man wirklich, eine feenartige Erscheinung zu sehen.
Der Kahn war jetzt angekommen, der sie zurückführen sollte. Es war an keinen Aufschub mehr zu denken. Man stieg ein. Adalbert nahm das Ruder, um nur ausser sich Beschäftigung zu finden. Eine Zeitlang glitt man schweigend über den Wellen hin, es war, als sänftige das wasser die unruhige Fröhlichkeit. Alexis, der alles n a c h alles m i t machen musste, hatte sich indess auch eines Ruders bemächtigt, man achtete Anfangs nicht viel darauf, weil er sich auch hierbei gewandt zeigte. Doch das wilde Spiel des ganzen Tages hatte sein Blut unnatürlich angeregt, der Kopf war ihm schwer, die arme schwächer als sonst, er lehnte sich zu weit hinaus, und schoss vorn herüber ins wasser. Ein lauter Schrei aller Anwesenden durchdrang noch die Luft, als Adalbert schon seinen Rock abgeworfen hatte, und frisch in die Wellen untertauchte. Mit Gewalt musste man Marien zurückhalten. sich ihm nicht nachzustürzen, Antonie aber lag kniend im Boden, beide arme über den Bord des Kahnes ausgebreitet kein laut drang aus ihrer Brust, sie schien nichts von sich zu wissen. Jetzt arbeitete sich Adelbert wieder herauf, den Knaben lebendig über sich haltend. Ein Augenblick, und er war im Kahn, der Knabe in den Händen der Frauen, die den kleinen Unbedacht mit ihren Shawls und Tüchern rieben und ihn hineinwickelten, um alle böse Folgen zu vermeiden. Antonie begriff indess von allem nichts, als Adalberts jähen Sprung. Sie lag noch unbeweglich da, als der Kahn ans Land stiess. Da sie sich am vordern rand des Schiffes befand, so reichte ihr Adalbert zuerst die Hand, um sie hinaus zu führen; sie sah ihn mit dem süssesten Lächeln an, bist Du wirklich gerettet? fragte sie. Seine Hand zitterte schon in der ihren, als er bewusstlos stammelte, nein Antonie, nein, ich bin von nun an rettungslos! Der Mond hatte sich hinter einer dichten Wolke versteckt, es war ganz dunkel um sie, als sie das kleine Brettchen betraten, das nach dem Ufer führte, Antonie glitt aus, Adalbert fasste sie stärker in seine arme. O Gott, Adalbert! flüsterte Antonie, überwältigt von seiner Nähe. Du liebst mich noch, rief er wild, es ist nicht vorbei, ich fühle es an dem süssen Beben Deines himmlischen Leibes, sage m i r es Antonie, sage es dem Himmel, dass Du mich liebst. Sie standen jetzt auf der Rhede; ja, erwiderte sie gefasst, ja ich sage D i r es und dem H i m m e l , dass ich Dich liebe! Der Mond warf in diesem Augenblick einen leichten Strahl auf ihre Stirn. Göttlich Wesen! rief Adalbert wie verzückt, ich gehöre Dir von jetzt bis in alle Ewigkeit!
Vierzehntes Kapitel
Alexis war trotz aller Vorkehrungen am folgenden Tage dennoch bedeutend krank. Schon in der Nacht hatte er starkes Fieber, sprach und wimmerte ängstlich, und schreckte zusammen, als tue er aufs neue den ersetzlichen Fall. Der Köhler war abwesend, er hatte weiter nördlich hin eine Geschäftsreise unternommen, und den Knaben Mariens Pflege überlassen. Diese war nun aufs äusserste beunruhigt. Sie wich nicht von seiner Seite, und da er in der Fieberhitze nicht im Bette aushalten mochte, so lag er entweder auf ihrem Schoos, oder doch, den Kopf an ihre Brust gelehnt, auf einem Bänkchen, das sie mit Decken belegte und bald hier hin und dort hin trug, wie es die Unruhe des armen Kindes foderte. Alles Spielzeug hiess sie herbeischleppen, jede Zerstreuung musste ihm augenblicklich werden. Er hatte nach Kinder Weise in Kisten und Kasten mancherlei hineingekramt, wonach man oft lange vergebens suchen musste. Jetzt verlangte er nach einem Beutelchen, worin, wie er sagte, schöne Dinge seien. Man fand es endlich im Garten auf dem schattigen Blumensitz. Alexis öffnete die Schnur, und schüttete unter mehrern bunten Steinchen, einigen Silberpfennigen und glänzenden Muscheln, die beiden zerbrochenen Ringe in Martens Schoos. Sie fuhr unwillkührlich zusammen, diese hier zu finden, da sie sie lange vergebens gesucht hatte. Das Kind, durch ihre Bewegung erschreckt, glaubte, sie wolle ihm die Kleinodien nehmen, und rief weinerlich, ich habe sie ja von der Erde aufgenommen, und wollte sie wieder mit Wachs zusammenkleben, wie der Onkel in Chambery, aber es ging ja nicht. Nein, nein guter Junge, erwiderte Marie, ihn auf die brennende Stirn küssend, es ging auch nicht, sei nur ruhig, und spiele fort. Höre mal, hub er nach einer Weile an, die Ringe hat die Antonie entzwei gemacht, es war recht unartig von ihr! Sie hat es nicht gern getan, entgegnete Marie. Ja, rief er heftig, ja, sie hat es mit Willen getan, ich weiss es. Alexis! drohete Marie sanft, so etwas musst Du nicht sagen! Es ist aber doch wahrhaftig wahr, schluchzte er, durch Krankheit und Widerspruch gereitzt, sie hat mir es ja selbst gesagt. Dir? fragte Marie, Kind, wann denn? I! damals, entgegnete er, wie sie so hässlich war! damals, – Nachts, – sein Auge flammte hell auf, er sprach entsetzlich schnell, sie setzte sich bei mir aufs Bett, und da schnarrte es so in ihrer Brust wie die grosse Hausuhr, und da träumte mir, – und, da sagte sie – ich weiss nicht