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unter sein Herz, und flüsterte, mit den Lippen fast seine Schläfe berührend: "Lass mein Bild in Dich eingehn, halte es fest, wie es der Traum Dir zeigt, werde mein für alle Ewigkeit."

Sie wiederholte die Worte mehreremale, wie lebhaft sich auch Adalbert regte, und gegen den Traum anzukämpfen schien, endlich seufzte er tief, öffnete seine arme, und breitete sie ihr entgegen. Antonie hauchte einen flüchtigen Kuss über seine Lippen, und zog sich hinter die Blumen zurück.

Es war bereits dunkelnder Abend geworden, als die Fehlenden, einer nach dem andern, zur übrigen Gesellschaft stiessen. Marie flog Adalbert entgegen, er begrüsste sie zerstreut, seine Blicke flogen überall unruhig umher, endlich fanden sie Antonien, diese sass im Hintergrunde unter dem Vorgebäu der Haustür, um welche die Uebrigen einen Kreis geschlossen hatten. Ihr schneeweisses Kleid, das in einen hohen, weit abstehenden Kragen, dicht unter dem Kinn, zusammenlief, das Blendende ihrer fast blutlosen Haut, und die grossen, dunkelglühenden Augen, gaben ihr in der abendlichen Dämmerung etwas überaus Wunderbares und Schauerliches. Adalbert bebte, als er sie sah, doch konnte er seine Augen nicht von ihr wenden. Sie schien gelassen, nur einmal fiel ihr blick mit unbeschreiblicher Gewalt auf ihn nieder. Er senkte, wie davon getroffen, den Kopf auf Mariens Schulter, hinter deren Stuhl er stand, diese bog das Gesichtchen nach ihm zurück, so dass ihr Mund seine Wange streifte. Zum erstenmal befiel ihn tödtliche Angst bei ihren Liebkosungen, er machte sich schnell los, und eilte in das Gärtchen der Meierwohnung.

Hier traf er den Herzog, welcher mit grosser Aufmerksamkeit den Fleiss und die Anordnungen des tätigen Besitzers beachtete. Alles war hier wohl übersehen, benutzt und bekommen. Innerer Wohlstand, Stille und behagliches Gnügen, schienen durch die einfache Anlage hindurch zu sehen. Der Herzog redete gebrochenes deutsch mit den Arbeitern, er schien über manches Auskunft zu wünschen. Als er Adalbert ansichtig ward, ging er ihm heiter entgegen; und indem er ihn auf die friedliche Betriebsamkeit der Leute aufmerksam machte, sagte er: mein Sohn, man ist nicht unglücklich, wenn man s o ein stürmisches Leben beschliesst. Adalbert sah ihn betroffen an, als er fortfuhr: für uns ist wenig anders zu erwarten. Die törigen Träume, welche wir lange nährten, schrumpfen zu nichts zusammen. Unser Vaterland ist ein anderes geworden, seit die Republik sich konstituirte. Die Ruhe kehrt allmählich darin zurück, aber weder mein Einfluss, noch die alte Stellung zur Welt, kehren wieder; damit ist es vorbei, wie mit dem Glanz unsers Hauses, ich lerne das begreifen, deshalb freue ich mich jetzt Deiner einfachen Aussohnung mit dem Schicksal, Deiner frühen Resignation! Du hast ein häuslich, bescheiden Weib zur Gefährtin gewählt, ich hatte Anfangs andere Pläne, ich dachte AntonieAntonie, rief Adalbert entsetzt, Antonie mein Vater! Lass Dich das nicht befremden, entgegnete der Herzog, sie ist ein wunderbares Wesen von königlichem Stolz und hoher Entschlossenheit, sie hat mir oft seltsame Gedanken gegeben, ich konnte nie in ihre Augen sehen, ohne so etwas von Welterrschaft zu träumen. Lass das jetzt! es ist so besser, ich sehe das ein. Zwar glaube ich, hat sie Dich geliebt, heftig, gewaltsam, wie ihre ganze natur es fodert, aber auch das ist wohl vorbei! Und Du hast glücklicher für Dich, für uns Alle, gewählt. Die stille heitere Marie passt sich wohl für ein beschränktes Dasein, das unser aller los geworden ist. Mich drückt dies auch nicht mehr. Das Leben reibt nach grade alle Stacheln der Ehrsucht stumpf. Wie ich hier so mitten in der kleinen Schöpfung stand, und die Familie ihre Gerätschaften nach getaner Arbeit bei Seite legte, die hände freudig schwenkend zusammenschlug und nun Feierabend machte, mir ward mit ihnen wohl, unzähligemal habe ich Deine Marie so spielend arbeiten sehen, ich musste mit Liebe an sie denken, und ich kann sagen, ich freuete mich Deiner Wahl zum erstenmal recht von Herzen.

Er umarmte hier Adalbert und führte ihn zu der Gesellschaft zurück. Die war besonders laut und aufgewekt. Das Abendessen war bereit. Man sass um einen runden Tisch. Antonie hatte noch ihren vorigen Platz, der Kreis war dadurch nicht geschlossen, dass man neben ihr einen Raum liess für die Ab- und zu- Gehenden aus dem haus. Adalbert stand, ohne es zu wollen, neben ihr, doch redeten sie einander nicht an, beide assen nichts, sondern tranken nur ein wenig Milch. Sein Blut kochte, die Hand zitterte ihm, mit der er an Antonien vorbei, nach dem Glase fasste, unversehens vergriff er sich, er nahm Antoniens Glas, das er mit wilder Hast herunterstürzte.

Indess hatte die fröhliche Laune allgemein um sich gegriffen, auch der Herzog war munterer als je, und stimmte schöne Kriegslieder an. Adalbert musste auch singen, er stockte erst, dann aber ward er ganz zu Flammen und Glut, die eigene stimme schien ihm den Taumel seines Hochzeitsabends zurückzurufen, er kannte sich kaum noch! Auch Giannina und Alexis waren durch die anregende Abendluft, den Gesang, den würzigen Duft der Wiesenkräuter, wie betäubt. Das ausgelassene Mädchen tanzte mit ungewöhnlicher Heftigkeit, und fast gänzlichem Zerfliessen der üppigsten Geberden, die Tänze ihres Landes; die saiten schrillten wunderbar dazwischen, und wenn sie auf dem Anger, in dem heraufgezogenen Mondlicht so leicht hinschwebte, glaubte