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Blicks zu würdigen. – Ich habe ihn verehrt im Staube, wie es der Würde, die ihm die ewige Macht verlieh, als sie himmlisch reine Tugend bewährt fand in seinem inneren, geziemt."

"Nun, du ganz würdiger Vasall an dem Tron des dreifach Gekrönten, du wirst tapfer tun, was deines Amtes ist! – Aber glaube mir, der jetzige Stattalter des Herrn ist ein Kleinod der Tugend gegen Alexander den Sechsten, und da magst du dich vielleicht doch verrechnet haben! – Dochspiele deine Rolleausgespielt ist bald, was munter und lustig begann. – Lebt wohl, mein sehr ehrwürdiger Herr!"

Mit gellendem Hohngelächter sprang der Abbate von dannen, erstarrt blieb ich stehen. Hielt ich seine letzte Äusserung mit meinen eignen Bemerkungen über den Papst zusammen, so musste es mir wohl klar aufgehen, dass er keinesweges der nach dem Kampf mit dem Tier gekrönte Sieger war, für den ich ihn gehalten, und ebenso musste ich auf entsetzliche Weise mich überzeugen, dass wenigstens dem eingeweihten teil des Publikums meine Busse als ein heuchlerisches Bestreben erschienen war, mich auf diese oder jene Weise aufzuschwingen. Verwundet bis tief in das Innerste, kehrte ich in mein Kloster zurück und betete inbrünstig in der einsamen Kirche. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, und ich erkannte bald die Versuchung der finstern Macht, die mich aufs neue zu verstricken getrachtet hatte, aber auch zugleich meine sündige Schwachheit und die Strafe des himmels. – Nur schnelle Flucht konnte mich retten, und ich beschloss mit dem frühesten Morgen mich auf den Weg zu machen. Schon war beinahe die Nacht eingebrochen, als die Hausglocke des Klosters stark angezogen wurde. Bald darauf trat der Bruder Pförtner in meine Zelle und berichtete, dass ein seltsam gekleideter Mann durchaus begehre mich zu sprechen. Ich ging nach dem Sprachzimmer, es war Belcampo, der nach seiner tollen Weise auf mich zusprang, bei beiden Armen mich packte und mich schnell in einen Winkel zog. "Medardus," fing er leise und eilig an, "Medardus, du magst es nun anstellen, wie du willst, um dich zu verderben, die Narrheit ist hinter dir her auf den Flügeln des WestwindesSüdwindes oder auch Süd-Südwestoder sonst und packt dich, ragt auch nur noch ein Zipfel deiner Kutte hervor aus dem Abgrunde, und zieht dich herauf – O Medardus, erkenne daserkenne, was Freundschaft ist, erkenne, was Liebe vermag, glaube an David und Jonatan, liebster Kapuziner!" – "Ich habe Sie als Goliat bewundert," fiel ich dem Schwätzer in die Rede, "aber sagen Sie mir schnell, worauf es ankommtwas Sie zu mir hertreibt?" – "Was mich hertreibt?" sprach Belcampo, "was mich hertreibt? – Wahnsinnige Liebe zu einem Kapuziner, dem ich einst den Kopf zurechtsetzte, der umherwarf mit blutiggoldenen Dukatender Umgang hatte mit scheusslichen Revenantsder, nachdem er was weniges gemordet hattedie Schönste der Welt heiraten wollte, bürgerlicheroder vielmehr adligerweise." – "Halt ein," rief ich, "halt ein, du grauenhafter Narr! Gebüsst habe ich schwer, was du mir vorwirfst im freveligen Mutwillen." – "O Herr," fuhr Belcampo fort, "noch ist die Stelle so empfindlich, wo Euch die feindliche Macht tiefe Wunden schlug? – Ei, so ist Eure Heilung noch nicht vollbracht. – Nun ich will sanft und ruhig sein wie ein frommes Kind, ich will mich bezähmen, ich will nicht mehr springen, weder körperlich noch geistig, und Euch, geliebter Kapuziner, bloss sagen, dass ich Euch hauptsächlich Eurer sublimen Tollheit halber so zärtlich liebe, und da es überhaupt nützlich ist, dass jedes tolle Prinzip so lange lebe und gedeihe auf Erden, als nur immer möglich, so rette ich dich aus jeder Todesgefahr, in die du mutwilligerweise dich begibst. In meinem Puppenkasten habe ich ein Gespräch belauscht, das dich betrifft. Der Papst will dich zum Prior des hiesigen Kapuzinerklosters und zu seinem Beichtiger erheben. Fliehe schnell, schnell fort von Rom, denn Dolche lauern auf dich. Ich kenne den Bravo, der dich ins Himmelreich spedieren soll. Du bist dem Dominikaner, der jetzt des Papstes Beichtiger ist, und seinem Anhange im Wege. – Morgen darfst du nicht mehr hier sein." – Diese neue Begebenheit konnte ich gar gut mit den Äusserungen des unbekannten Abbates zusammenräumen; so betroffen war ich, dass ich kaum bemerkte, wie der possierliche Belcampo mich ein Mal über das andere an das Herz drückte und endlich mit seinen gewöhnlichen seltsamen Grimassen und Sprüngen Abschied nahm. –

Mitternacht mochte vorüber sein, als ich die äussere Pforte des Klosters öffnen und einen Wagen dumpf über das Pflaster des Hofes hereinrollen hörte. Bald darauf kam es den gang herauf; man klopfte an meine Zelle, ich öffnete und erblickte den Pater Guardian, dem ein tief vermummter Mann mit einer Fackel folgte. "Bruder Medardus," sprach der Guardian, "ein Sterbender verlangt in der Todesnot Euern geistlichen Zuspruch und die letzte Ölung. Tut, was Eures Amtes ist, und folgt diesem Mann, der Euch dort hinführen wird, wo man Eurer bedarf." – Mich überlief ein kalter Schauer, die Ahnung, dass man mich zum tod führen wolle, regte sich in mir auf; doch durfte ich mich nicht weigern und folgte daher dem Vermummten, der den Schlag