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dass ich es und zwar in deiner eigenen wohnung gesehen habedoch soll es nicht zu viel gesagt sein. Hier sehe' ich sie all!" – rief er begeistert, indem er die Hand auf meine Stirne legte – "die schönen Gebilde! sie sollen mir hervor und ich will der Zauberer sein, der sie ruft!"

Seitdem muss ich täglich zu ihm kommen, und wie ihr seht, wäre es nun wohl Torheit, eine andere Laufbahn zu wählen. Auch der Fürst ist gegen sie. Das schmerzt tief. Wer ist der Blinde? ich oder sie Alle? –

Gestern sass ich zu ihren Füssen, sie streichelte meine Wange, und mein Auge blickte tränenvoll zu ihr auf. Warum weinest du? – fragte sie.

Ach! – sagte ichsie wissen nicht, wer du bist! lästern, verkennen dich ganz. –

Was glaubst du? – fragte sie weiter mit ihrem Zauberlächeln.

O! – rief ichich fühle Schmerz! Könnt' ich dich retten vor ihren Blicken! –

Sie schwieg.

gibt es kein Mittel? – rief ich angstvoll und lauter – O sag'! gibt es kein Mittel? –

Fasse dich! – sprach sieund sag was du meinest.

Was ich meine? – rief ich unwillig aufspringendFühlst du nicht, was ich meine? –

Der verhasste Mensch, der Graf, trat herein, und ich ging. Meine hohe Freude hat sich in Schmerz verwandelt. Ich kann sie nicht mehr auf der Bühne sehen. O wer versteht mich, wem soll ich es klagen?

Schade, dass sie nicht Schauspielerin istrief letzt ein unerträglicher Mensch. Gott sei gelobt, dass sie nicht Schauspielerin ist! – rief ich mit glühenden Wangen. Der dumme hässliche Mensch schien auf eine spitzige Antwort zu sinnen. Aber der Fürst schob mich in sein Kabinet und sagte: fangen Sie mir nur nicht von dergleichen mit meinem Tollkopf an! da hat er seine eigenen Grillen.

Ach er glaubt mich zu schonen! und ein einziger spöttischer blick von ihm ist mehr, als Alles, was sie schwatzen.

Gretchen an ihre Mutter.

Herzliebste Mutter! ich bin recht glücklich und wohl angekommen, und von all dem Unglücke, wovor uns so bange war, ist mir gar nichts begegnet. Der Herr Vetter sagt, das komme daher, weil ich fleissig gebetet und gar keine bösen Gedanken gehabt habe; das könne einem gleich jedermann ansehen, und nehme sich in Acht, einen zu beleidigen.

Nun, herzliebste Mutter! so braucht sie sich denn gar nicht mehr zu fürchten, dass mir ein Leides geschehe.

Was das aber für eine schöne Stadt ist und wie viel prächtige Sachen man da zu sehen bekommt, das kann sie sich gar nicht vorstellen. Die Frauen sind fast alle sehr freundlich und haben fast alle recht gute Augen; die Männer aber haben fast alle sehr hässliche Augen, und gefallen mir nicht. Sie sieht wohl, dass ich ihre Lehre noch nicht vergessen habe: ich solle den Leuten nur gleich nach den Augen sehen.

Einen jungen Herrn habe ich aber gesehen, der kommt mir gerade wie ein Engel vor, und ich weiss gewiss, herzliebste Mutter, dass er ihr eben so vorkommen würde. Er wohnt bei dem Herrn Präsidenten, und malt so schöne Bilder, dass einem die Tränen in die Augen kommen, wenn man sie ansieht, und dass man des Nachts davon träumt.

Der Herr Vetter konnte uns nicht genug davon erzählen, als er die vielen Bilderrahmen hingebracht hatte, und sagte auch, die Frau Präsidentin wolle dem jungen Herrn gar zu gern ein Dutzend recht feine schöne Hemden schenken, und ob's denn gar nicht möglich wäre, dass die Frau Base sie nähen könne; denn die Frau Präsidentin werde wohl vor den vielen Kindern und vor der grossen Haushaltung nicht dazu kommen.

Als nun die Frau Base hinging, die Leinwand abzuholen, bat ich gar zu sehr, ob ich nicht mitgehen dürfe? Die Frau Base sagte aber: das schicke sich nicht. Der Herr Vetter wurde aber fast böse, und sagte: das schicke sich recht wohl; ich sei ehrlicher Leute Kind und könne allentalben hinkommen, und wenn ich so sittsam und gottesfürchtig bleibe, müssen alle Menschen Freude an mir haben, und die Mutter habe mich gerade in die Stadt geschickt, dass ich mich ein wenig umtun und nicht leutescheu werden solle, und die Frau Präsidentin sei eine Frau, die ihres Gleichen nicht habe, und sei ein grosses Glück für mich, wenn ich manchmal hinkommen dürfe.

So nahm mich die Frau Base dann mit, und während sie von der Frau Präsidentin die Leinwand empfing, sah ich in den Garten, und da sass der junge Herr in tiefen Gedanken und sah aus, wie ein trauernder Engel.

Die Frau Präsidentin erzählte auch, dass er eine Gemütskrankheit habe, und dass sie recht in Verlegenheit wegen seines Zimmers sei, denn es könne ihm Niemand vorsichtig genug mit den Gemälden umgehen, und seitdem eine alte Aufwärterin, an die er einmal gewöhnt gewesen, tot sei, wisse sie gar nicht mehr, was sie anfangen solle.

Die Frau Base sagte: dass ich die Aufwartung nicht wohl übernehmen könne, es der Herr Vetter auch nicht leiden werde, denn er sei ein wenig eigen; dass ich aber jeden Tag, wenn der junge Herr ausgegangen sei, kommen solle, das Zimmer zu reinigen; denn sie habe