Schellengeklingel, frischen Mädchengesichtern, die vom land flüchteten, mit Bällen, Opern und Konzerten, wie eine lustige Hochzeit. Friedrich stand gegen Abend einsam an seinem Fenster, Leontin und Faber liessen noch immer nichts von sich hören, Rosa hatte ihn letztin ausgelacht, als er voller Freuden zu ihr lief, um ihr eine politische Neuigkeit zu erzählen, die ihn ganz ergriffen hatte, an der Gräfin Romana hatte er seit jener Nacht keine Lust weiter, er hatte beide seitdem nicht wiedergesehen; vor den Fenstern fiel der Schnee langsam und bedächtig in grossen Flocken, als wollte der graue Himmel die Welt verschütten. Da sah er unten zwei Reiter in langen Mänteln die Strasse ziehen. Der eine sah sich um, Friedrich rief: "Viktoria!" es waren Leontin und Faber, die soeben einzogen.
Friedrich sprang, ohne sich zu besinnen, zur Tür hinaus und die Stiege hinunter. Als er aber auf die Strasse kam, waren sie schon verschwunden. Er schlenderte einige Gassen in dem Schneegestöber auf und ab. Da stiess der Marquis, den wir schon aus Rosas Briefe kennen, die hervorragenden Steine mit den Zehen zierlich suchend, auf ihn. Er hing sich ihm sogleich wie ein guter Bruder, in den Arm, und erzählte ihm in einem Redestrome tausend Spässe zum Totlachen, wie er meinte, die sich heute und gestern in der Stadt zugetragen, welche Damen heute vom land angekommen, wer verliebt sei und nicht wiedergeliebt werde usw. Friedrich war die flache Lustigkeit des Wichts heute entsetzlich, und er liess sich daher, da ihm dieser nur die Wahl liess, ihn entweder zu sich nach haus, oder in die Gesellschaft zum Minister zu begleiten, gern zu dem letzteren mit fortschleppen. Denn besser mit einem Haufen Narren, dachte er übellaunisch, als mit einem allein.
Er fand einen zahlreichen und glänzenden Zirkel. Die vielen Lichter, die prächtigen Kleider, der glatte Fussboden, die zierlichen Reden, die hin und wider flogen, alles glänzte. Er wäre fast wieder umgekehrt, so ganz ohne Schein kam er sich da auf einmal vor. Vor allen erblickte er seine Rosa. Sie hatte ein rosasamtnes Kleid, ihre schwarzen Locken ringelten sich auf den weissen Busen hinab. Der Erbprinz unterhielt sich lebhaft mit ihr. Sie sah inzwischen mehrere Male mit einer Art von triumphierenden Blicken seitwärts auf Friedrich; sie wusste wohl, wie schön sie war. Friedrich unterhielt sich gedankenvoll zerstreut rechts und links. Jene Frau vom haus, bei der er die Teegesellschaft verlebt, war auch da und schien wieder an ihren ästetischen Krämpfen zu leiden. Sie unterhielt sich sehr lebendig mit mehreren hübschen jungen Männern über die Kunst, und Friedrich verstand nur, wie sie zuletzt ausrief: "Oh, ich möchte Millionen glücklich machen!" – Da hörte man plötzlich ein lautes lachen aus einem andern abgelegenen Winkel des Zimmers erschallen. Friedrich erkannte mit Erstaunen sogleich Leontins stimme. Die Männer bissen sich heimlich in die Lippen über dieses lachen zu rechter Zeit, obschon keiner vermutete, dass es wirklich jenem Ausruf gelten sollte, da der Lacher fern in eine ganz andere Unterhaltung vertieft schien. Friedrich aber wusste gar wohl, wie es Leontin meinte. Er eilte sogleich auf ihn los und fand ihn zwischen zwei alten Herren mit Perücken und altfränkischen Gesichtern, mit denen sich niemand abgeben mochte, mit denen er sich aber kindlich besprach und gut zu vertragen schien. Er erzählte ihnen von seiner Gebirgsreise die wunderbarsten Geschichten vor, und lachte herzlich mit den beiden guten Alten, wenn sie dabei ihn über offenbaren, gar zu tollen Lügen ertappten. Er freute sich sehr, Friedrich noch heute zu sehen, und sagte, wie es ihm eine gar wunderlich schauerliche Lust sei, so aus der Grabesstille der verschneiten Felder mitten in die glänzendsten Stadtzirkel hineinzureiten, und umgekehrt.
Sie sprachen noch manches zusammen, als der Prinz hinzutrat und Friedrich in ein Fenster führte. "Der Minister", sagte er zu ihm, als sie allein waren, "hat Sie mir sehr warm, ja ich kann wohl sagen, mit leidenschaft empfohlen. Es ist etwas Ausserordentliches, denn er empfiehlt sonst keinen Menschen auf diese Art." Friedrich äusserte darüber seine grosse Verwunderung, da er von dem Minister gerade das Gegenteil erwartete. "Der Minister", fuhr der Prinz fort, "lässt sein Urteil nicht fangen, und ich vertraue Ihnen daher. Unsere Zeit ist so gewaltig, dass die Tugend nichts gilt ohne Stärke. Die wenigen Mutigen aus aller Welt sollten sich daher treu zusammenhalten, als ein rechter Damm gegen das Böse. Es wäre nicht schön, lieber Graf, wenn Sie sich von der gemeinen Not absonderten." "Gott behüte mich vor solcher Schande!" erwiderte Friedrich halb betroffen, "mein Leben gehört Gott und meinem rechtmässigen Herrn." "Es ist gross, sich selber, von aller Welt losgesagt, fromm und fleissig auszubilden", sagte darauf der Prinz begeistert, "aber es ist grösser, alle Freuden, alle eigenen Wünsche und Bestrebungen wegzuwerfen für das Recht, alles –" hier strich soeben die Gräfin Romana an ihnen vorüber. Der Prinz ergriff ihre Hand und sagte: "So lange von uns wegzubleiben!" – Sie zog langsam ihre Hand aus der seinigen und sah nur Friedrich gross an, als sähe sie ihn wieder zum ersten Male. Der Prinz lachte unerklärlich, drückte Friedrich flüchtig die Hand und wandte sich wieder in den Saal zurück. Friedrich folgte der Gräfin mit ihren herausfordernden