: wenn Umstände und Nationaldekrete uns die Waffen aus der Hand winden, so sehen Sie, dass wir die Waffe des Spottes unbestritten besitzen, vor der dennoch ganz Europa zittert. Alonzo hatte nur ein halbes Auge an die bunte Fratze gewandt, in welcher er sein und seiner Nation karikirtes Bild in der person des Donquichot aus einem Lieblingsstück der Variétés, Croque mitaine genannt, in allen seinen Zügen sprechend ähnlich, erkannte. Der Zorn flammte leuchtend auf seiner Stirn, er behielt die eine Hand an dem Säbel, neigte die andre gleichsam winkend gegen seinen Gegner, und sagte mit stiller Sicherheit, wir Spanier pflegen die Franzosen nur mit Blut zu malen. Er winkte noch einmal, und vorausgehend, setzte er hinzu, ich bitte zu folgen.
Philipp hatte schon längst sein weisses Barett in die Augen gedrückt, das Schwerdt heftig unter die arme geklemmt, sich ungeduldig die hände gerieben und bald den einen bald den andern Fuss zum Weggehen gehoben. Er zitterte vor innerer kaum verhaltener Wut, er hätte den Uebermütigen auf der Stelle niederstossen mögen. Jetzt stand er unter heftigem Herzklopfen neben Alonzo. Der Franzose lächelte auf eigne höhnisch verbindliche Weise, redete ein paar Worte mit seinen Cameraden und folgte Alonzo dann mit teatralischer Vornehmheit.
Sie gingen rasch und schweigend durch Strassen und über Plätze, jetzt standen sie an einer Gartenmauer. Alles war still, der Raum bequem. Die Entfernung ward ausgeschritten, man stellte sich. Alonzo blickte noch einmal umher, er sah über die ausgebogene Mauer zwischen dunkeln Buchenwänden auf einen frischen Rasenplatz, hohe Rosen und Lilien weheten duftend herüber, ganz von fern schimmerte ein weisses Gewand, wie ein Lichtwölkchen durch die Schatten. arme Taube! dachte Alonzo, so nahe bei dir rauscht vielleicht der Todesengel. Er hob das schöne Auge ernst gegen Himmel, silberne Mondlichter spielten auf seinem Gesicht, die dunklen Locken wogten in der Nachtluft, das Schwerdt blitzte in seiner Rechten. Mit Gott, rief er, die freie Hand aufs ungestüme Herz drückend, schnell trafen dann die scharfen Waffen aneinander, es ging eine Weile Stich um Stich, drauf taumelte der Franzose, der Säbel fiel ihm aus der Hand, das Blut sprang dicht unter dem Herzen hervor, todtenbleich sank er in seines Kameraden arme. Alonzo schöpfte Atem, da rauschte das weisse Gewand immer näher und näher heran, das Gartenpförtchen sprang auf, Türgis, mein Türgis, rief eine Engelsstimme! Bediente stürzten herbei, man umringte, man bestürmte den Verwundeten und trug ihn endlich unter lautem Jammergeschrei in den Garten. Die Tür schlug hinter ihm zu, alles ward still, Alonzo stand auf Philipp gestützt, einsam in der kühlen Nacht. Er seufzte tief, drückte Philipp die Hand und ging von dem stillen, innigen Jüngling begleitet, im wunderbarsten Taumel der Sinne nach haus.
Achtes Kapitel
Philipp war des andern Tages schon geraume Zeit bei Alonzo, ohne dass beide noch eigentlich mit einander geredet hätten, es wusste eben keiner recht anzufangen, indess blick und Minen tausend fragen an des Andern Seele taten.
Sie haben wohl nichts gehört, hub endlich Alonzo an, das Auge unsicher auf Philipp gerichtet. Doch, entgegnete dieser, ich weiss wenigstens, dass Ihr Gegner lebt, dass er der Sohn einer Frau von Saint Alban und eines Herzogs Neffe ist, in Spanien für den Unterdrücker focht, und dass just nicht viel an ihm verloren wäre, falls der Himmel dennoch über ihn beschlossen hätte. Er hatte dies Letztere schon mit halbem Lächeln gesagt und der lustige Glanz der Augen zeigte, dass er auf dem schönsten Wege war, seiner neckenden Laune Bahn zu machen.
Gestehe ich es Ihnen nur, fiel Alonzo niedersitzend ein, mir ist es lieb, dass er lebt. So lange ich gegen das namenlose Wesen focht, schlugen Hass und Rache flammend über mir zusammen, ich sah, ich hörte nichts als die verhassten Töne, die meine Brust unter tausend Qualen unaufhörlich zerrissen. Ich dankte dem Himmel für diesen Augenblick, der ätzende Aerger war mir Labsal und da mir nun die warmen Blutquellen hell entgegensprudelten, atmete ich leicht, Gott, dachte ich, hat gerichtet. Als aber jene Klagestimme mir einen Namen nannte, da war es mit dem Zorne plötzlich aus, ich fühlte ein menschliches, von warmen Herzen geliebtes Wesen nahe. Der wunde Jüngling kam mir mit einem male ganz anders vor, er lag so bleich, so rührend da, aller Uebermut war von der Stirn weggehaucht, sie schien mir ganz klar und rein. Der Schmerz zuckte wehmütig an seiner Lippe, es ging mir durch alle Nerven, ich hätte ihn küssen, ihn Bruder nennen mögen. Philipp, darf auch der Mensch so über den tief bewartesten, heiligsten Gefühlen schalten lassen, darf er dem Mitleid diese Gewalt einräumen?
Philipp war auf- und abgegangen. Die Schultern etwas gehoben, mit der Hand auf Allgemein hinweisend, sagt er: Gott trägt auch Mitleid mit dem Sünder, wir sollen uns freuen, wenn wir einmal eine freie göttliche Regung in uns spüren. Was ängstigen wir uns überhaupt über etwas, was einmal nicht anders sein kann.
Sie erkannten sie gleich? fragte Alonzo ohne aufzusehen. Jener wandte sich rasch, sah ihm scharf ins Auge und halb ernst halb lächelnd, sagte er unter leichtem Erröten, glauben Sie, dass das anders möglich sei? Alonzo schwieg. Philipp blieb vor ihm stehen. Mir war, sagte er, als habe sich eine von den hohen Lilien herübergeneigt und lege sich nun an des