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Jahren ihre Spur nicht mehr zu finden! Nutzlos verwelkt ihre Schönheit, verloschen in dem Andenken der Menschen!

Rosamunde sah schweigend vor sich nieder.

Wozu seid ihr da? – fuhr er fortals gleich Blumen das Auge zu ergötzen, das innerste Leben zu erquicken, und Früchte zu tragen? Euer schnelles Verblühen predigt euch jeden Augenblick die treffende Aehnlichkeit dieses Bildes. Was seid ihr? was bleibt ihr, wenn Früchte nicht an euer kurzes Dasein erinnern?

Blumenantwortete sie lächelnd. –

Blumen! – wiederholte er spöttisch. –

Die durch ihre Schönheitfuhr sie sanft und heiter fortdas Auge ergötzen, das innerste Leben erquikken, nur keine Früchte tragen.

Und wenn es bei dem ersten nur bleibt?

Das Erste schliesst das Zweite schon in sich. Alle Schönheit erquickt das innigste Leben.

Sie kann auch zur Marter werdenrief er heftigDarüber haben Sie als Weib keine stimme. Sehen Sie ihn an! – fuhr er fort, und sein Zorn stieg höherEr stirbt! und Sie haben ihn mir, der Kunst und der Welt ermordet! Glauben Sie, dass ich das so dulden werde? Ich sage Ihnen nein! ich werde es nicht dulden. Von mir fordert ihn die Kunst, die Welt, und wüssten Sie, was das gesagt heisst, so würde' ich sagen: von Ihnen. Aber Sie haben nur Gefühl für Ihren eigenen Wert. Doch stirbt Ihre Kunst mit Ihnen. Nicht so bei ihm! er wird von ihr überlebt. Nach Jahrhunderten werden seine Bilder ergötzen, und Menschen über Erdennot erheben. Ein unvergängliches Denkmal könnten Sie sich stiften, wenn Sie sein Leben verlängerten. Aber Sie verkürzen es, und so seien Sie meines Hasses gewiss; es sei denn, dass Sie plötzlich bereuen. Gern will ich auch Ihre Kunst meinem volk erhalten, denn ich bin ihm dafür, wie für alles Schöne, was ihm als das höchste Bildungsmittel geraubt werden kann, verantwortlich. Aber dann eilen Sie, sich zu entschliessen! Seien Sie ein Weib, ein wahrhaft schönes, ein liebendes Weib! Opfern Sie sich auf, und werden Siegelüstet Sie nach Ruhmdurch dieses Opfer grösser, als der, dem Sie sich opfern.

Ich zweifeleerwiderte siedass er das Opfer annähme, und nähme er es an, so wäre er dessen nicht würdig.

O ja! – rief er, glühend vor ZornEr wär' es! er wär' es! Wem anders, als dem mann, gehört die Schönheit der Frau?

Ich glaubefuhr sie sehr sanft und lächelnd fortsie gehöret ihr selbst; so wie ihr Herz und ihr Leben. Wem sie es auch gibt, es ist ein freies Geschenk; oder es gibt keine Freiheit mehr auf Erden.

Er mass nun wieder mit grossen Schritten das Zimmer, blieb dann plötzlich vor ihr stehen, und fragte, wie er glaubte, sehr gefasst; aber mit blitzenden AugenWo aber soll das enden? das frag' ich Sie, und darauf will ich Antwort.

Es endet mit meinem Lebenantwortete sie ruhigund davon ist nicht viel mehr übrig.

Täuschung! Schwärmerei! Wer, der Sie sieht, kann das glauben? Wohlan Sie wollen nicht endigen! so endige dann ich, auf eine Art, die Sie nimmermehr erwarten. Verstehen Sie mich? auf eine Art, die Sie nimmermehr ahnen.

Ich habe verstandenantwortete sie. –

Nein, Sie haben mich nicht verstanden! – rief erIch kenne ein Mädchen, das schöner ist, als Sie..... Ha sehen Sie! erbleichen Sie nur! Ja schöner! Ein Mädchen, das nichts kennt, nichts weiss, als lieben. Ein Engel stralend von Unschuld. Sein Ideal, dafür bürg' ich mit meinem Leben! sein Ideal, das er aufgab, da er Sie kennen lernte, wähnend es sei auf Erden nicht zu finden. Es ist gefunden! Jubelnd als Mann und als Künstler wird er bekennen, dass es gefunden ist. Mit unendlichem Preise gegen den Allgütigen, der ihn schon lebend in seinen Himmel erhob. Ja, ein himmlisches, tausendfältiges Leben wird er beginnen! Unsterbliche Werke wird er hervorbringen. Dieser Engel, voll ewiger Unschuld und Liebe, das Urbild aller Schönheit wird er ihm werden, und sein Bild wird der Nachwelt den ewigen Frieden aus jedem seiner Werke zulächeln. Sie, o Sie sind verschwunden, vertilgt aus seinem Gedächtnisse! Gedenkt er Ihrer, so ist es, wie einer schweren Krankheit, wo sein Geist verfinstert, seine Kraft gelähmt war, wo sein Schatten nur lebte. Wollen Sie das? Wollen Sie, dass ich so endige?

Wofern nicht auch mein Geist gänzlich verfinstert ist, so muss ich das wollen.

Wie!

Ist dieses Mädchen sein Ideal, kann es mich aus seinem Herzen vertilgen: so wäre ja das Opfer, was Sie fordern, zwecklos, widersinnig, ja schändlich; denn ich verkennete durch dieses Verschleudern meines Herzens, meines Lebens, den Wert, welchen sogar Sie mir noch beilegen. Ist seine Liebe zu mir Krankheit, und geneset sein Geist nur durch Verbindung mit diesem Mädchen, wie eigensüchtig und hassenswürdig, ihn nicht genesen zu lassen. Nur dann, sagen Sie, wird sein wahres, sein himmlisches Künstlerleben beginnen, nur dann wird er die unsterblichen Werke hervorbringen, die nun mit ihm untergehen. Was fordert die Welt