verruchte Weise Hermogen und Euphemien mordetest, und um so grässlicher war es mir, dass du Aurelien so in Teufelsbanden verstricken wolltest. Ich hätte dich verderben können, doch weit entfernt, mich zum Rächeramt erkoren zu glauben, überliess ich dich und dein Schicksal der ewigen Macht des himmels. Du bist erhalten worden auf wunderbare Weise, und schon dieses überzeugt mich, dass dein irdischer Untergang noch nicht beschlossen war. – Höre, welches besonderen Umstandes halber ich später glauben musste, dass es in der Tat Graf Viktorin war, der als Kapuziner auf dem schloss des baron von F. erschien! – Nicht gar zu lange ist es her, als Bruder Sebastianus, der Pförtner, durch ein Ächzen und Stöhnen, das den Seufzern eines Sterbenden glich, geweckt wurde. Der Morgen war schon angebrochen, er stand auf, öffnete die Klosterpforte und fand einen Menschen, der dicht vor derselben, halb erstarrt vor Kälte, lag und mühsam die Worte herausbrachte, er sei Medardus, der aus unserm Kloster entflohene Mönch. – Sebastianus meldete mir ganz erschrocken, was sich unten zugetragen; ich stieg mit den Brüdern hinab, wir brachten den ohnmächtigen Mann in das Refektorium. Trotz des bis zum Grausen entstellten Gesichts des Mannes glaubten wir doch deine Züge zu erkennen, und mehrere meinten, dass wohl nur die veränderte Tracht den wohlbekannten Medardus so fremdartig darstelle. Er hatte Bart und Tonsur, dazu aber eine weltliche Kleidung, die zwar ganz verdorben und zerrissen war, der man aber noch die ursprüngliche Zierlichkeit ansah. Er trug seidene Strümpfe, auf einem Schuhe noch eine goldene Schnalle, eine weisse Atlasweste..." – "Einen kastanienbraunen Rock von dem feinsten Tuch," fiel ich ein, "zierlich genähte Wäsche – einen einfachen goldenen Ring am Finger." – "Allerdings," sprach Leonardus erstaunt, "aber wie kannst du..." – "Ach, es war ja der Anzug, wie ich ihn an jenem verhängnisvollen Hochzeittage trug!" – Der Doppeltgänger stand mir vor Augen. – Nein, es war nicht der wesenlose entsetzliche Teufel des Wahnsinns, der hinter mir herrannte, der, wie ein mich bis ins Innerste zerfleischendes Untier, aufhockte auf meinen Schultern; es war der entflohene wahnsinnige Mönch, der mich verfolgte, der endlich, als ich in tiefer Ohnmacht dalag, meine Kleider nahm und mir die Kutte überwarf. Er war es, der an der Klosterpforte lag, mich – mich selbst auf schauderhafte Weise darstellend! – Ich bat den Prior, nur fortzufahren in seiner Erzählung, da die Ahnung der Wahrheit, wie es sich mit mir auf die wunderbarste, geheimnisvollste Weise zugetragen, in mir aufdämmere. – "Nicht lange dauerte es," erzählte der Prior weiter, "als sich bei dem mann die deutlichsten, unzweifelhaftesten Spuren des unheilbaren Wahnsinns zeigten, und unerachtet, wie gesagt, die Züge seines Gesichts den deinigen auf das genaueste glichen, unerachtet er fortwährend rief: 'Ich bin Medardus, der entlaufene Mönch, ich will Busse tun bei euch' – so war doch bald jeder von uns überzeugt, dass es fixe idee des Fremden sei, sich für dich zu halten. Wir zogen ihm das Kleid der Kapuziner an, wir führten ihn in die Kirche, er musste die gewöhnlichen Andachtsübungen vornehmen, und wie er dies zu tun sich bemühte, merkten wir bald, dass er niemals in einem Kloster gewesen sein könne. Es musste mir wohl die idee kommen: 'Wie, wenn dies der aus der Residenz entsprungene Mönch, wie, wenn dieser Mönch Viktorin wäre?' – Die geschichte, die der Wahnsinnige ehemals dem Förster aufgetischt hatte, war mir bekannt worden, indessen fand ich, dass alle Umstände, das Auffinden und Austrinken des Teufelselixiers, die Vision in dem Kerker, kurz der ganze Aufentalt im Kloster, wohl die durch deine auf seltsame psychische Weise einwirkende Individualität erzeugte Ausgeburt des erkrankten Geistes sein könne. Merkwürdig war es in dieser Hinsicht, dass der Mönch in bösen Augenblicken immer geschrieen hatte, er sei Graf und gebietender Herr! – Ich beschloss, den fremden Mann der Irrenanstalt zu St. Getreu zu übergeben, weil ich hoffen durfte, dass, wäre Wiederherstellung möglich, sie gewiss dem Direktor jener Anstalt, einem in jede Abnormität des menschlichen Organismus tief eindringenden, genialen arzt, gelingen werde. Des Fremden Genesen musste das geheimnisvolle Spiel der unbekannten Mächte wenigstens zum teil entüllen. – Es kam nicht dazu. In der dritten Nacht weckte mich die Glocke, die, wie du weisst, angezogen wird, sobald jemand im Krankenzimmer meines Beistandes bedarf. Ich trat hinein, man sagte mir, der Fremde habe eifrig nach mir verlangt, und es scheine, als habe ihn der Wahnsinn gänzlich verlassen, wahrscheinlich wolle er beichten; denn er sei so schwach, dass er die Nacht wohl nicht überleben werde. 'Verzeiht', fing der Fremde an, als ich ihm mit frommen Worten zugesprochen, 'verzeiht, ehrwürdiger Herr, dass ich Euch täuschen zu wollen mich vermass. Ich bin nicht der Mönch Medardus, der Euerm Kloster entfloh. Den Grafen Viktorin seht Ihr vor Euch... Fürst sollte er heissen, denn aus fürstlichem haus ist er entsprossen, und ich rate Euch, dies zu beachten, da sonst mein Zorn Euch treffen könnte.' – Sei er auch Fürst, erwiderte ich, so wäre dies in unsern Mauern und in seiner jetzigen Lage ohne alle Bedeutung, und