, sie beschwor sie, in ihre Dienste treten zu dürfen, und beide schlossen ihren kleinen Kontrakt heimlich mit einander ab. Alexis sass auf der Türschwelle, sang einige von Giannina aufgefangene Strophen, hielt ihre Mandoline zwischen den gekreuzten Beinen geklemmt, und stimmte und klimperte daran, bis endlich eine Saite unangenehm schrillend zerriss! Ha! schrie Antonie, was war das! sie war todtenbleich und zitterte heftig. Mein Gott! sagte die Baronin ungeduldig, was soll es sein! eine gesprungene Saite ist es, nichts mehr und nichts weniger! Mein armes Mädchen, setzte sie begütigend hinzu, wie magst Du denn gleich so erschrecken! Antonie fasste sich, die Baronin setzte sich zu ihr, und alle redeten nun freundlich über die Gewalt eines plötzlich hineinfallenden Tones, der selten der festeste Nervenbau ganz widerstehe. Auch ich, sagte die Baronin, erschrak, und mein kleiner Unwille galt meiner wie Deiner Schwäche. Und bei Lichte gesehen, fuhr sie fort, ist auch daran nicht so Grosses zu tadeln. Wir wollen nun einmal von allem den Grund kennen; überrascht uns die wirkung ehe wir die ursache ahnden, so schneidet das in unsern Ordnungssinn, und wir schreien, wie bei anderm Schmerz! Darum ist uns Gott so oft ein fürchterlicher Gott! Verständen wir ihn immer, er wäre in jedem Augenblick die Liebe!
Sie schwieg hier, eine neue Ideeenreihe war in ihr angeknüpft. Giannina aber schalt den Knaben, der, schon über Antoniens Ausrufung erschrocken, bitter weinte. Die Kleine versuchte, nicht ohne Unwillen, das zerstörte Instrument wieder in Ordnung zu bringen, als es an der Tür klopfte, und der Köhler mit einem langen, sehr bleichen, Mann in das Zimmer trat.
Es dunkelte bereits, und nur die Flamme im Kamin warf ein ungewisses Licht umher. Die Baronin trat einige Schritte vor, sah zweifelnd auf den Fremden, schlang dann heftig beide arme um ihn, und rief ganz ausser sich: mein Bruder! O Gott mein Bruder! Dieser zog sie ungestüm an sich, und sie im arme haltend, warf er den Adlersblick auf die andern Gestalten umher, und maass sie langsam erforschend. Nun Marquis! rief er, wir haben unsere Heldenbahn würdig geschlossen, wir können aufs neue Brüderschaft machen, denn beim Himmel! ein Meisterstück ist des andern wert! Wir geben der Welt ein Beispiel, was menschliche Klugheit ist! Wollen Sie sich gütigst erklären, unterbrach ihn der Marquis mit kaum noch gehaltener Heftigkeit. O ich bitte Sie, sagte der Herzog, nehmen Sie es ja nicht ernstaft. Mit dem Ernst ist es vorbei, der lag in der Exposition der Tragödie, nun alles drunter und drüber geht, wirds komisch. Ich muss Sie bitten, deutlicher zu sein, wiederholte der Marquis. Ja, dann müssen Sie erlauben, dass ich mich setze, entgegnete jener, sich in einen Stuhl niederlassend, denn sehen Sie, ich habe meine gesunden Glieder dabei in den Kauf gegeben, wie Sie früher den gesunden Verstand! Herzog! rief der Marquis, das fodert Blut. Bewahre Gott, sagte dieser gelassen, die Mühe, uns die Hälse zu brechen, können wir Andern überlassen, dazu hat man jetzt leichte Mittel, und ich weiss die Leute die Wege dahin zu führen. Ich brauche keine fremde hülfe, schrie der Marquis, heftig auf ihn eindringend! Zum Teufel, sagte jener, ich kann mich jetzt nicht schlagen, und hielt ihm den linken Arm abwehrend entgegen. Alle sahen jetzt erst, dass er den rechten im Bande trug, und einer Ohnmacht nahe war. Die Baronin, aufs höchste erschrocken, tat dennoch keine unnütze Frage, sagte nichts, die Gemüter zu beruhigen, überzeugt, dass sich alles von selbst machen müsse, und war nur bemühet, dem Bruder hülfe zu leisten, als dieser erschöpft sagte: Beruhige Dich, Villeroi, ich will keinen Krieg mit Dir, Du hast im Tumult Deiner Sinne die Ehre rein erhalten, Du bist der Alte! braver Camerad vergieb mir, mein düsterer Unmut wollte sich Luft machen, gieb mir die Hand! wir sind nun Unglücksgefährten, wie wir sonst Kriegsgefährten waren. Du hast das Liebste, was Du auf Erden hattest, im Wahnsinn geopfert, ich habe eine unglückliche Freundin zum Schaffot geführt. Die äbtissin – rief Antonie, – ja, sagte der Herzog, das Auge langsam auf sie hinrichtend, ich wollte geschickt und geheim ihre Freiheit sichern, ein unglücklicher Fehltritt des Pferdes stürzt dieses nieder, ich liege halbtodt am Boden, das Pferd rafft sich auf, fliegt im Gallopp mit dem leichten Karren über mich weg, lenkt in die grosse Strasse, und führt das unglückliche Schlachtopfer den Blutunden in die hände. Pöbelhaftes Volk, das mit seiner Schande die Erde besudelt, fängt den Karren auf, die äbtissin wird misshandelt, nach dem nächsten Gerichtshofe geschleppt, und, ihrer Aehnlichkeit mit der Königsfamilie wegen, zum tod verdammt. Ich erwache aus meiner Betäubung, unfähig mich zu rühren, Arm und Bein zerbrochen, zertreten, gequetscht, so liege ich, bis mich ein junges Weib, die des Weges geht, auf ihre Schultern ladet, und nach einer nahen Hütte schleppt. Unbeschreiblich ist's was die gute Seele an mir getan hat, ihr Mann war ein Hirt, er heilte meine beschädigten Glieder. Kaum war ich im stand, zu gehen, so nahm ich meinen Wanderstab, ich zog Erkundigungen ein, erfuhr, wie mein unseliges Geschick die