sie: es muss sein, lieber Alonzo, es muss wahrhaftig sein. Sie selbst haben es so bestimmt gesagt; man schmeichelt sich immer eine Weile, aber der Irrtum hält nicht vor! – Er wollte ihre Hand fassen, er wollte sie zwingen, ihm zu sagen, was sein müsse? was er selbst gesagt, getan habe? doch sie war ihm entschlüpft. Man ging auseinander, der Herzog sagte gelassen: der Wagen erwartet uns. Alonzo sah ihn betroffen an. Doch jener war schon in der Tür, er musste ihm folgen.
Sie sassen schweigend neben einander, der Wagen flog an der dunkeln Klostermauer hin. Alonzo sah seinen Schatten, der immer länger ward und endlich zurückzubleiben schien. Trübes Selbst, dachte er seufzend, du zerfliessest in Nacht und Traum, keine Spur bleibt von dir zurück. Lieber Alonzo, hub der Herzog jetzt an, ich hätte fast vergessen, Ihnen zu sagen: dass Ihr Geschäft hier beendigt ist. Ihre Aufträge sind beantwortet, es liegt alles bereit, der Minister erwartet Sie, auch die Abschiedsaudienz beim Könige ist für Sie nachgesucht und auf Morgen festgesetzt. Nachgesucht und festgesetzt? rief Alonzo mit flammender Stirn, wer mischte sich in meine Angelegenheiten? Ich, entgegnete der Herzog. Junger Mann, fuhr er sehr ernst fort, vergessen Sie nicht, dass nach dem tod meines Neffen mein Ansehn, meine Vorsprache Sie allein hier erhielt. Ich hegte damals andre Wünsche, man hört auch im Alter nicht auf an dem Leben zu meistern und etwas anderes daraus machen zu wollen, als es sein kann. Der Hass ist so trübe, Wohlwollen und Teilnahme so tröstlich! Aus dem Verein der Familien, dachte ich, solle die Versöhnung entzweieter Nationen hervorgehen. Opfer waren gefallen, die Rache hatte ihr Recht genommen, der natur heilige Anfoderungen sollten sich durch sich selbst ausgleichen, ich durfte einen Augenblick an Erdenglück denken. Und weshalb, fiel Alonzo ganz überwältigt ein, weshalb wollen Sie so gerechte, so bescheidene Wünsche aufgeben? weshalb, ich beschwöre Sie, wollen Sie mich unbarmherzig aus der Reihe Ihrer Hoffnungen ausstreichen? Warum, wenn ich Sie anders zu verstehen wage, warum wollen Sie das linde Band meinen Händen entreissen, dass Sie, dass Ihre Familie mit dem Schicksale aussöhnen könnte? Sie gehören nicht zu uns, entgegnete der Herzog kalt. Hass, wie glühend er sei, kann Blut löschen, Verachtung tritt in den Staub und nie kann man lieben, was man befleckte? Lassen Sie uns davon schweigen, ich fühle mein Blut noch brausend genug, um es fürchten zu müssen. Sie selbst haben zur rechten Zeit den Wahn zerrissen, und mit ihm jeden aufblühenden Verein, wir fallen ganz und auf immer auseinander, und wollen Sie sich anders treu bleiben, so dürfen Sie nie daran denken, diese Kluft zu überschreiten. dachte' ich's doch, rief Alonzo, französische Eitelkeit konnte niemals verzeihen, was sie durch tausend und tausend ärgere Beleidigungen unserm empörten Gefühl abpresste. Alles und jedes erlaubt sie sich zu sagen, und die einfachste Tatsache darf ihr nicht unter die Augen gerückt werden! Was ich mir und meinem Gott unter heissem Schmerz bekenne, entgegnete der Herzog, soll mir dennoch kein Anderer laut entgegenrufen, und wer es tut, dessen Anblick wird ewig den Stachel in meine Seele drücken und Gift und Galle aus eiternder Wunde pressen. Und desshalb also, sagte Alonzo spöttisch, soll ich Frankreich meiden, weil Ihnen mein Anblick unangenehme Wahrheiten ins Gedächtniss ruft! sehr despotisch bei meiner Ehre! Nun ich denke, Alonzo de Mendez geht wohin ihn seine Pflicht ruft, entgegnete der Herzog mehr galant als aufrichtig. Es ist die Frage, fiel Alonzo ein, welche Pflicht mir die höhere ist. Die der Ehre, ohne Zweifel, erwiderte jener.
Beide schwiegen einige Augenblicke aus Furcht zu viel zu sagen. Wozu denn nur, rief Alonzo plötzlich vom Zorne überwältigt, das ganze Spiel des heutigen Tages, wozu dies Zusammenkommen, die trügerische Freundlichkeit und all' das Gleissen, dem Herz und Seele fehlte! Sie sind sehr ungerecht, unterbrach ihn der Herzog, wir waren es Ihnen und uns schuldig, im besten Vernehmen zu scheiden. Die Welt darf nie wissen, wenn wir uns in der Wahl unserer Freunde vergriffen. Ihre neulichen Ausfälle hatten Sie auf unangenehme Weise für Sie und unser Haus affischirt, das musste durch die achtung, die wir persönlich gegeneinander an den Tag legten, ausgeglichen werden. Noch einmal mussten Sie in der Gesellschaft erscheinen. Das ist geschehen, auf die schicklichste Weise für alle Teile. Jeder unangenehme Eindruck ist vertilgt. Dass Sie unwissend so geführt wurden, werden Sie der Mässigung Ihrer Freunde Dank wissen. Und Blansche, rief Alonzo mit bebenden Lippen, sie wusste darum? Sie konnte die Hand zu dem allem bieten? Blansche, erwiderte der Herzog, weiss, was sie sich, ihrem Namen und vaterland schuldig ist. Der Wagen hielt. Noch einmal, fuhr der Herzog fort, lassen Sie jeden persönlichen Unwillen schweigen, denken Sie, dass eine unbezwingliche Naturnotwendigkeit so entscheidet, dass Sie diese vielleicht schärfer als ich empfinden und dass niemand gegen das Geschick ankämpft. Ich werde, entgegnete Alonzo, etwas stolz von seinem Sitz aufstehend, wie ich denke, gelegenheit finden zu zeigen, dass ich nur Vorschriften von mir selbst anzunehmen weiss, und hierin, wie in allen, den Gesetzen der Ehre folge. Er grüsste flüchtig und beeilte seine Schritte, um jeder Antwort