ein Körbchen voll der glühendsten Rosen haltend, neben ihm. Mine und Geberde sagte: schöner lieber Herr, kaufen Sie doch. Alonzo blickte ganz tiefsinnig in die hellen Rosenlichter, es trabte ein Preussischer Freiwilliger vorbei und sang:
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Wie ringen wir baden
Durch Blut und durch Wolken
An's herrliche Ziel.
Alonzo hatte früherhin auf spanischem Boden tapfere Deutsche gekannt, die der allgemein heiligen Sache im fremden Streite dienten. Das Wort Blut war ihm wohlbekannt, es fiel wunderbar in sein Ohr; er wandte sich nach dem Reuter und griff fast zugleich in das weiche Blumenmeer, die roten, duftenden Wellchen spielten kühlend um seine Finger, er fasste eine Hand voll Blumen und sagte ganz unwillkührlich: rote Rosen, rotes Blut: und Geld in das Körbchen werfend, trabte er ganz in sich versunken nach seinem Quartier.
Siebentes Kapitel
Hatte Alonzo bis dahin still und verborgen gelebt, so hielt er es jetzt seiner Ehre gemäss, überall, so viel sichs tun liess, an öffentlichen Orten zu erscheinen. Kein Mensch sollte ihn vergebens suchen, keine an ihn gerichtete Frage unbeantwortet bleiben. Er war desshalb, alles Widerwillens ohnerachtet, fast zu jeder Stunde im Palais Royal zu finden. Sein stattlich stolzes Wesen, der feste Trotz, mit dem er etwas zu erwarten schien, die kalte Geringschätzung in blick und Minen bezeichnete ihn bald genug. Karikaturen und Vaudevilles malten den tiefsinnig spröden Spanier auf komisch neckende Weise, ohne dass er selbst eine Ahndung davon hatte. Sein Auge war auf ganz Anderes gerichtet. Mit scharfem Adlerblick fasste er jedes verwandte Gesicht, ohne gleichwohl seinen Mann finden zu können.
Unwillkührlich hatte er denn doch manche Bekanntschaft gemacht, sich manchem Kreise angeschlossen. Es konnte nicht fehlen, dass er hin und her zur Teilnahme gezwungen, in gespräche verwickelt ward, in denen er ein tiefes, überaus edles Gemüt offenbarte. So fand er sich bald gesucht und schon in den ersten Tagen unter mehreren verbündeten Offizieren einheimisch. Es kam hier vieles zur Sprache, das die gemischten, oft verletzenden Verhältnisse der Zeit mit immer gesteigertem Unwillen aus den empörten Herzen riss, man stachelte sich so gegenseitig und es sprüheten Funken, die oft nur des zündenden Gegenstandes ermangelten, um hell aufzuflammen. Niemand machte just ein Hehl daraus, dass er das Land, die Stadt und die Einwohner hasse, dass dies Gefühl rechtmässig und nun und nimmermehr auszurotten sei. Wir haben es leider nur allzuzeitig vergessen, sagte einst ein wackrer Oestreicher, wie uns seit dem spanischen Successionskriege her und wohl früher dies Volk gehofmeistert und durch seinen sündlichen Einfluss unterjocht hat. Das waren Franzosen wie jetzt. Man sagt immer: die Revolution und der Napoleon habe alles so schlimm gemacht, aber es lese nur Eins wie es damals zuging, Treue und Glauben war niemals drin.
Da hinter, sagte ein blonder, hochgewachsener Brandenburger, sind nun wohl nach grade auch alle gekommen, mit dem Vertrauen ist's meist aus und jedweder bleibt gefasst und auf seiner Hut. Was schmeichelt man ihnen denn noch lange, unterbrach ihn der Oestreicher, und lässt sie glauben, sie seien nicht besiegt. Es hätte nicht viel gefehlt, wir massten die grünen Zweige verstecken, weil ihnen das ehrenwerte Feldzeichen in die Augen schlug. Darf sich wohl Einer rein heraus Sieger nennen, wir umgehen und umgehen das Wort und tun mit ihnen, wie mit kranken Kindern, darüber werden sie vollends töricht und vorlaut. Ich glaube, sagte der Brandenburger aufstehend, man macht es mit den Franzosen wie mit den Besessenen, man scheuet und windet sich vor ihren krampfigen Zuckungen, und lässt sie laufen. Ich habe nur eine Zeitlang das Wesen so mit angesehen, und all' die Manövres und Kunststückchen vormachen lassen, es war mir spasshaft genug, dass sie mich zu imponiren glaubten, aber es nehme mir kein Mensch übel, lange hält man das nicht aus, zuletzt wird man ganz müde und matt und geht ihnen gern aus dem Wege.
Ein feiner, schlanker Russe, der eine Zeitlang lächelnd in den Streit hinein gesehen hatte, sagte jetzt in etwas gepresstem weichem französisch, wir hätten doch alle sammt unrecht, die Nation zu hassen, da wir ihrer Sprache jede gesellige Mitteilung und selbst den jetzigen, kameradschaftlichen Verkehr verdanken. Auch können wir es uns nicht wohl ableugnen, dass, die augenblicklichen Missverständnisse abgerechnet, Paris der Sitz aller urbanen Gewandheit, des feinsten Gesellschaftswitzes und einer kultur ist, wie wir sie anderswo nur im matten Wiederscheine finden. Die Franzosen bleiben immer unsre Vorbilder und wir streben vergebens sie zu erreichen. Gestehen wir es nur, wir bleiben bei allem Stolz weit hinter ihnen zurück. Solch Streben, fiel der Preusse ein, verdient solchen Lohn. Gottlob! bei uns ist die alte Comödie ausgetrommelt. Es bringt sie kein Mensch mehr aufs Tapet. Wir fangen denn doch nach grade an uns zu ehren. Im Selbstgefühl liegt die Selbstständigkeit, darauf soll der deutsche Ritter wieder seine Burgen bauen, und denn wirds auch mit der vielgepriesenen Welt- und Gesellschaftssprache ein Ende mit Schrekken nehmen. Ich sehe gar nicht ein, weshalb sie nicht zu entbehren sei. Es kommt nur darauf an, dass notwendiger Ausgleichungen im Leben wegen, das klassisch, poetische Italiänisch Hofsprache werde. Welch ganz anderer Geist würde in die Gesellschaft übergehen. Und gleichwohl, fiel der Russe ein, bestechen die Franzosen uns heute wie immer, uns reitzt und lockt die Meisterschaft dessen, was wir kennen, ohne es zu können. Mich