1812_Fischer_017_7.txt

in Lebensgrösse zu entwerfen.

So wuchere ich dennoch mit meinem Schmerze, ohne es zu wissen und zu wollen. Wer ist mein Feind und verrät mein Innerstes? Ach ich bin es selbst! Sie wissen es, dass ich durch sie leide, und wollen mich rächen. So muss ich sie wieder sehen, wo ich am meisten sie fürchte; denn ich dulde es nicht, dass man sie kränkt. Ist es Geschwätz, oder Wahrheit, was sie von meinem Werte faseln? Wohlan! in ihr mögen sie mich ehren. Sie bedurfte meines Schutzes nicht, und meine Härte gegen den Fürsten, die mich schmerzt, war überflüssig. Ich hatte gedroht, ihn zu verlassen, wofern nicht die ernstaftesten Vorkehrungen gegen Alles, was sie beleidigen könnte, getroffen würden. Ich konnte nicht anders.

Sie schwebte herein, und Alles verstummte. Göttlich reizender ist sie wohl niemals gewesen. Ihre bittersten Feinde wurden an diesem Abende gewonnen. Der Fürst kam in die kleine Loge, die er sonst immer für sich allein behielt, und mir nun eingegeben hat. Als sie verschwand, fasste er plötzlich meine Hand, und zog mich fort. Sein Wagen fuhr leer davon, und wir durchschweiften die Gassen.

Wie wäre es, – sagt' er mich aufhaltendwenn ich versuchte, ob sie würdig ist, zu dir erhoben zu werden? Wie wäre es, wenn ich mich melden liesse? –

Sie würden nicht angenommen werdenantwortete ich mit Empfindlichkeit.

Warum nicht?

Weil sie Niemand so spät noch sieht.

Auch den Fürsten nicht?

Ich glaube nicht.

Wollen es versuchen! – sagte er forteilend, und ohne weiter auf mich zu achten. Nur da wir vor dem haus standen, drückte er mir die Hand, und hiess mich einen Augenblick warten.

So gewiss ich auch war, sie werde ihn abweisen, so wenig möchte ich diesen Augenblick noch einmal leben. Doch war er kurz, denn der Fürst kehrte schnell wieder zurück.

Du hattest Recht! – rief erund ich bekenne, dass es mich wundert, dass du Recht hattest. Wahrlich! das Mädchen ist eine Ausnahme und der Mühe wert, es kennen zu lernen. Die Zofen empfingen mich recht artig und ergeben; aber von dem Willen ihrer Gebieterin abzuweichen, schien ihnen unmöglich. Das deutet auf vollkommene herrschaft auch über diese Leute, die doch sonst leicht zu bestechen sind, und wer die herrschaft vollkommen ausübt, der ist der herrschaft würdig und stets ein erhabenes Gemüt.

Ich zog seine Hand schnell an mein Herz, denn das waren mir Worte des Lebens. Er drückte mich fest gegen das seinige, nahm mich mit in den Pallast und befahl das Nachtessen in seinem Kabinete aufzutragen. So blieben wir zusammen bis weit in die Nacht, und ich vertraute ihm das ganze, tiefe Klagelied meiner Liebe. Nimm mich einmal mitsagte er, als wir uns trenntenIch könnte sie zu mir kommen lassen; aber das ist doch immer unartig von unser einem, und mich nun noch feierlich melden, würde auch ein dummes aufsehen machen. An dem Fürsten ist ihr, wie es scheint, nicht viel gelegen, lass sehen, wie sie deinen Freund aufnimmt.

Wir gingen. Ich hatte sie in zwei Tagen nicht allein gesehen, und es war mir lieb, dass er mitging, denn ich fürchtete mein Herz.

Wie unaussprechlich schön war sie! Zum erstenmale sah ich den Fürsten verlegen um die Worte, und seinen freien, herrlichen Anstand in Schüchternheit verwandelt.

Er fasste sich endlich, sprach von dem letzten Abende, und vertiefte sich in das Lob ihrer Kunst, was eigentlich ihrer Schönheit gehörte. O ich fühle es wohlsagte erwelch ein Opfer mein Freund von Ihnen fordert, aber was ist der Liebe zu schwer und zu gross? –

Nichts! – antwortete sieEs kommt nur darauf an, ob das Opfer ihm frommt.

Auch danach frägt die Liebe nicht.

Das sollte sie doch. Eine Blume, die auf mütterlichem Boden erhalten, uns lange ergötzt, verwelkt schnell in unsern Händen und wird bald weggeworfen. Könnte sie lieben, durch Worte, oder Blicke uns warnen, sie würde uns bewegen, um unserer selbst willen sie nicht zu pflücken.

Recht gut, dass sie das nicht kann! denn sonst würde sie nie das Eigentum eines Einzigen, würde nie von ihm als Eigentum geliebt, genossen und bedauert werden.

Das mögte für den Einzigen schlimmer, als für sie selbst sein.

Das ist die Frage! – rief der Fürst aufspringend und mit grossen Schritten das Zimmer messenddas ist die Frage. Undsetzte er nach einer Weile hinzugibt es kein Alter? Verzeihen Sie! es ist vielleicht grausam, Sie in der höchsten Blüte daran zu erinnernaber gibt es kein Alter? und ist es nicht furchtbarer für die Weiber als für uns?

O ja! für die Freien, so wie für die, welche Einer sich als Eigentum unterworfen hat. Nur mit dem Unterschiede, dass die Letzten, früh oder spät, den Misshandlungen ausgesetzt sind, vor denen sich die ersten schützen können.

Welchen Misshandlungen? Wer wird ein liebendes Weib misshandeln, das uns Jugend und Schönheit geopfert, vor mehreren Verirrungen still gewarnt, und die unvermeidlichen grossmütig verziehen hat? Wer wird, wer kann das misshandeln?

Der, der den reizbarsten Sinn für Jugend und Schönheit hat, und der eben deswegen, wenn beide