– sagte sie – siehst du nun, dass du irrst?
Ich sehe – antwortete ich – dass dich nichts drückt, nicht einmal der Kummer, mir welchen zu bereiten.
Und wenn dein Kummer ohne Grund wäre?
So wär' er dennoch Kummer. Aber deinen Worten fehlt der Sinn. Kein Kummer ist ohne Grund, denn er gründet sich immerdar auf die Vorstellungsart desjenigen, der ihn empfindet.
Was müsst ich nun tun, dich zu beruhigen?
Was du tun müsstest? – rief ich mit glühenden Wangen – du müsstest mich lieben und dich selbst!
Es gibt der Arten zu lieben so mancherlei. Soll ich dir sagen, welche du von mir forderst? – Wohlan ich will es versuchen! und du wirst hoffentlich gestehen, dass ich dich sehr wohl begreife. Aufgeben soll ich mein wahres, lebendiges Leben, um ein Scheinleben, einen verkappten Tod mit dir zu versuchen. Unterbrich mich nicht! Gestern gebotest du mir Schweigen. Darf ich dich bitten, dir heute dasselbe zu gebieten.
angenommen, du wolltest läugnen, was ich jetzt sagte, wie würdest du es anfangen, das Gegenteil zu beweisen? – Wer von euch, die ihr uns da von unten herauf bekrittelt, lebt wirklich? Ihr? Dichter und Künstler? – O ja! wenn eine nie befriedigte sehnsucht nach einem unerreichbaren Ideale Leben heisst. Ist nun aber sehnsucht Schmerz, wiewohl gemilderter Schmerz, also das Gegenteil von Wohlsein, welches allein den Namen Leben verdient; wer kann behaupten: dass ihr lebt? Müsst ihr nun aber dem wahren Leben entsagen; wem von den Andern wollt ihr es zusprechen? – Euern Fürsten, Staatsbeamten, Rechtsbeflissenen, Kaufleuten, Handwerkern? wohl schwerlich.
Nur Genuss ist dir Leben!
Und dir? was ist es dir? Nichts, oder das Streben nach einem künftigen (Gegenwärtiges verachtest du) in allen Perioden deines Daseins immer künftigen Genusse. Aber du wolltest mich nicht unterbrechen, und so erlaube, dass ich die Zeit benutze, und dir schnell das Gemälde unseres künftigen Lebens, wofern deine Vorstellungen mich bestimmten, vorhalte.
angenommen demnach, ich stiege hinauf, oder hinunter zu den Frauen, welche du mir ohne Zweifel als Muster vorhalten wirst, und die es euch allen, Weisen und Unweisen, nur in so fern sind, als sie zu den Männern, denen sie das Schicksal unterworfen hat, passen. Wie müsst' ich nun sein, um zu dir zu passen, deine Forderungen zu befriedigen? –
Dass ewige Schönheit und Jugend eine der unerlässlichsten ist, wirst du, wo nicht laut, doch im Herzen sicherlich bekennen. Von euch zugegeben oder geläugnet, bleibt es nicht minder wahr, dass Alter und Hässlichkeit in euern Augen Verbrechen sind, die ihr bestraft, wie und wodurch ihr nur könnt.
Eine sogenannte glückliche Ehe kann demnach nur statt finden, wo die Frau jene euch allen sehr natürlich vorkommende Strafe in Demut erduldet, und mit weiser List, die ihr der grossen Nutzbarkeit wegen auch der heiligen Jungfrau im Notfalle erlaubet, es gar nicht zu bemerken scheint, wenn ihr gestrenger Herr und Meister, des ewigen Strafens müde, sich heimlich oder öffentlich nach einem gegenstand umsieht, wo er fürs erste nicht verpflichtet ist, dieses unangenehme Amt zu verwalten. – Du wolltest mich nicht unterbrechen! – Das Unerlässlichste habe ich genannt. Doch, warum will ich unterscheiden? Das Folgende ist nicht minder notwendig, und eben deswegen gleich unerlässlich.
Was ist es? Nichts weniger als die Unendlichkeit, die du in mir umfassen willst. Wehe mir in dem Augenblicke, wo du die Täuschung gewahrst! Du rächst dich, rächst dich um so sicherer, je weniger du eine nahe Aussicht hast, dich auf ähnliche Weise zu täuschen. Für alle deine zerstörten Hoffnungen werde ich büssen.
Halt' ein! – rief ich aufspringend – halte ein, Grausame! Willst du mich langsam tödten, so ist es auch morgen noch Zeit!
Ich stürzte fort, und meine armen Freunde brachten die Nacht an meinem Lager zu. Ich lag im Fieber ohne Besinnung. Ein göttliches Kind stand ihnen zur Seite. Es reichte mir Trank. Ein Paar grosse Tropfen aus seinen Himmelaugen fielen hinein. Doch lächelte es. Begierig verschlang ich den Trank, und das Feuer, was mein Inneres zu verzehren drohete, wurde gelöscht. Ich fiel in Schlummer und träumte fort von dem kind. Ach ich erwachte! und Niemand wollt' es gesehen haben.1 Zwei Tage irrt' ich herum auf Felsen und Höhen. Meine Kunst lag darnieder; doch zeichnete ich ein Mädchen von untadelichem Wuchse, das einen Korb mit Früchten auf dem kopf trug.2
Oft sah sie sich um, vielleicht nach dem Geliebten – doch nein! ihr gang, ihre Haltung hatten so viel wunderbar Jungfräuliches, Schwebendes – nein, auf der Erde hatte sie noch keinen Geliebten. – Ja, oft sah sie sich um; aber ihr Profil konnte ich dennoch nicht fassen. Ich ersetzt' es aus der Phantasie, ach und da ich zu haus kam, hatte die Gestalt alle Züge der Schrecklichen, die mein Herz zerreisst.
Der Fürst, der mich oft überrascht, fand mich darin vertieft und versunken. Immer Sie und nichts als Sie – rief er drohend und lächelnd. – Ich sprach schnell von etwas Anderem. So kamen wir auf die hohe Grazie der Stellung. Sie gefiel ihm so überaus wohl, dass er in mich drang, ein Gemälde nach der Zeichnung