der Herr Präsident, und lachte doch wieder recht freundlich – aber das sag' ich dir! in meiner Nähe kann ich den Spectakel nicht mehr dulden. Meine Geschäfte leiden darunter.
Der Saal – meinte die Frau Präsidentin – sei ja noch zwei Zimmer von dem seinigen entfernt.
Nichts! nichts! – rief aber der Herr Präsident – der ganze Tross läuft dann von Morgen bis Abend auf und ab, und des Türzuschlagens wird kein Ende.
So blieb uns dann nichts übrig, als Herrn Stephani's Vorzimmer; denn im Wohn- und Esszimmer ist man keinen Augenblick sicher vor den Kleinen. Seit Rosamundens Krankheit war auch Herr Stephani noch keinen Abend zu haus; sondern entweder bei ihr, oder bei dem Fürsten.
So schaften wir dann in der Dämmerung den grossen Tisch mit allem Zubehör herein, und putzten so prächtig auf, dass die ältesten Kinder vor Freude auf den Stühlen herumsprangen, und die Frau Präsidentin genug zu wehren hatte.
Da nun aber Alles fertig war, umringten sie sie mit einemmale und riefen: ach du allerweltssüsseste Mutter! – so nennen sie sie immer, wenn sie recht bitten wollen – nun tue uns aber noch einen einzigen Gefallen! mach' es nun einmal ganz so, wie die andern Leute, und lass auch ein Christkind dabei kommen! Sieh! Gretchen kann das Christkind sein. Gieb ihr dein silberflornes Kleid! Wir haben schon eine Krone von dem Stück Goldstoff, was du uns schenktest, gemacht, und vom Hofgärtner einen Palmzweig dazu bekommen. Wir haben die Krone schon vor acht Tagen gemacht, mochten sie dir aber nicht zeigen. Sonst hättest du es dem Vater gesagt, und der hätt' es nicht gelitten. Nun aber, wenn es so mit einemmale kommt, wird er sich prächtig darüber freuen. Du weisst es ja! wenn er auch manchmal etwas nicht leiden will, freuet er sich doch nachher darüber, und sagt dann: so, ja so wäre es ganz anders, als er gedacht hätte. Und es macht ja auch gar keine Unruhe, und Gretchen zerreisst dir auch nichts an dem Kleide. O allerweltssüsseste Mutter! tue es nur! Und so liessen sie nicht nach, bis sie endlich Ja nickte.
Nun wurde ich geschwind in der Frau Präsidentin kammer gezogen, bekam das silberflorne Kleid an, den Palmzweig in die Hand, und die goldene Krone dazu auf. Meine Haare wurden ganz lang herunter gekämmt, und da sie sich ein wenig locken, passte es recht gut dazu.
Aber es war spät über dem Allen geworden, beinahe wären die Kleinen eingeschlafen; da sie aber das gewöhnliche Zeichen mit der Glocke hörten, wurden sie Alle wieder munter, und stürmten nun mit einemmale herein.
Aber, mein Gott! wie wurde mir! als Herr Stephani, der Fürst und der Herr Präsident hinter ihnen her kamen. Ich stand oben am Tische, und sollte mich gar nicht rühren; hätte aber vor Zittern bald den Palmzweig fallen lassen. Nun wurden mich auch erst die Kinder recht gewahr, und riefen mit einemmale: ach Gretchen! Gretchen ist das Christkind!
Ich hätte in die Erde sinken mögen, so schämte ich mich. Nun trat aber noch Herr Stephani hinzu, und betrachtete mich so erstaunt, als hielte er mich für ein wirkliches Christkind. Darüber kamen mir dann vor Verlegenheit die Tränen in die Augen, und ich wurde so bestürzt und betäubt, dass ich gar nicht mehr wusste, was ich anfangen sollte.
Die Kinder hatten sich indessen an die Spielsachen gemacht; aber Herr Stephani stand noch immer unbeweglich und staunte mich an. Ach Gott! hätte mir ein Mensch von meinem Putze geholfen, ich hätte ihm Alles zu Gefallen getan. Vor Angst bekam ich entsetzliche Kopfschmerzen, die vielen Lichter blendeten mich auch, und ohne mehr recht zu wissen, was ich tat, nahm ich die Krone ab, und gab sie mit dem Palmzweige Herrn Stephani.
Ich wollte nun geschwind hinauslaufen; aber die Knie zitterten mir so schrecklich, dass ich kaum die paar Schritte zur tür machen konnte. Das war aber gewiss ein grosses Glück; denn sonst hätt' ich vor Angst das ganze Kleid zerrissen.
Die Frau Präsidentin kam gleich hinter mir her, und sagte, der Herr Präsident habe befohlen, ich solle den Abend mit an ihrem Tische essen. Das war nun gewiss eine grosse Ehre; konnte sie aber doch nicht annehmen; sondern musste zu haus gehen, und mich geschwind zu Bette legen. Mir war, als hätt' ich ein Fieber; fiel aber doch bald in Schlaf, und wachte den andern Morgen, beim herrlichen Glockengeläute, frisch und munter wieder auf.###
Ich war wohl eigentlich nicht krank; sondern nur von dem vielen Nähen bis tief in die Nacht, und von dem Schrecken, sehr angegriffen. Nach der Kirche ging ich aber doch gleich wieder zu der Frau Präsidentin. Lieber Gott! was hatte' ich aber da wieder für ein freudiges Schrecken! In der Frau Präsidentin stube war für mich beschert. Ich wollt' es Anfangs gar nicht glauben, dass das Alles für mich sein sollte. Aber die Kinder riefen immer: ja, Gretchen, es ist Alles für dich! Nimm's nur! nimm's nur! es ist Alles für dich! Sieh, das prächtige Clavier und die Harfe, und die Kiste mit lauter feinen weissen Kleidern hat dir der Fürst, das schöne Stück Leinwand und die hübsche Nählade die Mutter