zu reden. Cyrillus hob den andachtsvollen blick zum Himmel und sprach: "O, mein Bruder Medardus, wie haben mich deine Worte erquickt! – Froh gehe ich dem tod entgegen, den mir verruchte Bösewichter bereitet! Ich falle, ein Opfer der grässlichsten Falschheit und Sünde, die den Tron des dreifach Gekrönten umgibt." – Ich vernahm dumpfe Tritte, die näher und näher kamen, die Schlüssel rasselten im Schloss der tür. Cyrillus raffte sich mit Gewalt empor, erfasste meine Hand und rief mir ins Ohr: "Kehre in unser Kloster zurück – Leonardus ist von allem unterrichtet, er weiss, wie ich sterbe – beschwöre ihn, über meinen Tod zu schweigen. – Wie bald hätte mich ermatteten Greis auch sonst der Tod ereilt – Lebe wohl, mein Bruder! – Bete für das Heil meiner Seele! – Ich werde bei euch sein, wenn ihr im Kloster mein Totenamt haltet. Gelobe mir, dass du hier über alles, was du erfahren, schweigen willst, denn du führst nur dein Verderben herbei und verwickelst unser Kloster in tausend schlimme Händel!" – Ich tat es, Vermummte waren hereingetreten, sie hoben den Greis aus dem Bette und schleppten ihn, der vor Mattigkeit nicht fortzuschreiten vermochte, durch den gang nach dem Gewölbe, in dem ich früher gewesen. Auf den Wink der Vermummten war ich gefolgt, die Dominikaner hatten einen Kreis geschlossen, in den man den Greis brachte und auf ein Häufchen Erde, das man in der Mitte aufgeschüttet, niederknien hiess. Man hatte ihm ein Kruzifix in die Hand gegeben. Ich war, weil ich es meines Amts hielt, mit in den Kreis getreten und betete laut. Ein Dominikaner ergriff mich beim Arm und zog mich beiseite. In dem Augenblick sah ich in der Hand eines Vermummten, der hinterwärts in den Kreis getreten, ein Schwert blitzen, und Cyrillus' blutiges Haupt rollte zu meinen Füssen hin. – Ich sank bewusstlos nieder. Als ich wieder zu mir selbst kam, befand ich mich in einem kleinen zellenartigen Zimmer. Ein Dominikaner trat auf mich zu und sprach mit hämischem Lächeln: "Ihr seid wohl recht erschrocken, mein Bruder, und solltet doch billig Euch erfreuen, da Ihr mit eignen Augen ein schönes Martyrium angeschaut habt. So muss man ja wohl es nennen, wenn ein Bruder aus Euerm Kloster den verdienten Tod empfängt, denn Ihr seid wohl alle samt und sonders Heilige?" – "Nicht Heilige sind wir," sprach ich, "aber in unserm Kloster wurde noch nie ein Unschuldiger ermordet! – Entlasst mich – ich habe mein Amt vollbracht mit Freudigkeit! – Der Geist des Verklärten wird mir nahe sein, wenn ich fallen sollte in die hände verruchter Mörder!" – "Ich zweifle gar nicht," sprach der Dominikaner, "dass der selige Bruder Cyrillus Euch in dergleichen Fällen beizustehen imstande sein wird, wollet aber doch, lieber Bruder, seine Hinrichtung nicht etwa einen Mord nennen! – Schwer hatte sich Cyrillus versündigt an dem Stattalter des Herrn, und dieser selbst war es, der seinen Tod befahl. – Doch er muss Euch ja wohl alles gebeichtet haben, unnütz ist es daher, mit Euch darüber zu sprechen, nehmt lieber dieses zur Stärkung und Erfrischung, Ihr seht ganz blass und verstört aus." Mit diesen Worten reichte mir der Dominikaner einen kristallenen Pokal, in dem ein dunkelroter, stark duftender Wein schäumte. Ich weiss nicht, welche Ahnung mich durchblitzte, als ich den Pokal an den Mund brachte. – Doch war es gewiss, dass ich denselben Wein roch, den mir einst Euphemie in jener verhängnisvollen Nacht kredenzte, und unwillkürlich, ohne deutlichen Gedanken, goss ich ihn aus in den linken Ärmel meines Habits, indem ich, wie von der Ampel geblendet, die linke Hand vor die Augen hielt. "Wohl bekomm' es Euch", rief der Dominikaner, indem er mich schnell zur tür hinausschob. – Man warf mich in den Wagen, der zu meiner Verwunderung leer war, und zog mit mir von dannen. Die Schrecken der Nacht, die geistige Anspannung, der tiefe Schmerz über den unglücklichen Cyrill warfen mich in einen betäubten Zustand, so dass ich mich, ohne zu widerstehen, hingab, als man mich aus dem Wagen herausriss und ziemlich unsanft auf den Boden fallen liess. Der Morgen brach an, und ich sah mich an der Pforte des Kapuzinerklosters liegen, dessen Glokke ich, als ich mich aufgerichtet hatte, anzog. Der Pförtner erschrak über mein bleiches, verstörtes Ansehen und mochte dem Prior die Art, wie ich zurückgekommen, gemeldet haben, denn gleich nach der Frühmesse trat dieser mit besorglichem blick in meine Zelle. Auf sein fragen erwiderte ich nur im allgemeinen, dass der Tod dessen, den ich absolvieren müssen, zu grässlich gewesen sei, um mich nicht im Innersten aufzuregen, aber bald konnte ich vor dem wütenden Schmerz, den ich am linken arme empfand, nicht weiter reden, ich schrie laut auf. Der Wundarzt des Klosters kam, man riss mir den fest am Fleisch klebenden Ärmel herab und fand den ganzen Arm wie von einer ätzenden Materie zerfleischt und zerfressen. – "Ich habe Wein trinken sollen – ich habe ihn in den Ärmel gegossen", stöhnte ich, ohnmächtig von der entsetzlichen Qual! – "Ätzendes Gift war in dem Weine", rief der Wundarzt und eilte, Mittel anzuwenden, die wenigstens bald den wütenden Schmerz linderten. Es gelang der