, die ihr Mütchen am Abknallen eines Gewehrs und dem Tragen der Freiheitsmütze kühlt, verwirrte ihn nicht. Abwärts von ehrlichem Streit, sagte er sich, treiben sie ihr loses Wesen, sie sind der schmutzige Schaum, den der gährende Gedanke auswirft. Man muss sie mit dem Teufel kirren, der in sie gefahren ist. Und somit tat er einige rasche Schritte, und stand in Mitten des eklen Knäuels mit Lumpen ausstaffirter Neuerer. – Bürger, rief er, den finstern blick in sich zurückgezogen, ich bin in dieser Nacht unter Euch getreten, wie? das lasst Euch gleich sein. Ihr seid freie Bürger auf Erden, aber über und unter dieser waltet das Gestirn. Forscht nicht, lasst Euch an dem gnügen, was Ihr seht. Ich bringe Euch Gold, ich weiss, die Freiheit will durch Gold und Eisen gewonnen sein, das Letztere wusstet Ihr mit furchtbarer Hand zu fassen. Das Erstere müssen Euch des Schicksals Mächte zuführen. Ich bin ihr geweiheter Diener! Nehmt, was ich Euch bringe! Er streuete bei diesen Worten einige hände voll Gold, welches er für den Notfall zu sich gesteckt hatte, unter sie. Aber, fuhr er fort, lasst Euch nicht einfallen, törige Gedanken auf mich und die Meinen zu richten, ich gehöre Euch nicht, nicht der Welt, nicht mir an. Die unerforschlich Tiefen, setzte er mit steigender, sich und alles was ihn umgab, vergessender stimme, hinzu, sie allein wissen von mir, sie gebieten über mich, sie reissen mich fort in die Wirbel des neugebährenden Lebens, und so schöpf' ich, und schöpfe mit wuchernder Hand, das Gold aus den heiligen Behältern der Unvergänglichen! Seine stimme zitterte zuletzt wie ein Donner durch das Zimmer! und, das Maass seines Wollens überspringend, hatte er sich selbst in die Täuschung hineingesponnen, die er Andern bereitete. Als ihn der rohe Zuruf der Menge zu sich selbst brachte, schlug er sich mit beiden Händen vor die Stirn und sank dem Köhler halb ohnmächtig in die arme. Dieser ward ganz irre an ihm, ungewiss, was dem Selbstbetruge oder ersonnener List angehöre? Die Kerle aber rafften ihr Geld zusammen, und, es sich einander zuzählend, liessen sie sich das Uebrige nicht sonderlich anfechtend.
Jetzt trat auch der vermeintliche Hauswirt mit einem Napf dampfenden Weines herein. Das Gold in den Händen seiner Kameraden und mehrere durcheinander hingestossene Worte sagten ihm genug. Er sann nicht lange nach, riss schnell den Stöpsel aus einer leeren Flasche, klemmte ihn zwischen den Henkel eines Glases, zog drauf eine Gabel aus seiner Mütze, steckte diese in den Kork, und schöpfte so den Wein in die Gläser. Eines dann in die Höhe hebend, rief er! Heil und Brüdergruss den geheimen Münzern! Nimm mich zu Deinem Gesellen Alter, und trink' mir gute Kameradschaft zu. Der Marquis stiess das Glas zurück. Du tätest gut daran, sagte jener, denn ich gehe Dir nicht von der Falte, Du liessest uns denn die Weiber hier! Ja, lass uns die Weiber hier, brüllten Alle, und halb liegend, den Kopf auf die aufgestemmten arme gestützt, gossen sie sich das glühende Getränk in die aufgerissenen Mäuler. Lass uns die Weiber hier! scholl es noch einmal, fast gebietend. Da kannte sich der Marquis nicht länger. Auch nicht die Spitze eines Haares soll Euch bleiben, schrie er! Und während Antonie die Hand des Uebermütigen wegschleuderte, der ihr zur Besiegelung seines Höllenbundes Wein einzwingen wollte, rief der Marquis, auf diesen ein Pistol abdrückend: ihren Durst löscht nur Blut! fasste sie dann mit Blitzesschnelle in die arme, schlang den Andern um Marien, und ehe sich das Gesindel aufraffen und nach den Gewehren greifen konnte, stürtzte er mit beiden und dem Köhler zur Tür und dem haus hinaus, dem Wagen zu, fasste selbst die Zügel der Pferde, und trieb diese, mehr fliegend als gehend, den Weg entlängs, der fürchterlichen Rotte aus den Augen.
Die Sonne stand hell und ruhig über ihnen, als sie, zu sich selbst kommend, in einem frischen blühenden Wiesental gleichsam zuerst Atem schöpften, und die erschütterten Gedanken in ein klares Gefühl zusammenfassten. Hier war alles friedlich. Einige schön gefleckte Rinder weideten ruhig zwischen den Gräsern, neben ihnen schlenderte ein Knabe, sein Liedchen auf Binsenröhren pfeifend. Als dieser die Reisenden sah, pflückte er eine Hand voll Blumen, und warf sie ihnen zum Morgengruss in den Wagen, eine zierliche Art, die Blicke des Vorübereilenden auf sich zu ziehen, ihn erinnernd, das Unscheinbare nicht zu übersehn, woran sich der Marquis oft schon in ähnlichen Fällen erfreuete, weshalb er auch jetzt mit rechter Lust ein Geldstück in das hingehaltene Strohhütchen des Kindes warf. Marie hatte Gefahr und Todesangst vergessen. Sie lehnte sich weit zum Schlage hinaus, und freuete sich an der sonnigen Beleuchtung des Tales, dem frischen Klee, und den vielen roten und gelben Blumen, die in grossen büsche umherstanden. Auch dem Marquis war leicht und wohl. Er hatte sich in der Gefahr zusammengefasst, und hielt sich nun eine Zeitlang so gesammelt, den nächsten Kämpfen tüchtig zu begegnen. Es ist nötig geworden, sagte er, dass wir an die Zukunft deutlich und mit bestimmtem Entschluss denken. So ins Blaue hinein dem Zufall länger vertrauen, ist tollkühnes Spiel. Auch werden die Blutunde wohl bald genug Ernst mit uns machen. Was sie jetzt versäumten, werden sie nächstens nachholen. Deshalb ist