ich musste hineintreten.
Der Fürst sass an einem grossen Tische mit Papieren, in tiefen Gedanken. Er sah gar nicht nach mir her, und nun konnte' ich vor Zittern die Blumen nicht mehr halten. Ich setzte sie ihm schnell zu Füssen; denn sonst wären sie gefallen. Nun sah er die Blumen und auch mich.
Du zitterst – sagte er – Wovor zitterst du? –
Gnädigster Herr – antwortete ich – Ihr Unwille schmerzt mich tief in der Seele, und ich zittre, ihn durch etwas zu vermehren. Er stand schnell auf, und wandte sich finster zur Seite. Dann sagte er plötzlich: was macht Stephani?
Er malt.
Dein Bild?
O nein! an Rosamundens Bilde.
Was kann er daran malen? – Es ist ja vollendet.
Einen grossen Blumenkranz rund um das Bild.
Und dem siehst du so zu?
O ja! es ist das einzige, was ihn erheitert. Fränzchen und ich haben aus zwei Gärten die schönsten Blumen zusammengetragen, und – was ich Anfangs nicht glaubte – das Bild ist schöner dadurch geworden.
Und dabei erheitert sich dein Auge, und man sieht, dass es dich freuet.
grosser Gott! warum sollt' es mich denn nicht freuen?
O Mädchen! – rief er nun, und schloss meine Hand fest in die seinige – deine Stunde ist noch nicht gekommen! Wer wird der Mann sein, durch welchen du die Liebe begreifst?
Da er jetzt wieder gütig aussah, bekam ich auch wieder Mut, und sagte: da sei Gott vor, gnädiger Herr! dass ich die Liebe jemals durch den Hass begreife. O, glauben Sie es mir! diese ausschliessende Liebe, welche mit dem Hasse so genau verbunden ist, den geliebten Gegenstand so absondern, ja, ohne es zu wissen, verzehren, vernichten will, ist nichts, als eine Ausgeburt der Verderbteit der Menschen. Liebt Gott so? – Liebten göttliche Menschen so? Kann der Mensch durch diese dürftige, eingeschränkte, und eben deswegen sich selbst zerstörende Liebe, das werden, was er werden soll? – So gewiss nicht, gnädigster Herr! als ein Mensch nicht das ganze lebendige Weltall in sich schliesst. Ach diese Liebe ist eine Krankheit, welche tausend und tausend Menschen elend macht, eben weil sie sie für die höchste Gesundheit halten.
Sag', was du willst – antwortete er – das Aehnliche wird sich ewig suchen, verbinden und eben dadurch von dem Uebrigen absondern.
Und durch diese Absonderung – fiel ich schnell ein – so lange in Dürftigkeit schmachten, bis es wieder mit dem Ganzen verbunden wird.
Der ewige Kreislauf der Dinge! dem auch du unterworfen bist. Und darum sag' ich: deine Stunde ist noch nicht gekommen.
Käme sie jemals auf diese Weise, so würde ich elender, als Andere sein; da ich jetzt schon weiss: dass ich elender machen würde.
Vielleicht – sagte er, und sah mich durchdringend dabei an – ist es nur diese Furcht, welche sie verzögert.
Nein! – antwortete ich – aber sagen Sie selbst, gnädiger Herr! wenn ich jemals einen Mann wählte, würden Sie diese Wahl billigen? –
Kaum hatte ich die Worte gesagt, als es mich schmerzlich gereuete; denn sein ganzes Gesicht wurde mit einer düstern Wolke umzogen, und er antwortete mit dumpfer stimme: ich könnte sie billigen, und das Leben fortschleppen, weil ich müsste.
Ach, ich hatte sein edles Herz verwundet! darum rief ich nun schnell: O, mein teuerster Wohltäter! so sagen Sie dann nicht, dass jene Stunde einst kommen werde! Sie wird nicht kommen! Denn – mag es ein Fehler an mir sein – der Leidendste beschäftigt mich immer am meisten, und ich bin vielleicht eben deswegen nicht würdig, dass ein Mann sich mir ganz hingebe. Das werden auch Sie endlich begreifen und empfinden, und ein zärtlicheres Herz mit Ihrem grossen Herzen beglücken.
Du versüssest den Wermut, so gut du kannst. Aber wie, wenn ich dich auf eine probe stellte, der du unterlägest? –
Stellen Sie mich, auf welche Sie wollen! gnädigster Herr! Kenn' ich mich nicht, so ist es gut, dass ich mich kennen lerne.
Wie, wenn Stephani dich vergässe, wie er Rosamunde vergass? – ein Mädchen fände, welches an Schönheit dir gleich käme, seine Liebe endlich erwidert sähe, sich auf immer verbände, glücklich wäre, glücklich ohne dich? –
O! – rief ich, fiel vor ihm nieder, und die Tränen stürzten mir stromweise von den Wangen – Wo ist das Mädchen? führen Sie es her, und ich schmücke es als Braut mit dem Besten, was ich habe!
Stehe auf! – sagte er nun mit ganz verändertem gesicht – ziehe hin! Du gehörst nicht mehr zu uns, und wenn wir es glaubten, so waren wir Toren!
Ach, so konnte' ich ihn nicht verlassen! Ich ging furchtsam zu den Blumen, hob sie von der Erde, und stellte sie vor ihn hin. Gnädigster Herr! – sagt' ich dann leise – mit diesen Worten werden Sie mich nicht entlassen! – Was hab' ich getan, dass ich nicht mehr zu Ihnen gehöre? – Darf ich Ihnen nicht mehr Rechenschaft geben von meinem Leben, und werden Sie keinen teil mehr daran nehmen? – Ach dieser Ort dünkte mich mein väterliches Haus! und ich glaubte wiederkehren zu dürfen, wann ich wollte!