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Alonzo ganz entzückt, du hast auch mir den Weg dahin gebahnt, gute Alte, dein stiller Abend soll nun ferner auch hell und ungetrübt bleiben. Er drückte noch mehr Geld in ihre Hand und geleitete sie freudig an die Tür.

Das Wetter tobte indess ungestüm fort. Alonzo zitterte, dass Blansche vielleicht gehindert werden könnte, Wort zu halten. Doch wickelte er sich in seinen Mantel und ging ungeduldig durch Regen und Sturm dem ersehnten Augenblick entgegen. Er kam an der kleinen Tür an. Es war noch meist um eine Stunde zu früh, alles war dunkel, das Schloss verriegelt, unter ungeduldigen Herzschlägen die Hand an den Degen gelegt, ging er auf und nieder, als halte er Wache hier. Die schwanken Baumstämme jenseit der Mauer wanden sich ängstlich unter heulenden Windstössen, das Laub schüttelte sich rauschend, es rang und arbeitete peinlich in der natur. Alonzo setzte sich ermüdet auf einen Stein an der Tür. Die Knie übereinandergeschlagen, seine Waffen im Arm, sass er, den Kopf auf die Brust gesenkt, tiefsinnig da, und liess es nun über sich toben und flüstern und wimmern, er hörte auf nichts als Blansche's leisen Schritt, den er alle Augenblicke über den knirrenden Kies zu vernehmen glaubte. Die Zeit verging langsam, allerlei lief ihm durch den Sinn, er hatte die Augen geschlossen und sah in wachsender Fieberglut Bild auf Bild vor sich aufsteigen. Die Blinde, der alte Stelzfuss, dann ein hoher, greiser Herr in seiner Landestracht, sah ihn streng und scheltend an, Alonzo kannte ihn wohl aus alter Bildersammlung, es war sein Ahnherr, den er frühe ehren gelernt. Die hohe Gestalt schien ihm so ängstlich nahe, dass er aufsprang und einen Schritt zurücktrat. Alonzo, rief eine leise stimme, die tür ging auf, Blansche trat heraus, hinter ihr ein Mann, dessen Gesicht im Mantelkragen verdeckt lag. Bei seinem Anblick alles, auch Blansche vergessend, zog Alonzo das Schwerdt aus der Scheide, und: der dritte ist hier überflüssig, rufend, drang er auf den vermummten Begleiter ein. Sehen Sie um sich, sagte Blansche mit gebietender stimme, dieser Boden hat schon einmal teures Blut getrunken, zügeln Sie die Unglück bringende Hand! Alonzo liess Arm und Degen sinken und mit einem Schauer, als stehe Turgis Schatten mit aufgehobenem Finger vor ihm, fragte er leise, was wollen Sie mit mir, Blansche, machen Sie es kurz, ich bin gefasst. Die Erinnerung, mein armer Freund, entgegnete sie sanft, die Sie jetzt so lähmend trifft, sagt Ihnen, was für diese Welt zwischen uns steht. Es ist nicht des Bruders junger, früh geopferter Leib, es ist die Unvereinbarkeit ewig geschiedener Elemente. Alonzo, es ist ein Wahn, das Leben auf ungleichem Boden gestalten zu wollen. Niemand kann aus sich heraus. Sie können u n s das nie verzeihen, der Hass bahnt sich tausend Wege, beflecken Sie die Liebe nicht so sehr, sie in solchen Kampf herabzuziehen! Ein andrer Erdenfleck ward Ihnen angewiesen, ein andrer mir, was die grenzen überstrahlt, ist ein himmlisches Licht, es scheint eine kleine Weile, dann zieht es sich betrübt zurück, es weilt nicht auf dieser Erde. Sie gehören hier nicht her, ich habe das immer beklemmend gefühlt, die Angst hat mich in Ihrer Nähe nie verlassen, darum mein Freundsie drückte leise seine Hand, ihr blick lag ungewiss und bang am Boden, Alonzo fühlte ihre Finger auf den seinigen ruhend, ohne aus seiner starren, düstern Hingebung zu erwachen. Wir trennen uns, flüsterte Blansche kaum hörbar, dies Leben gehört der Pflicht, ich habe es mir gelobt, vor diesem Zeugen wiederhole ich es Ihnen und mir. Philipp schlug den Mantel zurück und fasste bebend ihre dargereichte Hand. Alonzo sah ihn verwundert an. Jetzt bog ein Reisewagen um die Ecke, Alonzo erkannte Gepäck und Leute, es war sein eigner, ha! ich verstehe, rief er, heftig zitternd, Blansche stand abgewandt, ihre Brust arbeitete unter leisem Schluchzen. Nach Osten, sagte Philipp, die Hand nach dem klaren Himmel hebend, der von dort aus die tief blauen Gewitterschauer langsam aufrollte. Nach Osten, wiederholte Alonzo langsam. Er sank an Philipps Brust, Tränen erstickten seine stimme. Darauf den Kopf mutig in die Höhe gehoben, sagte er, mit kräftigem blick und Händedruck: junger Preusse, ihr tapfres Volk war der Wegweiser für Europa, ich folge Ihnen, treuer Bundesgenosse! – Nach Rom dann, sagte Philipp, Alonzo schüttelte ihm bejahend die Hand. Da warf sich Blansche an sein krankes Herz, der Scheidekuss, rief sie, sei Ihre Weihe. – Er drückte sie heftig an sich, – Blansche, Blansche stammelte er unter unsäglichem Schmerzsie wand sich sanft los und verschwand hinter der zufallenden Tür.

Stumm standen beide Freunde einander gegenüber. Ein stiller Heilgendienst? war es nicht so? fragte Alonzo nach einer kleinen Weile. Philipp winkte bejahend. Es mag, fuhr jener fort, leicht der einzige Weg zum Glücke sein, was wir im Leben anfassen, es ist tot und welk, – Philipp führte ihn schweigend zum Wagen. Als sie nun einstiegen und der Postillion in sein Horn stiess und die Räder sich fortbewegten, da brach Alonzos letzte Kraft zusammen. Er warf sich in die Ecke des Wagens, und weinte ohne alle Kraft, dem Schmerz zu widersteh'n. Philipp hatte seine Hand gefasst, er