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befohlen habe, dass mit Rosen der Hochaltar verziert werden solle. – Entschlossen, nun gleich zu den Brüdern zu treten, ging ich, nachdem ich mich durch kräftiges Gebet gestärkt, in das Kloster und fragte nach dem Prior Leonardus; die Pförtnerin führte mich in einen Saal, Leonardus sass im Lehnstuhl, von den Brüdern umgeben; laut weinend, im Innersten zerknirscht, keines Wortes mächtig, stürzte ich zu seinen Füssen. "Medardus!" – schrie er auf, und ein dumpfes Gemurmel lief durch die Reihe der Brüder: "MedardusBruder Medardus ist endlich wieder da!" – Man hob mich auf, – die Brüder drückten mich an ihre Brust: "Dank den himmlischen Mächten, dass du errettet bist aus den Schlingen der arglistigen Weltaber erzähleerzähle, mein Bruder" – so riefen die Mönche durcheinander. Der Prior erhob sich, und auf seinen Wink folgte ich ihm in das Zimmer, welches ihm gewöhnlich bei dem Besuch des Klosters zum Aufentalt diente. "Medardus," fing er an, "du hast auf frevelige Weise dein Gelübde gebrochen; du hast, indem du, anstatt die dir gegebenen Aufträge auszurichten, schändlich entflohst, das Kloster auf die unwürdigste Weise betrogen. – Einmauern könnte ich dich lassen, wollte ich verfahren nach der Strenge des Klostergesetzes!" – "Richtet mich, mein ehrwürdiger Vater," erwiderte ich, "richtet mich, wie das Gesetz es will; ach! mit Freuden werfe ich die Bürde eines elenden qualvollen Lebens ab! – Ich fühl' es wohl, dass die strengste Busse, der ich mich unterwarf, mir keinen Trost hienieden geben konnte!" – "Ermanne dich," fuhr Leonardus fort, "der Prior hat mit dir gesprochen, jetzt kann der Freund, der Vater mit dir reden! – Auf wunderbare Weise bist du errettet worden vom tod, der dir in Rom drohte. – Nur Cyrillus fiel als Opfer..." – "Ihr wisst also?" fragte ich voll Staunen. "Alles," erwiderte der Prior, "ich weiss, dass du dem Armen beistandest in der letzten Todesnot, und dass man dich mit dem vergifteten Wein, den man dir zum Labetrunk darbot, zu ermorden gedachte. Wahrscheinlich hast du, bewacht von den Argusaugen der Mönche, doch gelegenheit gefunden, den Wein ganz zu verschütten, denn trankst du nur einen Tropfen, so warst du hin in Zeit von zehn Minuten." – "O, schaut her," rief ich und zeigte, den Ärmel der Kutte aufstreifend, dem Prior meinen bis auf den Knochen eingeschrumpften Arm, indem ich erzählte, wie ich, Böses ahnend, den Wein in den Ärmel gegossen. Leonardus schauerte zurück vor dem hässlichen Anblick des mumienartigen Gliedes und sprach dumpf in sich hinein: "Gebüsst hast du, der du freveltest auf jedigliche Weise; aber Cyrillusdu frommer Greis!" – Ich sagte dem Prior, dass mir die eigentliche Ursache der heimlichen Hinrichtung des armen Cyrillus unbekannt geblieben. "Vielleicht", sprach der Prior, "hattest du dasselbe Schicksal, wenn du wie Cyrillus als Bevollmächtigter unseres Klosters auftratst. Du weisst, dass die Ansprüche unsers Klosters Einkünfte des Kardinals ***, die er auf unrechtmässige Weise zieht, vernichten; dies war die Ursache, warum der Kardinal mit des Papstes Beichtvater, den er bis jetzt angefeindet, plötzlich Freundschaft schloss und so sich in dem Dominikaner einen kräftigen Gegner gewann, den er dem Cyrillus entgegenstellen konnte. Der schlaue Mönch fand bald die Art aus, wie Cyrill gestürzt werden konnte. Er führte ihn selbst ein bei dem Papst und wusste diesem den fremden Kapuziner so darzustellen, dass der Papst ihn wie eine merkwürdige Erscheinung bei sich aufnahm, und Cyrillus in die Reihe der Geistlichen trat, von denen er umgeben. Cyrillus musste nun bald gewahr werden, wie der Stattalter des Herrn nur zu sehr sein Reich in dieser Welt und ihren Lüsten suche und finde; wie er einer heuchlerischen Brut zum Spielwerk diene, die ihn trotz des kräftigen Geistes, der sonst ihm einwohnte, den sie aber durch die verworfensten Mittel zu beugen wusste, zwischen Himmel und Hölle herumwerfe. Der fromme Mann, das war vorauszusehen, nahm grosses Ärgernis daran und fühlte sich berufen, durch feurige Reden, wie der Geist sie ihm eingab, den Papst im Innersten zu erschüttern und seinen Geist von dem Irdischen abzulenken. Der Papst, wie verweichlichte Gemüter pflegen, wurde in der Tat von des frommen Greises Worten ergriffen, und eben in diesem erregten Zustande wurde es dem Dominikaner leicht, auf geschickte Weise nach und nach den Schlag vorzubereiten, der den armen Cyrillus treffen sollte. Er berichtete dem Papst, dass es auf nichts Geringeres abgesehen sei, als auf eine heimliche Verschwörung, die ihn der Kirche als unwürdig der dreifachen Krone darstellen sollte; Cyrillus habe den Auftrag, ihn dahin zu bringen, dass er irgend eine öffentliche Bussübung vornehme, welche dann als Signal des förmlichen, unter den Kardinälen gärenden Aufstandes dienen würde. Jetzt fand der Papst in den salbungsvollen Reden unseres Bruders die versteckte Absicht leicht heraus, der Alte wurde ihm tief verhasst, und um nur irgend einen auffallenden Schritt zu vermeiden, litt er ihn noch in seiner Nähe. Als Cyrillus wieder einmal gelegenheit fand, zu dem Papst ohne Zeugen zu sprechen, sagte er geradezu, dass der, der den Lüsten der Welt nicht ganz entsage, der nicht einen wahrhaft heiligen Wandel führe