, und ging mit grossen Schritten vor mir hin und her. Mit einemmale blieb er aber stehen, fasste meine beiden hände, und sagte sehr freundlich: Höre liebstes Gretchen! ich weiss, du hältst mich für deinen Freund und sagst mir Alles ganz aufrichtig. –
Ja, das weiss Gott! – fiel ich ein – und ich würde mich auch versündigen, wenn ich es nicht täte.
Nun so sage mir doch einmal – fuhr er fort – woran denkst du nun wohl den ganzen Tag am meisten?
Das kann ich Ihnen wohl sagen, gnädigster Herr! – antwortete ich – Sie kennen ja den jungen Herrn in des Herrn Präsidenten haus? der, der letztin krank war, der die schönen Bilder malt?
Ja, ja, ich weiss! ich weiss! – rief er ungeduldig, liess plötzlich meine hände los, und ging von mir weg.
Mir war, als wär' er böse, und doch konnte ich nicht begreifen worüber. Indem ich noch darüber nachdachte, und nicht gleich wusste, was ich anfangen sollte, kam er wieder auf mich zu. Warum schweigst du Gretchen? – fragt' er, und nun kam es mir vor, als wär' er betrübt – Gereuet es dich, was du gesagt hast?
Lieber Gott! – sagt' ich – wie könnte mich das gereuen? Es kam mir nur vor, als wären Sie erzürnt; ich wusste freilich nicht worüber.
Kehre dich nicht daran! – antwortete er – Uns geht mancherlei durch den Kopf. Fahre fort, Gretchen! fahre fort! – und indem er dieses sagte, presste er meine hände so stark, dass sie mich schmerzten.
Gnädigster Herr! – sagt' ich – ich merke nun wohl, dass Sie über den armen jungen Herrn, und besonders darüber erzürnt sind, dass er nicht von der person, die ihn so unglücklich macht, lassen kann. Aber bedenken Sie nur, es hängt ja nicht von einem Menschen ab, wen und wie sehr er lieben will.
Weisst du das? – rief er hastig – Das weisst du!
Wie sollt' ichs denn nicht wissen! – sagt' ich lächelnd – man hört ja davon so mancherlei Geschichten, die noch viel wunderbarer sind, als die mit dem jungen Herrn.
Aber Gretchen – sagte er – sollte denn die Vernunft gar nichts über einen Menschen vermögen? –
Da konnte' ich aber das lachen nicht lassen, und antwortete: nehmen Sie es mir nicht übel, gnädiger Herr! aber das kommt mir gar zu possirlich vor, wenn man die Liebe durch die Vernunft austreiben will. grosser Gott! die Liebe ist ja das Allervernünftigste auf der Erde. Vor dem lieben Gott wird der, der da liebt, immer und ewig Recht behalten, und nur der da hasset, wird verdammt werden, und zwar durch seinen eigenen Hass. Man sieht's ja auch alle Tage, die Liebe erhält, und der Hass zerstört. Nun wäre es ja aber unvernünftig, wenn ich mir einbildete: der liebe Gott wolle seine eigenen Werke zerstört haben. O nein! er hat den Menschen die Liebe gegeben, damit sie erhalten werden, und hat den Heiland gesandt, damit er die Menschen durch sein heiliges Leben an die Liebe – an das Eine, was Not tut, – erinnere.
Liebstes Gretchen – sagte der Fürst – du sprichst da von einer ganz andern Liebe.
Nun konnte' ich wieder das lachen nicht lassen, denn es war mir einmal so lächerlich zu Mute. Gnädigster Herr! – sagt' ich – nehmen Sie es mir nicht übel, dass ich heute so viel lache; aber das ist nun wieder ganz was Sonderbares, dass die Leute einen Unterschied unter der Liebe machen. Liebe ist Liebe, sie mag vermischt sein, womit sie will. So wie Gold Gold bleibt, mag auch noch so viel anderes Metall dazu kommen. Wie unvollkommen die Leute auch anfangen zu lieben, das tut Alles nichts, wenn sie nur immer fortfahren, werden sie es schon einmal lernen. Wenn sie aber hassen, sich im Hassen üben, kann in Ewigkeit nichts Gutes herauskommen.
Du wirst aber doch nicht läugnen – sagte der Fürst nun wieder – dass die Liebe viel Unheil anrichten kann.
Ach lassen Sie sich so was nicht weiss machen, gnädiger Herr! – fiel ich schnell ein – die Liebe hat, so lange sie da ist, noch kein Unheil angerichtet. Alles, was die Leute von dieser sogenannten Liebe erzählten, war nichts, als ein herausgeputzter Hass, und der mag freilich viel Unheil angerichtet haben.
Aber es kann doch Verhältnisse geben, – fuhr er fort – in welchen die Liebe unerlaubt ist.
Das mögen mir schöne Verhältnisse sein! – rief ich nun wieder lachend – wo die Liebe unerlaubt ist! Solch ein verhältnis möchte' ich wohl einmal sehen, in welchem mir das Lieben verboten werden könnte!
Gretchen – sagt' er nun sehr ernstaft – du lachst; aber denke nur einmal darüber nach: ob es nicht solche Verhältnisse gibt. –
O ja! – rief ich noch lauter lachend, indem ich meinen Korb nahm – ich will darüber nachdenken! unterdessen, gnädiger Herr! denken Sie auch einmal darüber nach: ob es nicht Verhältnisse gibt, in welchen einem das Atemholen verboten werden könne.
O Mädchen! – rief er nun, indem er mich fest um den Leib fasste – gieb mir einen einzigen