des Wagens öffnete und mich nötigte einzusteigen. Im Wagen fand ich zwei Männer, die mich in ihre Mitte nahmen. Ich fragte, wo man mich hinführen wolle, – wer gerade von mir Zuspruch und letzte Ölung verlange. – Keine Antwort! In tiefem Schweigen ging es fort durch mehrere Strassen. Ich glaubte an dem Klange wahrzunehmen, dass wir schon ausserhalb Rom waren, doch bald vernahm ich deutlich, dass wir durch ein Tor und dann wieder durch gepflasterte Strassen fuhren. Endlich hielt der Wagen, und schnell wurden mir die hände gebunden, und eine dicke Kappe fiel über mein Gesicht. "Euch soll nichts Böses widerfahren," sprach eine rauhe stimme, "nur schweigen müsst Ihr über alles, was Ihr sehen und hören werdet, sonst ist Euer augenblicklicher Tod gewiss." – Man hob mich aus dem Wagen, Schlösser klirrten, und ein Tor dröhnte auf in schweren ungefügigen Angeln. Man führte mich durch lange Gänge und endlich Treppen hinab – tiefer und tiefer. Der Schall der Tritte überzeugte mich, dass wir uns in Gewölben befanden, deren Bestimmung der durchdringende Totengeruch verriet. Endlich stand man still – die hände wurden mir losgebunden, die Kappe mir vom kopf gezogen. Ich befand mich in einem geräumigen, von einer Ampel schwach beleuchteten Gewölbe, ein schwarz vermummter Mann, wahrscheinlich derselbe, der mich hergeführt hatte, stand neben mir, rings umher sassen auf niedrigen Bänken Dominikanermönche. Der grauenhafte Traum, den ich einst in dem Kerker träumte, kam mir in den Sinn, ich hielt meinen qualvollen Tod für gewiss, doch blieb ich gefasst und betete inbrünstig im stillen, nicht um Rettung, sondern um ein seliges Ende. Nach einigen Minuten düstern ahnungsvollen Schweigens trat einer der Mönche auf mich zu und sprach mit dumpfer stimme: "Wir haben einen Eurer Ordensbrüder gerichtet, Medardus, das Urteil soll vollstreckt werden. Von Euch, einem heiligen mann, erwartet er Absolution und Zuspruch im tod! – Geht und tut, was Eures Amts ist." Der Vermummte, welcher neben mir stand, fasste mich unter den Arm und führte mich weiter fort durch einen engen gang in ein kleines Gewölbe. Hier lag in einem Winkel auf dem Strohlager ein bleiches, abgezehrtes, mit Lumpen behängtes Geripp. Der Vermummte setzte die Lampe, die er mitgebracht, auf dem steinernen Tisch in die Mitte des Gewölbes und entfernte sich. Ich nahte mich dem Gefangenen, er drehte sich mühsam nach mir um; ich erstarrte, als ich die ehrwürdigen Züge des frommen Cyrillus erkannte. Ein himmlisches verklärtes Lächeln überflog sein Gesicht. "So haben mich," fing er mit matter stimme an, "die entsetzlichen Diener der Hölle, welche hier hausen, doch nicht getäuscht. Durch sie erfuhr ich, dass du, mein lieber Bruder Medardus, dich in Rom befändest, und als ich mich so sehnte nach dir, weil ich grosses Unrecht an dir verübt habe, da versprachen sie mir, sie wollten dich zu mir führen in der Todesstunde. Die ist nun wohl gekommen, und sie haben Wort gehalten." Ich kniete nieder bei dem frommen ehrwürdigen Greis, ich beschwor ihn, mir nur vor allen Dingen zu sagen, wie es möglich gewesen sei, ihn einzukerkern, ihn zum tod zu verdammen. "Mein lieber Bruder Medardus," sprach Cyrill, "erst nachdem ich reuig bekannt, wie sündlich ich aus Irrtum an dir gehandelt, erst wenn du mich mit Gott versöhnt, darf ich von meinem Elende, von meinem irdischen Untergange zu dir reden! – Du weisst, dass ich und mit mir unser Kloster dich für den verruchtesten Sünder gehalten; die ungeheuersten Frevel hattest du (so glaubten wir) auf dein Haupt geladen, und ausgestossen hatten wir dich aus aller Gemeinschaft. Und doch war es nur ein verhängnisvoller Augenblick, in dem der Teufel dir die Schlinge über den Hals warf und dich fortriss von der heiligen Stätte in das sündliche Weltleben. Dich um deinen Namen, um dein Kleid, um deine Gestalt betrügend, beging ein teuflischer Heuchler jene Untaten, die dir beinahe den schmachvollen Tod des Mörders zugezogen hätten. Die ewige Macht hat es auf wunderbare Weise offenbart, dass du zwar leichtsinnig sündigtest, indem dein Trachten darauf ausging, dein Gelübde zu brechen, dass du aber rein bist von jenen entsetzlichen Freveln. Kehre zurück in unser Kloster, Leonardus, die Brüder werden dich, den verloren Geglaubten, mit Liebe und Freudigkeit aufnehmen. – O Medardus..." – Der Greis, von Schwäche übermannt, sank in eine tiefe Ohnmacht. Ich widerstand der Spannung, die seine Worte, welche eine neue wunderbare Begebenheit zu verkünden schienen, in mir erregt hatten, und nur an ihn, an das Heil seiner Seele denkend, suchte ich, von allen andern Hilfsmitteln entblösst, ihn dadurch ins Leben zurückzurufen, dass ich langsam und leise Kopf und Brust mit meiner rechten Hand anstrich, eine in unsern Klöstern übliche Art, Todkranke aus der Ohnmacht zu wecken. Cyrillus erholte sich bald und beichtete mir, er, der Fromme, dem freveligen Sünder! – Aber es war, als würde, indem ich den Greis, dessen höchste Vergehen nur in Zweifel bestanden, die ihm hie und da aufgestossen, absolvierte, von der hohen ewigen Macht ein Geist des himmels in mir entzündet, und als sei ich nur das Werkzeug, das körpergewordene Organ, dessen sich jene Macht bediene, um schon hienieden zu dem noch nicht entbundenen Menschen menschlich