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Ansehung der Andern nicht verlässt, wird schon für uns sorgen. Du hast deine Kunst, ich mein Reich, und damit Gott befohlen.

Und Sie haben wirklich Ihre Einwilligung gegeben?

konnte' ich sie verweigern? – Sie beweist mir, dass mir mit ihrem Mitleid nicht gedient sei. Dass ich weit mehr, dass ich ihr Glück, ihre Zufriedenheit verlange. Dass aber daran bei uns nicht zu denken sei, war nach ihrer Meinung längst erwiesen,

Sie wird uns auf ewig verlassen?

Nein! Das ist das einzige, was ich mir bei dieser unerhörten Schwärmerei vorbehalten habe. Die Nonnen können das Kloster verlassen, wann sie wollen, und es wird in meiner Nähe gestiftet.

Gott sei gelobt!

Was hilft es dir? was mir? – Wofern wir nicht dafür sorgen, krank, oder verwundet zu werden, wird sie uns schwerlich erscheinen. Und darum mache nur schnell Anstalt zu einem Bilde für mich. Ganz eigentlich für mich! Aber in keiner himmlischen Glorie will ich sie haben! So, wie ich sie zum erstenmale an deinem Bette sah, im ländlichen Gewande der Unschuld; so will ich sie! Zweimal will ich sie so! Im Grossen und im Kleinen, damit ich sie mit mir führen, sie zwingen kann, mich nicht zu verlassen.

Wann wird das Kloster gestiftet?

So bald, als möglich! ja! so bald, als möglich! denn je früher die Schwärmerei ans Ziel kommt, je früher wird sie geheilt.

Sollte sie ihre Freunde vergessen?

O nein. Führt die Strasse gerade dahin, wird sie ihrer schon gedenken. Liegt aber irgend ein Vagabund am Wege, mögen sie sich nur gedulden: denn fürs erste ist ihr dieser der Nächste.

Seine Bitterkeit stieg bei diesen Worten, und er warf ein kleines Gemälde, was er die ganze Zeit scheinbar betrachtet hatte, mit Unwillen zur Seite. Nach langem Stillschweigen machte er endlich eine Bewegung mit der Hand, und ich deutete dies sogleich als Zeichen meiner Entlassung. Er aber schien erst jetzt aus seiner Träumerei zu erwachen, und rief hinter mir her: dass du dich nur meines Auftrages erinnerst! – Ich neigte mich noch einmal schweigend und bejahend, und eilte, in freier Lust Atem zu holen.

Gretchen an ihre Mutter.

Herzliebste Mutter!

Ich danke dem allgütigen Gotte, dass sie es eingesehen, wie das, was ich erwählet, das sicherste Mittel ist, mich vor Hochmut, Eigendünkel und Weichlichkeit zu verwahren. Die guten Menschen, welche mich umgeben, bedauern mich, und meinen, ich sei von einer Krankheit befallen.

Ach, – denke' ich dannmöge euch Gott nur immer so gesund erhalten, als ich mich fühle, und möget ihr nie mehr zu bereuen haben, als ich zu bereuen haben werde! Alles, was ihr mir von Genuss des Lebens vorsagt, ist ja keiner für mich. Könnt ihr in Ruhe geniessen, während Andere im Elende verschmachten – O ich tadle euch ja nicht! Nur lasst mich gehen und tun, was mein Herz mir gebeut.

Alle Tage, herzliebste Mutter! wird so in mich hinein geredet. Herr Stephani schweigt zwar ganz still; aber sein Gesicht verrät die äusserste Wehmut.

Ach, denke' ich dann, wenn du nur wüsstest, dass du der erste Leidende bist, dem ich helfen will, und dem ich gerade durch meine Entfernung die grösseste Wohltat erzeige.

Denn, sage sie selbst, herzliebste Mutter! gibt es wohl einen andern Rat, oder eine andere hülfe? Würden sich die beiden vortrefflichen Menschen, er und der Fürst, nicht hassen, wenn ich Einen von Beiden erwählte? – Und das müsst' ich mit ansehen und ertragen! –

Nein! nein! so ist's am besten! Sehen sie mich nicht mehr, werden sie meiner auch nicht so vielfältig gedenken. Wer hätte glauben sollen, Herr Stephani werde Rosamunde vergessen? und doch ist es geschehen. So werden sie auch mich vergessen, und sehen sie mich hin und wieder, sich doch an meine Abwesenheit gewöhnen.

Sie werden Freunde bleiben, und wenn sie ja unwillig werden wollen, ihren Unwillen auf mich werfen. Das hat aber auch nichts zu sagen; denn wenn sie mich wiedersehen, werden sie mir doch nicht böse sein können, und begreifen, dass das was ich tat, das beste war, was ich tun konnte.

Eine Viertelstunde von der Stadt, mitten in einem unabsehbaren Garten, wird das Kloster erbaut. Die Nonnen können aus- und eingehen, wie sie wollen, die Kranken und Verwundeten in ihren Häusern oder im Kloster pflegen.

Gestern zeigte mir der Fürst den Riss, nach welchem das Gebäude von ausserordentlicher Grösse, und mit allen für die Unglücklichen erforderlichen Bequemlichkeiten versehen wird.

Nun! was sagst du dazufragte er.

Ich sagerief ich ihm zu Füssen fallend, und indem mir die Freudentränen aus den Augen stürztendass ich schon selig werde hier auf Erde!

Am andern Morgen.

Ich dachte noch mehr zu schreiben, herzliebste Mutter! aber ich musste schliessen, denn es gibt auf das fest noch gar viel zu nähen. Die Kinder sollen alle neu gekleidet werden, weil am ersten Ostertage ein sehr prächtiger Gottesdienst mit herrlicher Musik wird gehalten werden.

Die Frau Präsidentin sagt: ich müsse diesesmal auch mit in die katolische Kirche gehen, sie wolle mich mit in ihren Stuhl nehmen, welcher dicht neben dem Fürstenstuhle ist; und ich