, fand nun auch ihren Zusammenhang mit der Untat Viktorins, sobald man nur einige Umstände als wahr voraussetzte. – Ein Bruder des Klosters, in dem Medardus gewesen, hatte den wahnsinnigen Mönch ausdrücklich für den Medardus erkannt, er musste es also wohl sein. Viktorin hatte ihn in den Abgrund gestürzt; durch irgend einen Zufall, der gar nicht unerhört sein durfte, wurde er errettet. Aus der Betäubung erwacht, aber schwer am kopf verwundet, gelang es ihm, aus dem grab heraufzukriechen. Der Schmerz der Wunde, Hunger und Durst machten ihn wahnsinnig – rasend! – So lief er durch das Gebirge, vielleicht von einem mitleidigen Bauer hin und wieder gespeiset und mit Lumpen behangen, bis er in die Gegend der Försterwohnung kam. Zwei Dinge bleiben hier aber unerklärbar, nämlich wie Medardus eine solche Strecke aus dem Gebirge laufen konnte, ohne angehalten zu werden, und wie er, selbst in den von Ärzten bezeugten Augenblicken des vollkommensten ruhigsten Bewusstseins, sich zu Untaten bekennen konnte, die er nie begangen. Die, welche die Wahrscheinlichkeit jenes Zusammenhangs der Sache verteidigten, bemerkten, dass man ja von den Schicksalen des aus dem Teufelsgrunde erretteten Medardus gar nichts wisse; es sei ja möglich, dass sein Wahnsinn erst ausgebrochen, als er auf der Pilgerreise in der Gegend der Försterwohnung sich befand. Was aber das Zugeständnis der Verbrechen, deren er beschuldigt, belange, so sei eben daraus abzunehmen, dass er niemals geheilt gewesen, sondern, anscheinend bei verstand, doch immer wahnsinnig geblieben wäre. Dass er die ihm angeschuldigten Mordtaten wirklich begangen, dieser Gedanke habe sich zur fixen idee umgestaltet. – Der Kriminalrichter, auf dessen Sagazität man sehr baute, sprach, als man ihn um seine Meinung fragte: 'Der vorgebliche Herr von Krczynski war kein Pole und auch kein Graf, der Graf Viktorin gewiss nicht, aber unschuldig auch keinesweges – der Mönch blieb wahnsinnig und unzurechnungsfähig in jedem Fall, deshalb das Kriminalgericht auch nur auf seine Einsperrung als Sicherheitsmassregel erkennen konnte.' – Dieses Urteil durfte der Fürst nicht hören, denn er war es allein, der, tief ergriffen von den Freveln auf dem schloss des baron, jene von dem Kriminalgericht in Vorschlag gebrachte Einsperrung in die Strafe des Schwerts umwandelte. – Wie aber alles in diesem elenden vergänglichen Leben, sei es Begebenheit oder Tat, noch so ungeheuer im ersten Augenblick erscheinend, sehr bald Glanz und Farbe verliert, so geschah es auch, dass das, was in der Residenz und vorzüglich am hof Schauer und Entsetzen erregt hatte, herabsank bis zur ärgerlichen Klatscherei. Jene Hypotese, dass Aureliens entflohener Bräutigam Graf Viktorin gewesen, brachte die geschichte der Italienerin in frisches Andenken, selbst die früher nicht Unterrichteten wurden von denen, die nun nicht mehr schweigen zu dürfen glaubten, aufgeklärt, und jeder, der den Medardus gesehen, fand es natürlich, dass seine Gesichtszüge vollkommen denen des Grafen Viktorin glichen, da sie Söhne eines Vaters waren. Der Leibarzt war überzeugt, dass die Sache sich so verhalten musste, und sprach zum Fürsten: 'Wir wollen froh sein, gnädigster Herr, dass beide unheimliche Gesellen fort sind, und es bei der ersten vergeblich gebliebenen Verfolgung bewenden lassen.' – Dieser Meinung trat der Fürst aus dem grund seines Herzens bei, denn er fühlte wohl, wie der doppelte Medardus ihn von einem Missgriff zum andern verleitet hatte. 'Die Sache wird geheimnisvoll bleiben', sagte der Fürst, 'wir wollen nicht mehr an dem Schleier zupfen, den ein wunderbares Geschick wohltätig darüber geworfen hat.' – Nur Aurelie..."- "Aurelie," unterbrach ich den Prior mit Heftigkeit, "um Gott, mein ehrwürdiger Vater, sagt mir, wie ward es mit Aurelien?" – "Ei, Bruder Medardus," sprach der Prior sanft lächelnd, "noch ist das gefährliche Feuer in deinem inneren nicht verdampft? – noch lodert die Flamme empor bei leiser Berührung? – So bist du noch nicht frei von den sündlichen Trieben, denen du dich hingabst. – Und ich soll der Wahrheit deiner Busse trauen; ich soll überzeugt sein, dass der Geist der Lüge dich ganz verlassen? – Wisse, Medardus, dass ich deine Reue für wahrhaft nur dann anerkennen würde, wenn du jene Frevel, deren du dich anklagst, wirklich begingst. Denn nur in diesem Fall könnt' ich glauben, dass jene Untaten so dein Inneres zerrütteten, dass du, meiner Lehren, alles dessen, was ich dir über äussere und innere Busse sagte, uneingedenk, wie der Schiffbrüchige nach dem leichten unsichern Brett, nach jenen trügerischen Mitteln, dein Verbrechen zu sühnen, haschtest, die dich nicht allein einem verworfenen Papst, sondern jedem wahrhaft frommen Mann als einen eitlen Gaukler erscheinen liessen. – Sage, Medardus, war deine Andacht, deine Erhebung zu der ewigen Macht ganz makellos, wenn du Aurelien gedenken musstest?" – Ich schlug, im inneren vernichtet, die Augen nieder. – "Du bist aufrichtig, Medardus," fuhr der Prior fort, "dein Schweigen sagt mir alles. – Ich wusste mit der vollsten Überzeugung, dass du es warst, der in der Residenz die Rolle eines polnischen Edelmanns spielte und die Baronesse Aurelie heiraten wollte. Ich hatte den Weg, den du genommen, ziemlich genau verfolgt, ein seltsamer Mensch (er nannte sich den Haarkünstler Belcampo), den du zuletzt in Rom sahst, gab mir Nachrichten; ich war überzeugt, dass du auf