt von einer göttlichen natur, sich über sein Geschick erheben und so, dies höhere Sein in sich selbst erweckend und entzündend, sich emporschwingen über die Qual dieses armseligen Lebens! Ich wüsste nicht, Baron, welch ein Geschick denn imstande sein sollte, dies kräftige innere Wollen zu zerstören." – Hermogen trat einen Schritt zurück, und den Alten mit einem düsteren, wie im verhaltenen Zorn glühenden Blicke, der etwas Entsetzliches hatte, anstarrend, rief er mit dumpfer, hohler stimme: "So wisse denn, dass ich selbst das Schicksal bin, das mich vernichtet, dass ein ungeheures Verbrechen auf mir lastet, ein schändlicher Frevel, den ich abbüsse in Elend und Verzweiflung. – Darum sei barmherzig und flehe den Vater an, dass er mich fortlasse in die Mauern!" – "Baron," fiel der Alte ein, "Sie sind in einer Stimmung, die nur dem gänzlich zerrütteten Gemüte eigen, Sie sollen nicht fort, Sie dürfen durchaus nicht fort. In diesen Tagen kommt die Baronesse mit Aurelien, die müssen Sie sehen." Da lachte der Jüngling wie in furchtbarem Hohn und rief mit einer stimme, die durch mein Innres dröhnte: "Muss ich? – Muss ich bleiben? – Ja, wahrhaftig, Alter, du hast recht, ich muss bleiben, und meine Busse wird hier schrecklicher sein als in den dumpfen Mauern." – Damit sprang er fort durch das Gebüsch und liess den Alten stehen, der, das gesenkte Haupt in die Hand gestützt, sich ganz dem Schmerz zu überlassen schien. "Gelobt sei Jesus Christus!" sprach ich, zu ihm hinantretend. – Er fuhr auf, er sah mich ganz verwundert an, doch schien er sich bald auf meine Erscheinung wie auf etwas ihm schon Bekanntes zu besinnen, indem er sprach: "Ach gewiss sind Sie es, ehrwürdiger Herr, dessen Ankunft uns die Frau Baronesse zum Trost der in Trauer versunkenen Familie schon vor einiger Zeit ankündigte?" – Ich bejahte das, Reinhold ging bald ganz in die Heiterkeit über, die ihm eigentümlich zu sein schien, wir durchwanderten den schönen Park und kamen endlich in ein dem schloss ganz nahgelegenes Boskett, vor dem sich eine herrliche Aussicht ins Gebirge öffnete. Auf seinen Ruf eilte der Bediente, der eben aus dem Portal des Schlosses trat, herbei, und bald wurde uns ein gar stattliches Frühstück aufgetragen. Während dass wir die gefüllten Gläser anstiessen, schien es mir, als betrachte mich Reinhold immer aufmerksamer, ja, als suche er mit Mühe eine halb erloschene Erinnerung aufzufrischen. Endlich brach er los: "Mein Gott, ehrwürdiger Herr! Alles müsste mich trügen, wenn Sie nicht der Pater Medardus aus dem Kapuzinerkloster in ..r- wären, aber wie sollte das möglich sein? – und doch! Sie sind esSie sind es gewisssprechen Sie doch nur!" – Als hätte ein Blitz aus heitrer Luft mich getroffen, bebte es bei Reinholds Worten mir durch alle Glieder. Ich sah mich entlarvt, entdeckt, des Mordes beschuldigt, die Verzweiflung gab mir Stärke, es ging nun auf Tod und Leben. "Ich bin allerdings der Pater Medardus aus dem Kapuzinerkloster in ..r- und mit Auftrag und Vollmacht des Klosters auf einer Reise nach Rom begriffen." – Dies sprach ich mit all der Ruhe und Gelassenheit, die ich nur zu erkünsteln vermochte. "So ist es denn vielleicht nur Zufall," sagte Reinhold, "dass Sie auf der Reise, vielleicht von der Heerstrasse verirrt, hier eintrafen, oder wie kam es, dass die Frau Baronesse mit Ihnen bekannt wurde und Sie herschickte?" – Ohne mich zu besinnen, blindlings das nachsprechend, was mir eine fremde stimme im inneren zuzuflüstern schien, sagte ich: "Auf der Reise machte ich die Bekanntschaft des Beichtvaters der Baronesse, und dieser empfahl mich, den Auftrag hier im haus zu vollbringen." "Es ist wahr," fiel Reinhold ein, "so schrieb es ja die Frau Baronesse.