Medardus, dass ich Ursache habe, mit diesem mir beschiedenen Tron zufrieden zu sein. Wohl ist meine blühende Oma geschmückt mit himmlischer Pracht, das wirst du auch wohl fühlen, Bruder Medardus, hast du deinen blick nicht ganz dem Irdischen verschlossen... Doch das glaube' ich nicht... Du bist ein wackrer Redner und hast mir zum Sinn gesprochen... Wir werden uns, merk' ich, näher verständigen! ... bleibe hier! ... In einigen Tagen bist du vielleicht Prior, und später könnt' ich dich wohl gar zu meinem Beichtvater erwählen... Gehe... gebärde dich weniger närrisch in den Kirchen, zum Heiligen schwingst du dich nun einmal nicht hinauf – der Kalender ist vollzählig. Gehe." – Des Papstes letzte Worte verwunderten mich ebenso wie sein ganzes Betragen überhaupt, das ganz dem Bilde widersprach, wie es sonst von dem Höchsten der christlichen Gemeinde, dem die Macht gegeben zu binden und zu lösen, in meinem inneren aufgegangen war. Es war mir nicht zweifelhaft, dass er alles, was ich von der hohen Göttlichkeit seines Berufs gesprochen, für eine leere listige Schmeichelei gehalten hatte. Er ging von der idee aus, dass ich mich hatte zum Heiligen aufschwingen wollen und dass ich, da er mir aus besonderen Gründen den Weg dazu versperren musste, nun gesonnen war, mir auf andere Weise Ansehn und Einfluss zu verschaffen. Auf dieses wollte er wieder aus besonderen mir unbekannten Gründen eingehen.
Ich beschloss – ohne daran zu denken, dass ich ja, ehe der Papst mich rufen liess, Rom hatte verlassen wollen – meine Andachtsübungen fortzusetzen. Doch nur zu sehr im inneren fühlte ich mich bewegt, um wie sonst mein Gemüt ganz dem Himmlischen zuwenden zu können. Unwillkürlich dachte ich selbst im Gebet an mein früheres Leben; erblasst war das Bild meiner Sünden, und nur das Glänzende der Laufbahn, die ich als Liebling eines Fürsten begonnen, als Beichtiger des Papstes fortsetzen und wer weiss auf welcher Höhe enden werde, stand grell leuchtend vor meines Geistes Augen. So kam es, dass ich, nicht weil es der Papst verboten, sondern unwillkürlich meine Andachtsübungen einstellte und statt dessen in den Strassen von Rom umherschlenderte. Als ich eines Tages über den spanischen Platz ging, war ein Haufen volkes um den Kasten eines Puppenspielers versammelt. Ich vernahm Pulcinells komisches Gequäke und das wiehernde Gelächter der Menge. Der erste Akt war geendet, man bereitete sich auf den zweiten vor. Die kleine Decke flog auf, der junge David erschien mit seiner Schleuder und dem Sack voll Kieselsteinen. Unter possierlichen Bewegungen versprach er, dass nunmehr der ungeschlachte Riese Goliat ganz gewiss erschlagen und Israel errettet werden solle. Es liess sich ein dumpfes Rauschen und Brummen hören. Der Riese Goliat stieg empor mit einem ungeheuern kopf. – Wie erstaunte ich, als ich auf den ersten blick in dem Goliatskopf den närrischen Belcampo erkannte. dicht unter dem Kopf hatte er mittelst einer besonderen Vorrichtung einen kleinen Körper mit Ärmchen und Beinchen angebracht, seine eigenen Schultern und arme aber durch eine Draperie versteckt, die wie Goliats breit gefalteter Mantel anzusehen war. Goliat hielt mit den seltsamsten Grimassen und groteskem Schütteln des Zwergleibes eine stolze Rede, die David nur zuweilen durch ein feines Kickern unterbrach. Das Volk lachte unmässig, und ich selbst, wunderlich angesprochen von der neuen fabelhaften Erscheinung Belcampos, liess mich fortreissen und brach aus in das längst ungewohnte lachen der inneren kindischen Lust. – Ach, wie oft war sonst mein lachen nur der konvulsivische Krampf der inneren herzzerreissenden Qual. Dem Kampf mit dem Riesen ging eine lange Disputation voraus, und David bewies überaus künstlich und gelehrt, warum er den furchtbaren Gegner totschmeissen müsse und werde. Belcampo liess alle Muskeln seines Gesichts wie knisternde Lauffeuer spielen, und dabei schlugen die Riesenärmchen nach dem kleiner als kleinen David, der geschickt unterzuducken wusste und dann hie und da, ja selbst aus Goliats eigner Mantelfalte zum Vorschein kam. Endlich flog der Kiesel an Goliats Haupt, er sank hin, und die Decke fiel. Ich lachte immer mehr, durch Belcampos tollen Genius gereizt, überlaut, da klopfte jemand leise auf meine Schulter. Ein Abbate stand neben mir. "Es freut mich," fing er an, "dass Ihr, mein ehrwürdiger Herr, nicht die Lust am Irdischen verloren habt. Beinahe traute ich Euch, nachdem ich Eure merkwürdige Andachtsübungen gesehen, nicht mehr zu, dass Ihr über solche Torheiten zu lachen vermöchtet." Es war mir so, als der Abbate dieses sprach, als müsste ich mich meiner Lustigkeit schämen, und unwillkürlich sprach ich, was ich gleich darauf schwer bereute, gesprochen zu haben. "Glaubt mir, mein Herr Abbate," sagte ich, "dass dem, der in dem buntesten Wogenspiel des Lebens ein rüstiger Schwimmer war, nie die Kraft gebricht, aus dunkler Flut aufzutauchen und mutig sein Haupt zu erheben." Der Abbate sah mich mit blitzenden Augen an. "Ei," sprach er, "wie habt Ihr das Bild so gut erfunden und ausgeführt. Ich glaube Euch jetzt zu kennen ganz und gar und bewundere Euch aus tiefstem grund meiner Seele."
"Ich weiss nicht, mein Herr, wie ein armer büssender Mönch Eure Bewunderung zu erregen vermochte!"
"Vortrefflich, Ehrwürdigster! – Ihr fallt zurück in Eure Rolle! – Ihr seid des Papstes Liebling?"
"Dem hochheiligen Stattalter des Herrn hat es gefallen, mich seines