gefallenen Jünglings Brust. Es kam alles so schnell, so traumartig.
Alonzo fasste seine Hand. Ich reise, lieber Philipp, ich muss hier fort, die Luft drückt mich entsetzlich. Ich habe meiner Mutter schon geschrieben. Es geht nicht länger. Sie muss sich bei dem Könige für mich verwenden, er wird mich zurückrufen, er siehts ja, ich tauge hier nichts, wie konnte er mich auch wählen!
Ich wollte, ich könnte Sie begleiten, sagte Philipp, seine Hand immer noch in der seinen haltend, aber mein Weg ist mir schon vorgezeichnet.
Bei allem dem, fuhr Alonzo ganz in Gedanken fort, wie gut dass er lebt. Er schien ihr so wert, so unaussprechlich teuer zu sein! Wenn er – o höchst wunderbarer unbegreiflicher Gott! –
Beide schwiegen unter ernstem Nachdenken als ein Wagen vor dem haus anhielt, und man Alonzo, Türgis Oheim, den Herzog meldete. Störe ich Sie, sagte Philipp aufbrechend, so leben Sie für jetzt wohl. Im Gegenteil, erwiderte Alonzo, Ihre Nähe tut mir ganz unumgänglich not. Ich denke es kommt hier noch wohl mancherlei zur Sprache, und wir halten und bewahren uns nie besser, als wenn wir wissen, dass uns ein Freund beachtet. Nun fiel jener lachend ein, das wird einmal wieder einen komischen Aufzug geben, am Ende sollen Sie sich wohl gar noch mit dem alten Herrn herumschlagen. Ich dächte Sie überliessen mir das, wir können leicht die Rollen vertauschen, er kennt keinen von uns beiden, und ich zeige ihm dann sein eigenes Gesicht, ich weiss schon all die Minen, Phrasen und Luftsprünge der Gedanken auswendig, er soll glauben sich in einem Spiegel zu sehen, hören Sie nur, da geht's los. Die Türen schlugen auf, der ältlich würdige Mann trat ein und gab durch sein blosses erscheinen den beiden Jünglingen Ehrfurcht. Sie neigten sich schweigend gegen ihn. Das stille Leiden vieler Jahre, die Kraft und Ruhe der Ueberwindung lag auf den verfallenden Zügen, er richtete die grossen Augen nach Alonzo; die Nacht hereinbrechenden Alters umdämmerte bereits ihre frühere Glut, und gab ihnen jenes wehmütig verschwimmende Licht, das leise zum Herzen redet. Mit altadelich sicherm Anstande sagte er darauf, ich fühle mich gedrungen Sie aufzusuchen, ihnen persönlich zu eröffnen, wovon mein Herz voll ist. Sie sind zum Unglück meines Hauses auf unverzeihliche Weise gereitzt worden, und haben nach würdig anerkannter Sitte ihr Recht genommen, ich kann jenes nur bedauern, wie dieses ehren. Wenn indess der leichtsinnige Uebermut eines Unbesonnenen, wenn die empörende Frechheit meines vergifteten Frankreichs sich so verletzend gegen Sie, gegen eine ganze edle Nation äussern durfte, werden Sie dem Bereuenden, dem Todtwunden verzeihen? werden Sie einer verzweifelnden Mutter den Trost geben wollen, dass kein Fluch ihrem Liebling ins Grab folgt? Mein Herr, Sie haben keinen Begriff von dem Schmerze, alle Lebenshoffnungen in seinem kind, in seinem eignen Blute scheitern zu sehen! Herr Herzog, entgegnete Alonzo in grosser Bewegung, Ihnen ist es zu wohl bekannt, dass der geendete Kampf auch den Streit beendet. Die Ehre ist befriedigt, das Gefühl hat keine stimme mehr; auch ist dieses beruhigt, und ich darf Ihnen mein Ritterwort geben, dass ich um so freier von allem Groll bin, als durchaus keine weitern Beziehungen zwischen mir und meinem Gegner statt finden, und nur die allgemeinen, tief liegenden Elemente verschiedener Nationalität sich durch uns einen Weg bahnten, um aneinander zu geraten. Die gesetz wie die Weihe der Waffen haben hier geschlichtet und entschieden. Den Frieden der Gemüter behindert fortan nichts weiter. Wenn Sie, nahm der Herzog auf innige Weise das Wort, wenn Sie meiner Schwester das selbst sagen, wenn Sie uns die Beruhigung Ihrer Nähe nur auf kurze Augenblicke gönnen wollten. Alonzo sah ihn betreten an. Sie erschrecken, fuhr jener fort, schon vor der blossen Möglichkeit persönlicher Befreundung, Sie hegen die lebhafteste Scheu gegen jede Art von Gemeinschaft mit allem was Franzose heisst? Ich kann Sie nicht tadeln, aber eben dass ich es nicht kann, lastet härter als der Fluch der Verbannung auf mir. Ich will Sie, fügte er einlenkend hinzu, weiter nicht in Verlegenheit setzen. Sie werden es ja nicht übersehen w o l l e n , dass es auch hier tapfere und freie Herzen gibt, die Pflicht und Ehre, Gott und Gewissen über alles hoch halten, und diesen Ihre Teilnahme schenken, je mehr Sie sie zu bedauern ursache finden. Er hatte die letzten Worte mit frommen Eifer gesprochen, in seinen Augen glänzte eine Träne. Alonzo sah beschämt vor sich nieder. Ich gehe, sagte der Herzog nach kurzem Schweigen um vieles getrösteter von ihnen als ich kam, ich sehe Ihr menschliches Gefühl überwiegt den Nationalhass bei weitem, wenn dieser gleich nicht duldet, dass Sie sich aussprechen dürfen. Ich verstehe Sie, junger Mann, und noch einmal, ich ehre Sie deshalb. Wo das Recht und die Wahrheit, rief Alonzo sehr bewegt, so gebietend sprechen, ist es nicht länger erlaubt zu wanken. Sie haben mich bezwungen, Herr Herzog, ich bitte Sie zu glauben, dass Sie, dass Ihre Familie meine Teilnahme in einem weit höhern Maasse besitzen als ich es sagen kann, dass ich stolz sein werde, Ihnen das zu bezeigen. Sie waren unter diesen Worten bis an die Tür gekommen. Der Herzog wandte sich noch einmal und mit prüfendem blick auf beide Fremdlinge, rief er, möchten Sie doch