Licht und Feuer, aber das Licht ist die Feuertaufe durch das Rot, das du zu vergiften trachtest." – Die Leiche sank nieder; alle Blumen auf der Flur neigten verwelkt ihre Häupter, Menschen, bleichen Gespenstern ähnlich, warfen sich zur Erde, und ein tausendstimmiger trostloser Jammer stieg in die Lüfte: "O Herr, Herr! ist so unermesslich die Last unsrer Sünde, dass du Macht gibst dem Feinde, unseres Blutes Sühnopfer zu ertöten?" Stärker und stärker, wie des Meeres brausende Welle, schwoll die Klage! – Der Gedanke wollte zerstäuben in dem gewaltigen Ton des trostlosen Jammers, da wurde ich wie durch einen elektrischen Schlag emporgerissen aus dem Traum. Die Turmglocke des Klosters schlug zwölfe, ein blendendes Licht fiel aus den Fenstern der Kirche in meine Zelle. "Die Toten richten sich auf aus den Gräbern und halten Gottesdienst." So sprach es in meinem inneren, und ich begann zu beten. Da vernahm ich ein leises klopfen. Ich glaubte, irgend ein Mönch wolle zu mir herein, aber mit tiefem Entsetzen hörte ich bald jenes grauenvolle Kichern und lachen meines gespenstischen Doppeltgängers, und es rief neckend und höhnend: – "Brüderchen... Brüderchen... Nun bin ich wieder bei dir... die Wunde blutet... die Wunde blutet... rot... rot... Komm mit mir, Brüderchen Medardus! Komm mit mir!" – Ich wollte aufspringen vom Lager, aber das Grausen hatte seine Eisdecke über mich geworfen, und jede Bewegung, die ich versuchte, wurde zum inneren Krampf, der die Muskeln zerschnitt. Nur der Gedanke blieb und war inbrünstiges Gebet: dass ich errettet werden möge von den dunklen Mächten, die aus der offenen Höllenpforte auf mich eindrangen. Es geschah, dass ich mein Gebet, nur im inneren gedacht, laut und vernehmlich hörte, wie es Herr wurde über das klopfen und Kichern und unheimliche Geschwätz des furchtbaren Doppeltgängers, aber zuletzt sich verlor in ein seltsames Summen, wie wenn der Südwind Schwärme feindlicher Insekten geweckt hat, die giftige Saugrüssel ansetzen an die blühende Saat. Zu jener trostlosen Klage der Menschen wurde das Summen, und meine Seele fragte: "Ist das nicht der weissagende Traum, der sich auf deine blutende Wunde heilend und tröstend legen will?" – In dem Augenblicke brach der Purpurschimmer des Abendrots durch den düstern farblosen Nebel, aber in ihm erhob sich eine hohe Gestalt. – Es war Christus, aus jeder seiner Wunden perlte ein Tropfen Bluts, und wiedergegeben war der Erde das Rot, und der Menschen Jammer wurde ein jauchzender Hymnus, denn das Rot war die Gnade des Herrn, die über ihnen aufgegangen! Nur Medardus' Blut floss noch farblos aus der Wunde, und er flehte inbrünstig: "Soll auf der ganzen weiten Erde ich, ich allein nur trostlos der ewigen Qual der Verdammnis preisgegeben bleiben?" Da regte es sich in den büsche – eine Rose, von himmlischer Glut hoch gefärbt, streckte ihr Haupt empor und schaute den Medardus an mit englisch mildem Lächeln, und süsser Duft umfing ihn, und der Duft war das wunderbare Leuchten des reinsten Frühlingsäters. "Nicht das Feuer hat gesiegt, kein Kampf zwischen Licht und Feuer. – Feuer ist das Wort, das den Sündigen erleuchtet." – Es war, als hätte die Rose diese Worte gesprochen, aber die Rose war ein holdes Frauenbild. – In weissem Gewande, Rosen in das dunkle Haar geflochten, trat sie mir entgegen. – "Aurelie," schrie ich auf, aus dem Traume erwachend; ein wunderbarer Rosengeruch erfüllte die Zelle, und für Täuschung meiner aufgeregten Sinne musst' ich es wohl halten, als ich deutlich Aureliens Gestalt wahrzunehmen glaubte, wie sie mich mit ernsten Blicken anschaute und dann in den Strahlen des Morgens, die in die Zelle fielen, zu verduften schien. – Nun erkannte ich die Versuchung des Teufels und meine sündige Schwachheit. Ich eilte herab und betete inbrünstig am Altar der heiligen Rosalia. – Keine Kasteiung, – keine Busse im Sinn des Klosters; aber als die Mittagssonne senkrecht ihre Strahlen herabschoss, war ich schon mehrere Stunden von Rom entfernt. – Nicht nur Cyrillus' Mahnung, sondern eine innere unwiderstehliche sehnsucht nach der Heimat trieb mich fort auf demselben Pfade, den ich bis nach Rom durchwandert. Ohne es zu wollen, hatte ich, indem ich meinem Beruf entfliehen wollte, den geradesten Weg nach dem mir von dem Prior Leonardus bestimmten Ziel genommen. –
Ich vermied die Residenz des Fürsten, nicht weil ich fürchtete, erkannt zu werden und aufs neue dem Kriminalgericht in die hände zu fallen, aber wie konnte ich ohne herzzerreissende Erinnerung den Ort betreten, wo ich in frevelnder Verkehrteit nach einem irdischen Glück zu trachten mich vermass, dem ich Gottgeweihter ja entsagt hatte – ach, wo ich, dem ewigen reinen Geist der Liebe abgewandt, für des Lebens höchsten Lichtpunkt, in dem das Sinnliche und Übersinnliche in einer Flamme auflodert, den Moment der Befriedigung des irdischen Triebes nahm; wo mir die rege Fülle des Lebens, genährt von seinem eigenen üppigen Reichtum, als das Prinzip erschien, das sich kräftig auflehnen müsse gegen jenes Aufstreben nach dem Himmlischen, das ich nur unnatürliche Selbstverleugnung nennen konnte! – Aber noch mehr! – tief im inneren fühlte ich trotz der Erkräftigung, die mir durch unsträflichen Wandel, durch anhaltende schwere Busse werden sollte, die Ohnmacht, einen Kampf glorreich zu bestehen, zu