; und da hatte er sich geflüchtet. Sie quälen ihn gewöhnlich mit Lobsprüchen, und wollen mit Gewalt in sein Zimmer, und seine Bilder sehen. Das kann er aber nicht leiden.
So standen wir dann wieder dicht voreinander, wie am Weihnachtsabend. Aber ich weiss nicht, wie es kam – diesesmal war ich gar nicht verlegen; sondern sah ihm so freudig ins Gesicht, als ob ich im Traume die Harfe spielte, und dazu sänge.
Auch er sah vor Freude ganz verklärt aus, und es war wirklich, als hätten wir uns lange verloren, und jetzt erst gefunden.
Der Blumentopf glitt leise an mir nieder auf den Teppich. Er hob ihn auf, gab ihn mir wieder, und wartete schweigend, bis ich das Zimmer verlassen hatte.
Herzliebste Mutter! ich habe seitdem erst begriffen, was in der Bibel vom Anschauen Gottes steht, und dass die Geister schon dadurch selig würden.
Stephani an seine Verwandten.
Wie viel widersprechende Gefühle vermag des Menschen Brust zu umfassen! Reue, Dankbarkeit, Entzükken. Welches ist das Herrschende? welches wird es bleiben? Ach ich weiss es nicht! – Was wollt ich vor wenigen Wochen? Was will ich jetzt? Warum tödtet mich diese Frage nicht? – Mich! Kann auch ein Seliger getödtet werden?
Soll ich hin zu ihr? soll ihr gestehen, dass sie mich besser kannte, als ich mich selbst? – Aber was liegt dann in diesem Bekenntnisse? liegt nicht darin, sie sei mir weniger geworden? und ist das wahr? Nein, bei dem allwissenden Gott! das ist nicht wahr! möchte' ich sie lassen? sie verlieren? O ich kann es nicht denken! eben so wenig, als von der Himmlischen, die mich umschwebt, verbannt werden. Was will ich dann? –
Ach! ich liess die Feder fallen, breitete meine arme weit aus, und rief: sie beide! – Sie beide! – Ich? – Wer bin ich, dass ich diesen Wunsch dachte? laut rief? Was tat ich, ihn denken zu dürfen? – Nichts! Aber tief in meinem inneren fühl' ich den Wert dieser Unvergleichlichen; tief in meinem Inneren fühl' ich, dass kein Mann ihn so würdigen kann und wird. Woher ich das weiss? O ich sehe es! Wird irgend Einer von Allen, die mich umgeben und der Kunst huldigen, von Schönheit so ergriffen, durchdrungen, wie ich? Wäre das, so müssten sie sie darstellen, wie ich; denn alle Darstellungsgabe ist nichts, als Uebermaass des Gefühls, des inneren Lebens, das gewaltsam hervorbricht, um getrennt von dem, welchem es zu mächtig ward, ein eigenes, selbstständiges Leben zu beginnen.
Ist es nicht längst bekannt, dass nur der sich ein Gut am meisten zueignet, der es am meisten zu würdigen und zu geniessen versteht? – Wenn das ist; darf ich dann nicht rufen: sie sind mehr mein, als irgend eines Andern! – Wenn das ist; darf ich mich dann nicht niederwerfen vor Gott, und bitten: gieb, erhalt' sie mir Beide! und liegt in dieser Bitte mehr, als ich mit meinem innigsten Gefühle, mit meinem mächtigsten Bedürfnisse rechtfertigen kann und will? –
Ach, wohin bin ich geraten! Ist mein Wille das Schicksal? – Unglücklicher! bin ich es, der Verzicht tun wollte? Was klag' ich? Wem lächelt das Schicksal dennoch so wie mir? Während ich den blick zur Erde heftete, wurde himmlischer Trost mir bereitet. Die Stadt Pisa fordert eine Madonna, als Altarblatt, von mir. Ja, ihr sollt sie haben! Gerade ich kann sie euch geben! Ach die nötigen Vorbereitungen halten mich noch auf! Aber warum soll ich warten? Kann ich nicht selbst Handwerker, Handlanger werden? Ja, das will ich! und reinigen will ich die Farben, dass alles Irrdische daraus verschwindet. Gefärbtes Licht sollen sie bleiben; auch da, wo sie Schatten werden müssen.
Rosamunde, du schwebtest! Margarete, du sollst schweben, wie sie! Aus eigener Kraft erhob sich jene von der Erde; du warst vom Anfange erhoben. Genien meines Lebens! Kunst und Liebe hält euch in meiner Nähe! Halleluja, ihr könnt nicht mehr von mir weichen!
Gretchen an ihre Mutter.
Herzliebste Mutter!
Es war gestern des Fürsten Namenstag. Ich wusste es schon lange, und hatte meinen Lehrer gebeten, mich ein recht schönes Lied zu lehren, was ich meinem teuern Wohltäter singen könnte. Es war ein prächtiges Lied, und mein Lehrer sagte, ich sänge es recht gut.
Ach, wie freuete ich mich! Ich zog das schönste von den weissen Kleidern an, mit dem feinen goldenen Gürtel, den mir der Fürst dazu geschenkt hat, und dem Perlenhalsbande mit dem goldenen schloss. Ich war gewiss recht schön geputzt, und als ich fertig war, dachte' ich einmal über das andere: ach, wenn doch meine herzliebste Mutter hier wäre, und mich sähe! denn ich bin ja doch ihre einzige Freude auf der Erde.
Der Herr Präsident liess mich auf das Schloss fahren, und meine Harfe wurde mir bis in das Vorzimmer gebracht. Als ich aber in des Fürsten Zimmer treten sollte, wurde mir bange, und ich dachte: ach, die Harfe ist so schwer! wie ungeschickt wirst du damit hineinkommen! Aber es ging besser, als ich dachte.
dicht neben der